Lade Inhalte...

Ante Rebic Die Wuchtbrumme

Stürmer Ante Rebic schießt sein erstes Tor für Eintracht Frankfurt und macht damit den Deckel auf das Spiel. Trainer Kovac lobt : „Noch nicht das Ende der Fahnenstange“.

Starker Mann, starker Auftritt: Ante Rebic (rechts) krönt seine gute Leistung mit dem Siegtor zum 2:0. Foto: Hübner / Vogler

Der solange verhinderte Schütze wollte dann nach getaner Arbeit schnurstracks in den Kabinen verschwinden. So wie er das sonst immer tut, neun Einsätze hat Ante Rebic bislang für Eintracht Frankfurt bestritten, mehr recht als schlecht. In aller Regel wollte niemand etwas Spezielles vom Stürmer wissen. Und wenn über Ante Rebic berichtet wurde zuletzt, dann wegen seiner Unbeherrschtheiten und seiner nickligen Art, Fußball zu spielen. Er wandelt meist am Rande des Platzverweises, zudem hat er es fast mühelos geschafft, binnen kurzem fünf Gelbe Karten zu sammeln, was ihm zuletzt ein freies Wochenende beschert hatte. Insofern war es für ihn nur normal, nach Spielende stante pede unter die Dusche zu gehen.

Doch dieses Mal sollte der 24-Jährige Angreifer nicht so leicht davonkommen. Das lag natürlich daran, dass er es war, der in der 83. Minute mit dem 2:0 endgültig den Deckel auf dieses Spiel gesetzt hatte. Es war sein erster Treffer im Trikot von Eintracht Frankfurt, es war ein wichtiges Tor, dessen ungeachtet weder ein besonders schweres noch schwieriges. Alex Meier hatte Ante Rebic den Ball perfekt flach aufgelegt, der Kroate musste in Bedrängnis nur noch den Fuß hinhalten. Irgendwie stocherte er die Kugel über die Linie, der Sack war damit zu. „Man muss im rechten Moment an der richtigen Stelle stehen“, sagte Rebic hinterher in einen bunten Strauß von hingehaltenen Mikrofonen. Er sei „sehr glücklich über den Treffer“, aber sein Tor sei nicht wichtig, wichtig sei, dass die Mannschaft gewonnen habe, flötete er danach. Ein bisschen Befreiung war es für ihn aber doch.

Natürlich war es dieses Tor, das die Partie letzten Endes entschieden hatte, aber auch in den 82 Minuten zuvor gehörte die Wuchtbrumme zu den besseren Eintracht-Profis, die sich in einem zähen Spiel gegen unbequeme Darmstädter eminent schwer taten. Er war es, der stets etwas versuchte, er allein schoss fünfmal auf das Darmstädter Tor. Vieles von dem, was er vorhatte, klappte nicht, er verzettelte sich oft, spielte unkonventionell, aber er versuchte wenigstens etwas. Er war lange Zeit der einzige, von dem Gefahr für das gegnerische Tor ausging. Kapitän Meier verfiel gar in geradezu euphorisches Lobpreisungen, als er auf den Außenstürmer angesprochen wurde: Er habe „ein super Spiel gemacht“, Rebic sei „schnell, körperlich gut, voller Power, trickreich“. Er war „einer der Besten“. Tatsächlich gehörte diese Partie zu einer seiner „herausragenden“, wie Sportdirektor Bruno Hübner sagte.

Ante Rebic selbst hat dafür einen plausiblen Grund genannt: Seit einiger Zeit fühlt er sich in guter Verfassung, er ist fit und auch körperlich wieder auf dem Damm. Das war er lange Zeit nicht. Kaum war er in Frankfurt angekommen, warf ihn das Pfeiffersche Drüsenfieber zurück. Kaum gesund, zog er sich einen Muskelfaserriss zu. Mal spielte er, mal musste er angeschlagen zuschauen, und wenn er spielte, fiel er oft durch sehr unsauberes Spiel und kleine Gemeinheiten auf. Im Trainingslager in Abu Dhabi allerdings gehörte er schon zu den auffälligen Spielern, auch in Leipzig war er, trotz Unterzahl, einer der Aktivposten. Die Partie gegen den SV Darmstadt 98 war zudem sein erstes Spiel für die Eintracht über volle 90 Minuten.

Für Trainer Niko Kovac war die Leistung des bisweilen schwer Erziehbaren keine große Überraschung. Kovac kennt ihn aus der U21-Nationalmannschaft und der A-Elf Kroatiens. „Ich weiß, was er kann. Und wenn er abruft, was er kann, dann kommt so etwas heraus, was wir heute gesehen haben.“ Der Fußballlehrer glaubt zudem, dass sich Rebic noch steigern kann. „Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.“

Rebic ist nicht unbedingt das, was man einen pflegeleichten Profi nennen würde. Er gilt als Bad Boy, überall, wo er war, eckte er an, in Leipzig, wohin er vom AC Florenz verliehen wurde, überwarf er sich mit dem Trainer, bei Hellas Verona kam er nicht zurecht. Auch in Frankfurt, erzählte Kovac, habe man ihn anfangs belächelt und sich gefragt: „Wie kann Rebic der Eintracht helfen?“ Er, Kovac, aber habe an ihn geglaubt. Eintracht Frankfurt hat den Spieler nur ausgeliehen, es gibt eine Kaufoption mit einer festgeschriebenen Ablösesumme, die zwischen drei und vier Millionen Euro liegen soll. Derzeit ist Eintracht Frankfurt nicht abgeneigt, Rebic im kommenden Sommer zu verpflichten, allerdings nicht für die im Raum stehende Summe.

Und Ante Rebic war der letzte Frankfurter Stürmer, der bislang noch keinen Treffer erzielt hat. Meier hat bereits fünf Tore geschossen, Branimir Hrgota, der gestern blass geblieben war, und Marco Fabian haben drei Treffer erzielt, Haris Seferovic, der dieses Mal auf der Ersatzbank bleiben musste, hat ebenfalls schon zweimal getroffen, Shani Tarashaj auch einmal, lediglich Rebic war bislang leer ausgegangen. Immerhin ist die Eintracht nicht mehr allein von Meier abhängig.

Erstaunlicherweise bringt Eintracht Frankfurt eigentlich eine geballte Offensivkraft auf den Platz. Dennoch ist der Angriff nicht gerade die Paradeabteilung der Frankfurter. 25 Tore in 19 Spielen ist nicht berauschend. Und trotz aller offensiven Spieler hat Eintracht Frankfurt die bekannten Probleme, sich gegen massiert stehende Mannschaften Torchancen zu erspielen. Das ist in Frankfurt weitgehend bekannt, Kovac hat an diesen Defiziten in der Vorbereitung explizit arbeiten lassen. Es fehlt aber ein Spieler, der mit flinken Dribblings Räume und neue Spielsituationen schaffen kann. Rebic wäre solch ein Spieler. Er müsste nur die gestern gezeigte Leistung öfter zeigen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen