Lade Inhalte...

Axel Hellmann Mastermind im Hintergrund

Axel Hellmann ist ehrgeizig, einflussreich, loyal und bestens vernetzt. Ein Mann tritt aus dem Schatten, weil er sich am Ziel seiner Wünsche wähnt. Ab Sommer 2012 gehört Hellmann dem Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG an.

17.11.2011 17:44
Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein
Axel Hellmann Foto: Andreas Arnold

Axel Hellmann ist ehrgeizig, einflussreich, loyal und bestens vernetzt. Ein Mann tritt aus dem Schatten, weil er sich am Ziel seiner Wünsche wähnt. Ab Sommer 2012 gehört Hellmann dem Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG an.

Seinen bislang ersten und im Grunde auch einzigen großen Auftritt vor der versammelten Sportpresse hatte Axel Hellmann ausgerechnet in der Stunde der größten Frankfurter Schmach der Fußball-Neuzeit. Mit verspiegelter Sonnenbrille und verschränkten Armen stand er nach dem 0:2 gegen Köln im Mai ganz unten im Bauch der Arena im Stadtwald, die Mannschaft war gerade so gut wie abgestiegen, draußen wüteten die Chaoten über den Platz, als der 40-Jährige mit versteinerter Miene aus dem Schatten ins Licht trat und seine Rolle im Hintergrund aufgab.

Agent in geheimer Mission

„Ein Einfach-Weiter-So wird es nicht geben“, war die Kernaussage. Es klang wie eine unverhohlene Drohung, aber es war mehr, es war die Ankündigung einer Veränderung im Führungszirkel ? Heribert Bruchhagens Tage als Sportlicher Leiter waren gezählt.

Heute ist Hellmanns damaliger Auftritt fast schon legendär, auch weil die FAZ ihn unlängst als „Agenten in geheimer Mission“ bezeichnete, der nach der Macht strebe und Bruchhagen beerben wolle. Auf das Amt Bruchhagens habe er es nicht abgesehen, entgegnete Hellmann stets. Auf einen Sitz im AG-Vorstand schon. Einmal, als es um die Nachfolge von Heiko Beeck im Jahr 2008 ging, galt er schon als heißer Kandidat für den dritten Vorstandsposten. Heribert Bruchhagen, damals noch der unangefochtene Regent, soll sein Veto eingelegt haben.

Der Vorstandschef wollte das am Mittwoch nicht explizit bestätigen: „Den Vorstand besetzt der Aufsichtsrat“, sagte Bruchhagen. „Aber wenn mich der Aufsichtsratsvorsitzende fragt, gebe ich meine Einschätzung ab.“ Nun, dreieinhalb Jahre später, ist Hellmann am Ziel, auf das er beharrlich und geduldig hingearbeitet hatte.

Ab Juni 2012 hauptamtlicher Vorstand

Der Frankfurter Jurist, Anwalt in einer renommierten Kanzlei in Sachsenhausen, wird ab Juli nicht mehr am Riederwald beim Verein arbeiten, sondern als hauptamtlicher Vorstand ein Büro auf der Geschäftsstelle im Stadion beziehen. Das ist für ihn Neuland, ungewohntes Terrain, seine Heimat war der Vereinssitz am Riederwald, dessen Neubau er federführend plante und vorantrieb. Aus dem Hintergrund. Wie so oft.

Hellmann ist keiner, der im Rampenlicht steht. Er gilt eher als kühler Taktierer und Stratege, der rational die Dinge in die Wege leitet. Im Verein konnte er im Schatten des extrovertierten Präsidenten Peter Fischer, der sich gelegentlich auch eine blutige Nase abholte, die Weichen stellen. Hellmann blieb Mastermind im Hintergrund. Peter Fischer, mit dem ihn eine enge Freundschaft verbindet, sagte am Mittwoch, er verliere „in Axel nicht nur meinen besten Mann, sondern einen Vertrauten, einen guten Freund einen loyalen Mitarbeiter“.

Einer der weiß, was er will

Und einen fleißigen, ehrgeiziger, zielgerichteten. Axel Hellmann weiß sehr genau, was er will, er weiß auch, wie man sein Ziel erreicht. Er hat sich bei Eintracht Frankfurt unentbehrlich gemacht, erst als Vizepräsident (seit 2001), dann als Aufsichtsrat (seit 2003). Er hat sich auch außerhalb des Vereins engagiert in der Sportinitiative Rhein Main, er war in jüngeren Jahren Geschäftsführer in einigen Unternehmen. Er war präsent. Er ist ein Strippenzieher, wenn man es negativ ausdrücken will, ein guter Netzwerker, wenn man es positiv formulieren möchte. Der Vater zweier Kinder hat sich ein Geflecht an Beziehungen und auch persönlichen Bindungen geschaffen, das ihm zuweilen Türen öffnet, die anderen verschlossen bleiben.

Er gilt als verlässlicher Partner, der sich auch unterordnen kann. „Wir werden kollegiale Entscheidungen treffen, aber es gibt auch eine Richtlinienkompetenz ? und die liegt bei Heribert Bruchhagen“, sagte Hellmann am Mittwoch. Der groß gewachsene Mann weiß um die finanziellen Engpässe und Nöte der Eintracht, er sieht es als Herausforderung an, neue Einnahmequellen zu erschließen. Damit wird er gut zu tun haben. Der Hobbyfußballer, den schon ein Kreuzbandriss auf Eis gelegt hat, wird künftig weniger zum Kicken kommen.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum