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Branimir Hrgota „Mein Kopf ist in Frankfurt“

Eintracht-Stürmer Branimir Hrgota über Spätzünder, Konkurrenzkampf und Zlatan Ibrahimovic.

Branimir Hrgota. Foto: Jan Huebner

Seinen 24. Geburtstag hat Branimir Hrgota in Abu Dhabi gefeiert, auf dem Trainingsplatz, einsam Sprints anziehend. Wegen leichter Kniebeschwerden war der Stürmer kurzfristig aus dem Mannschaftstraining herausgenommen worden. In der Saison hat der Schwede, im Sommer aus Mönchengladbach gekommen, bislang drei Tore erzielt, zwei zuletzt gegen Mainz. Hrgota ist auf dem Weg, sich einen der stark umkämpften Plätze im Sturm zu ergattern. Neben Alex Meier? Oder wird er den Fußballgott gar verdrängen? Von heute an läuft der Countdown für das Leipzig-Spiel am Samstag, Hrgota und Kollegen werden sich nun wieder an andere Temperaturen gewöhnen müssen. Der FR stand der Angreifer Rede und Antwort.

Herr Hrgota, sind Sie ein Spätzünder?
Ein was?

Ein Spätzünder. Einer, der einen langen Anlauf benötigt, bis er erfolgreich ist. Für Ihr erstes Bundesligator für die Eintracht benötigten Sie 13 Spiele.
Weiß ich nicht. Kann vielleicht sein, aber jetzt fühle ich mich sehr, sehr wohl. Am Anfang ist es für einen neuen Spieler doch immer schwer, hinein zu kommen und sich an die neue Mannschaft zu gewöhnen. Man muss ja erst die neuen Kollegen kennenlernen, wie das Team spielt und was die Trainer alles vorhaben. Das habe ich inzwischen drauf.

Man sieht es. Zwei Tore gegen Mainz, zwei Tore in Abu Dhabi gegen einen chinesischen Erstligisten.
Klar, man braucht eine gewisse Zeit. Doch ich hatte auch in den Spielen davor einige Chancen. Schon da hätte ich Tore machen können.

Wie wichtig sind Tore für einen Stürmer? Oder reicht es Ihnen, gut für das Team gearbeitet zu haben.
Tore sind für das Selbstbewusstsein wichtig. Man weiß, man trifft. Aber dass ich anfangs nicht getroffen habe, hat mich nicht unter Druck gesetzt, sondern im Gegenteil noch mehr motiviert. Damit hatte ich kein Problem.

Der Konkurrenzkampf bei der Eintracht im Angriff ist enorm. Alex Meier, Ante Rebic, Haris Seferovic, Shani Tarashaj sind ja auch noch da. Müssen Sie da nicht fürchten, öfter nicht spielen zu dürfen?
Konkurrenz habe ich schon immer gehabt. Auch in Gladbach. Ich persönlich finde das gut, denn dadurch pusht man sich selbst nach vorne. Dann muss ich in jedem Spiel zeigen, dass ich den Platz im Team behalten möchte. Dadurch wird man besser. Ich habe auch schon mit allen zusammengespielt. Wir harmonieren vorne ganz gut.

Wie ist das Zusammenspiel mit Alex Meier. Manchmal sieht es so aus, als seien Sie sich beide in Ihrer Spielart zu ähnlich.
Das ist kein Problem. Und ich finde auch nicht, dass wir ähnlich spielen. Mal gehe ich in die Lücken, mal holt Alex die hohen Bälle, mal lege ich auf, mal er. Gegen Augsburg zum Beispiel konnte man sehen, wie gut das Zusammenspiel funktioniert. (Meier bereitete den Treffer von Hrgota vor; Anm. d. Red.).

Was sind denn grundsätzliche Unterschiede zwischen Ihrem alten Klub Mönchengladbach und jetzt in Frankfurt?
Ich habe inzwischen viel mehr Erfahrung in der Bundesliga. Ich weiß ganz genau, was man jetzt von mir verlangt, was ich bringen muss, und das liefere ich.

Gibt es Dinge, die in Frankfurt anders gemacht werden? Die medizinische Betreuung etwa? Oder die Intensität im Training?
Ach, das ist alles ziemlich ähnlich. Unter Lucien Favre (früherer Trainer von Mönchengladbach Anm. d. Red.) wurde im Training genauso hart und akribisch gearbeitet wie unter Niko Kovac.

Was sind Ihre Ziele bei Eintracht Frankfurt?
In jedem Spiel spielen, das ist doch klar. Zum Ende hin habe ich das, denke ich, gut gemacht. Ich bin persönlich überhaupt sehr glücklich mit der ganzen Vorrunde. Platz vier ist natürlich toll, aber auch mit meinen eigenen Leistungen war ich zufrieden. Diesen Schwung wollen wir ins nächste halbe Jahr mitnehmen und weiter Gas geben.

Eine Nominierung in die schwedische Nationalmannschaft müsste doch, nachdem Superstar Zlatan Ibrahimovic nicht mehr spielt, viel leichter zu ergattern sein, oder?
Da schaue ich nicht so sehr drauf. Ich muss mich zunächst in Frankfurt beweisen und durchsetzen. Alles andere kommt von selbst. Wichtig ist, dass ich meinen Kopf in Frankfurt habe und mich auf die Eintracht konzentriere. Ich weiß auch nicht, ob es so gut ist für die schwedische Nationalmannschaft, dass Zlatan nicht mehr dabei ist. Er hat sehr, sehr viel für die schwedische Mannschaft getan.

Herr Hrgota, Sie sind in Bosnien geboren, besitzen den kroatischen Pass, sind in Schweden groß geworden, leben in Deutschland. Wo ist für Sie Heimat?
Ganz klar in Schweden. In Bosnien bin ich nur geboren, meine Eltern sind Kroaten. Aber mein ganzes bisheriges Leben verbrachte ich vorwiegend in Schweden. Wenn ich nach Hause fahre, dann ist es nach Schweden, da lebt meine Familie. In Kroatien bin ich nur im Urlaub.

Interview: Thomas Kilchenstein

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