Lade Inhalte...

Armin Veh „Stehe hier nicht im Büßerhemd“

Die immer lauter artikulierte Kritik an seiner Arbeit geht an Eintracht-Trainer Armin Veh nicht spurlos vorüber.

Gewohnter Ablauf: Armin Veh mit den Spielern Medojevic, Ben-Hatira und Huszti (v.l.). Foto: imago/Jan Huebner

Die Frage musste ja kommen, die Frage, was er, Armin Veh, denn jetzt so alles ändern wolle. Da hat der Frankfurter Trainer, der in dieser Woche vor dem nicht ganz unwichtigen Spiel am Freitagabend gegen den Hamburger SV unter Ausschluss der Öffentlichkeit üben ließ, gegrinst. Von reinem Aktionismus hält der Fußballlehrer bekanntlich nicht viel, deshalb werde sich auch in den Tagen der Krise am gewohnten Ablauf nicht viel ändern. Er hat die Mannschaft abgeschottet von den Kiebitzen, um in Ruhe zu trainieren, er hat angekündigt, bei den Standards womöglich andere Schwerpunkte zu setzen. Aber weil zum Beispiel Carlos Zambrano und Alex Meier am Dienstag wegen leichter Erkältung fehlten, sei selbst dies schwierig. Wichtig ist Armin Veh ohnehin eines: „Wir werden jetzt nicht total verrückt spielen und plötzlich alles ändern.“

Das Umfeld ist nervös

Armin Veh, das ist nicht zu übersehen, will Ruhe ausstrahlen, will die Gemüter besänftigen und den Ball flach halten. „Wer Theater macht, steigt ab“, ist seine Maxime. Natürlich hat der 55 Jahre alte Coach registriert, dass die Stimmung rund um Eintracht Frankfurt schlechter geworden ist, dass das Umfeld nervös geworden ist. Dagegen kann er auch nichts tun. Veh hat volles Verständnis dafür: „Fünf Siege bisher sind nicht so prickelnd.“

Andererseits macht er aber auch deutlich, dass all die Kritik, geäußert in sozialen Netzwerken, am Stadionzaun oder in Leserbriefspalten über die enttäuschende Saison die Protagonisten nicht wirklich voranbringt. „Unruhe hilft da nicht. Die Spieler werden nicht besser, wenn wir unten stehen.“ Und dann auch noch draufzuhauen, sei eher kontraproduktiv.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Klar ist auch, dass die anhaltende Kritik an Armin Veh nicht spurlos vorübergeht. „Die verspüre ich schon die ganze Zeit. Dass das anscheinend was mit mir zu tun hat, weil ich vor zwei Jahren den Verein verlassen habe, ist völlig korrekt. Ich spüre das schon. Es ist nicht angenehm“, sagte Veh. Aber er wehrte sich auch vehement gegen diese Vorwürfe. „Ich stehe hier nicht im Büßerhemd“, sagte Veh am Dienstag nach der Einheit kämpferisch. Seit Saisonbeginn muss er damit leben, dass ihm viele Anhänger nicht vergessen haben, dass er sich bei seinem Abschied despektierlich über den Klub geäußert hatte. Manchmal habe er den Eindruck, als gebe es nichts wichtigeres auf der Welt. Und was passiere bei der nächsten Niederlage? „Sperren sie mich dann ein?“ Er versuche, seinen Job so gut wie möglich zu machen, er versuche, die Mannschaft bestens einzustellen, „der Rest ist Sport“.

Auch in dieser momentan prekären Situation gelte, jetzt „nicht alles aufzugeben, was wir uns aufgebaut haben“, sagte Veh. In Köln beispielsweise habe man über weite Strecken das gemacht, „was wir vor hatten“. Erst nach dem 1:2 sei sämtliche Ordnung über Bord gegangen, „du darfst da nicht deinen ganzen Plan verlieren“.

Zu viele Gelbe Karten

Dass Eintracht Frankfurt ein Problem damit hat, das Zentrum im Mittelfeld dicht zu bekommen, „kennen wir schon lange“. Bislang hat sich auf dieser Position kein Spieler herauskristallisiert, der das hätte zufriedenstellend lösen können. „Und dass wir dauernd umbauen müssen, hilft uns auch nicht.“ Am Freitagabend darf man gespannt sein, wem Veh die Verantwortung des „Sechsers“ überträgt. Wieder Makoto Hasebe, der schnell verunsichert wurde und sich viel zu häufig in Fouls flüchtete? Marco Russ, dem jegliches Tempo im Mittelfeld abgeht? Aleksandar Ignjovski, der spielerische Grenzen hat? Oder Slobodan Medojevic, der zu leichten Ballverlusten neigt?

Dazu kommt, dass Veh auch noch links hinten umstellen muss. Bastian Oczipka muss wegen seiner fünften Gelben Karte zusehen. Ohnehin, krittelte Veh, „kassieren wir viel zu viele Gelbe Karten“, 60 Stück bereits. Constant Djakpa wäre an und für sich die logische Alternative, aber da zögert der Trainer noch.

Wie auch immer: Nur durch Erfolgserlebnisse, und die möglichst bald, bekommt Eintracht Frankfurt Ruhe ins Umfeld. Auch wenn die Haltbarkeit dieser Ruhe, das haben die beiden ersten erfolgreichen Spiele gezeigt, oft nur eine Woche währt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum