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Blamage in Ulm Schön schlecht

Titelverteidiger Eintracht Frankfurt scheidet in der ersten Runde des DFB-Pokals in Ulm aus, schlittert schon vor dem Bundesligastart in Freiburg in eine erste Krise und malt die Schlappe in rosaroten Farben.

DFB Cup First Round - SSV Ulm 1846 v Eintracht Frankfurt
Aus in Runde eins: Eintracht-Profis nach dem Abpfiff. Foto: rtr

Sportdirektor Bruno Hübner hat am Sonntagvormittag, einen Tag nach dem sehr unerfreulichen Ausscheiden aus dem gerade erst beginnenden Pokalwettbewerb, seinen Trainer trotz Sonnenscheins natürlich nicht allein im Regen stehen lassen. Hübner half dem Trainer Adi Hütter, Seit‘ an Seit‘, die Gemüter zu beruhigen, die nach dem 1:2 (0:0) gegen den Viertligisten SSV Ulm dann doch schon ein wenig heißzulaufen begannen. Das Duo Hübner/Hütter war im Schatten der WM-Arena sehr um Schadensbegrenzung bemüht, selbst wenn die Suche nach den positiven Dingen eine peinliche Niederlage gegen einen Regionalligisten zuweilen arg bemüht wirkte: „Keine Panik. Wenn alle gesund an Bord sind, haben wir die Qualität für die Bundesliga“, sagte der Manager gestern. 

Schon in Ulm, unmittelbar nachdem feststand, dass erstmals seit 22 Jahren wieder - nach dem 1. FC Kaiserslautern - ein amtierender Pokalsieger in der ersten Runde gescheitert war, wollte Hübner die peinliche Pleite in erster Linie an der mangelnden Chancenverwertung festmachen. Er malte die Schlappe in rosaroten Farben. Zwar räumte auch er eine „riesige Enttäuschung“ ein, weil man aus einem Wettbewerb ausgeschieden sei, den „wir zwei Jahre lang geprägt haben“. Doch allzu „dramatisch“ sehe er das Ganze nicht. „Wir haben die Chancen liegengelassen, das war schlecht. Aber ich habe auch viele gute Ansätze gesehen. Darauf müssen wir aufbauen.“ Der Manager schaute in verblüffte Gesichter, und als ihn einer fragte, ob er da nicht etwas zu viel Schönfärberei betreibe, reagierte er arg unwirsch und antwortete scharf: „Ich habe doch gesagt, dass es eine Enttäuschung und eine Katastrophe ist, was soll ich noch machen, einen Handstand oder was?“ Von der Qualität der Mannschaft sei er weiterhin überzeugt

Optische Überlegenheit verpufft

Auch Trainer Adi Hütter sagte: „Ich vertraue der Mannschaft. Sie ist jung. Sie braucht Zeit. Gebt uns ein bisschen Zeit, um in die Spur zu kommen.“ Und Vorstand Fredi Bobic, verantwortlich für die sportliche Ausrichtung, nahm den K.o. erstaunlich gelassen. „Das kann jedem passieren, dass er mal in der ersten Runde ausscheidet – auch uns.“ Das ist natürlich nicht verkehrt, doch muss die Art und Weise zu denken geben, wie Eintracht Frankfurt gegen einen Viertligisten auftrat. Über weite Strecken der Partie war ein Klassenunterschied nicht zu erkennen. Die Niederlage gegen den Regionalligisten, die Steffen Kienle (48.) und Vitalij Lux (75.) bei einem Gegentor des eingewechselten Goncalo Paciencia (90.) besiegelten, war fast folgerichtig.

Klar, der Bundesligist hatte mehr als 70 Prozent Ballbesitz, war optisch überlegen, hatte auch Möglichkeiten, allen voran Luka Jovic hatte beste Gelegenheiten auf dem Fuß. Dazu gab es zwei Pfostentreffer durch Jovic und Lucas Torro. Aber das Frankfurter Spiel kam - bis auf eine Viertelstunde vor der Pause - nie wirklich in Gang. Ein spezielles System war nicht zu erkennen, der Spielaufbau schleppend und zäh, meist beschränkte er sich auf lange Diagonalbälle auf die Außen Jetro Willems oder Danny da Costa, die manchmal ankamen und manchmal nicht. Erschreckend war zudem der Mangel an Ideen, wie eine defensiv ordentliche stehende Mannschaft aus Liga vier auszuspielen ist. Zusammenspiel, Pressing? Fehlanzeige. Neuzugang Torro ist komplett überfordert, Jonathan de Guzman versteckte sich lange Zeit, die Abwehrkette wackelt bedenklich, allen voran Kapitän David Abraham. Auf Adi Hütter wartet noch eine Menge Arbeit, er hat einige Baustellen zu beackern, mehr jedenfalls, als er sich hatte träumen lassen. 

Die Spieler sind kritisch

Allein Mijat Gacinovic verströmte in Ansätzen Spielfreude, bei ihm hatte man wenigstens das Gefühl, es könnte etwas werden. Der schmale Techniker war es auch, der angefressen war und Klartext redete. „Die Ulmer haben den Sieg verdient, sie waren besser.“ Es bestünde innerhalb des Teams dringend Redebedarf, fügte der Serbe an. „Wir müssen miteinander reden, ehrlich.“ Ansonsten befürchtet der 24-Jährige Unbill: „So geht es nicht weiter. Wir müssen zusehen, schnell auf den alten Weg zu kommen.“ 

Auch Makoto Hasebe hieb in dieselbe Kerbe: „Wir haben keinen Zweikampf gewonnen, die zweiten Bälle verloren, so kannst du kein Fußballspiel gewinnen.“ Und Danny da Costa sah derart bedröppelt aus, dass man ihn am liebsten in den Arm genommen und getröstet hätte. „Mir reicht es jetzt mit den Nackenschlägen“, sagte der Verteidiger. In Freiburg müsse man schnell all die Tugenden zeigen, die das Team einst stark gemacht hatten: „Wir müssen über 90 Minuten erst mal wieder Entschlossenheit, Konsequenz, Kampf- und Laufbereitschaft zeigen. Vielleicht hat ein bisschen das Herz gefehlt.“ Das lässt tief blicken. Tief blicken lässt auch, dass die Mannschaft mit sich selbst deutlich härter ins Gericht geht als die Verantwortlichen und damit der Realität sehr viel näher kommt. Tatsächlich muss Eintracht Frankfurt aufpassen, nach Supercup und Pokal nicht auch noch den Bundesligastart in den Sand zu setzen. 

Womöglich kommt in dieser Woche noch Verstärkung. Angreifer Filip Kostic, zuletzt zweimal abgestiegen, erst mit dem VfB Stuttgart, jetzt mit dem Hamburger SV, soll vor der Unterschrift stehen. Ob er sofort helfen kann? „Kein Thema“ sei indes der Schweizer Verteidiger Kevin Mbabu, sagte Bruno Hübner. 

Dennoch haben die Hessen auch auf der Position des rechten Verteidigers Bedarf. Denn Timothy Chandler, etatmäßiger Außenbahnspieler, wird dem Klub für mindestens sechs Monate nicht zur Verfügung stehen. Die Operation, der er sich am Freitag hatte unterziehen müssen, hat ergeben, dass der Deutsch-Amerikaner an einem Knorpelschaden laboriert. Frühestens im Februar wird Chandler vorsichtig ins Training einsteigen können. Die Eintracht wird personell noch mal nachlegen. 30 Millionen Euro stehen zur Verfügung, von denen 20 schon ausgegeben sind. Vielleicht geht die Eintracht aufgrund der aktuellen Schieflage auch ins Risiko: „Wir haben eine Planung, wir überlegen, ob wir über diese Planung hinausgehen“, bestätigte Hübner. 

Ansonsten droht eine Bruchlandung. „Wir haben noch ein bisschen Kredit, aber wir müssen aufpassen, dass wir den letzten Kredit nicht auch noch verspielen“, sagte Danny da Costa. Seine Worte sollten nicht ungehört verhallen. 

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