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Alex Meier Die große Leere des Alex M.

Die Sportliche Leitung von Eintracht Frankfurt legte keinen Wert auf Treue und Verbundenheit.

Alex Meier
Abschied vom Zopf: Alex Meier wird nie mehr für Eintracht Frankfurt spielen. Foto: hübner

Eigentlich wollte Alexander Meier am Donnerstag seinen obligatorischen Trip nach Miami antreten. Sommerferien in Florida, ein bisschen ausspannen, abschalten, mit Vierbeiner Alf, einem waschechten US-amerikanischen Retriever, mit dem Alex Meier nur Englisch spricht, am Ocean Drive ein paar Runden drehen. Das war der Plan, der wird auch umgesetzt. Aber erst ein paar Tage später. Denn der Kapitän der Frankfurter Eintracht, die scheidende Institution, hat in Frankfurt auf einmal noch ein paar organisatorische und administrative Sachen zu erledigen. Denn in seine Wahlheimat wird der 35-Jährige erst einmal nicht zurückkehren.

Sein Klub, für den er 14 Jahre spielte, mit dem er auf- und abstieg, mit dem er auf europäische Touren nach Vigo, Baku oder auch Porto ging und für den er die Torjägerkanone holte, legt auf seine Dienste keinen Wert mehr. Alexander Meier, die Ikone, wird niemals mehr wieder das Trikot mit dem Adler auf der Brust überstreifen. Das ist eine Entscheidung von Sportvorstand Fredi Bobic, der den Publikumsliebling letztlich eiskalt abservierte. Für Meier ein Schlag ins Kontor. 

Keine Gespräche über Vertragsverlängerung 

Gespräche über eine Verlängerung seines Vertrages als Spieler haben nie stattgefunden, sie waren auch nie angedacht, was bedeutet, dass der Sportlichen Leitung schon lange klar war, dass der Routinier als Fußballer ausgedient hat. Alex Meier, ein Spieler mit feinen Antennen, hat das natürlich längst gespürt, aber so richtig wahrhaben wollte er es nicht. Bis zum letzten Tage nicht.

Auch jetzt kann er es noch nicht richtig greifen, sein Gefühlsleben ist so ein bisschen aus den Fugen geraten. „Es ist ganz komisch“, sagt er im Gespräch mit der FR. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, aus dem Urlaub zu kommen, nicht in Frankfurt zu landen und bei der Eintracht das Training aufzunehmen.“ Meier macht eine Pause, atmet durch, überlegt. „Es ist sehr traurig, ich bin sehr traurig. Ich wollte meine Karriere doch bei der Eintracht beenden.“

Daraus wird nichts. Was bleibt, ist die große Leere. „Ich bin sehr, sehr enttäuscht. Ich weiß erst mal gar nicht, wo ich hin soll, wo ich leben soll. Ich gehöre in die Stadt. Das war meine Heimat.“ Das sind, natürlich, Worte der Emotion, Worte, die aus dem erfahrenen Spieler nur so heraussprudeln. Natürlich wird er eine neue Bleibe an einem anderen Standort finden, er wird weiter Fußball spielen, und Frankfurt wird immer ein Stück Heimat bleiben für den Norddeutschen, der ja auch jederzeit wieder kommen kann, weil er einen Anschlussvertrag besitzt. In irgendeiner Funktion kann er für die Eintracht arbeiten, dann, wenn er nicht mehr Fußballspielen kann oder will.

Doch wann das sein wird und wie diese auf dem Papier fixierte Zusammenarbeit aussehen kann, das vermag Alex Meier momentan nicht zu umreißen. „Das ist schwierig zu sagen, ich weiß ja gar nicht, wie es jetzt weitergeht.“ 

Per Pressemitteilung abserviert

Was bleibt, ist die Enttäuschung, die er erst einmal wegstecken muss. Auch darüber, dass er nach 14 langen Jahren am Montagabend um Punkt 20 Uhr per Pressemitteilung abserviert wurde. Das ist unwürdig, das wäre bei anderen Vereinen und Spielern mit diesen Verdiensten undenkbar. „Es tut mir sehr leid, dass ich mich nicht mal von den Fans verabschieden konnte. Im Stadion oder auf anderem Wege“, sagt Meier. Ob er zur angedachten Verabschiedung beim Supercup gegen die Bayern im August im Stadion sein wird, kann er nicht beantworten: „Wer weiß, wo ich da bin.“

Der Sportlichen Führung der Eintracht ist das ohnehin nicht so wichtig, sie hat sich mit dem Fußballer Meier beschäftigt, und da ist sie der Meinung, er sei zu langsam, nicht explosiv genug, arbeite zu wenig fürs Team. „Da habe ich eine andere Meinung“, sagt der Spieler selbst. „Ich kann mithalten.“ Seine Werte sind fürwahr top.

 Und doch hat das alles natürlich auch mit seinem Alter zu tun hat. Mit 35, zumal zuletzt oft verletzt, ist man als Stürmer in der Tat kein Frischling mehr, der die Bundesliga noch aufmischen wird. Doch darum ging es ja nie, es ging darum, einen Qualitätsspieler in seinen Reihen zu haben, der in den letzten Minuten vielleicht noch mal den Unterschied machen kann.

Es ging um Identifikation, um die Nähe zu den Menschen, Alex Meier wird von den Anhängern nahezu vergöttert. Doch genau das bedeutet der Sportlichen Führung wenig, auf Identifikation, Treue und Verbundenheit mit dem Verein legt sie keinen gesteigerten Wert, der Umwälzungsprozess im Klub ist enorm – das fängt am Riederwald rund um das Jugendleistungszentrum an, wo viele langjährige Eintrachtler zurückgedrängt wurden, und hört bei den Profis auf, wo nicht nur die Vereinsikone leichterdings entsorgt wurde. Das kann man so machen, muss man aber nicht.

Oder ist diese eiskalte Herangehensweise womöglich gar ein Erfolgsmodell? Aber warum sollte nicht beides gehen, Modernisierung und die Wahrung von Werten und Tradition? So scheint das, alles in allem, ziemlich brüchiges Eis, auf das sich die Sportliche Leitung da begibt. So lange der Erfolg anhält, wird es hingenommen. Und wenn der ausbleibt? Der Kredit ist nicht besonders hoch.  

Denn es gab auch im Fall Meier intern genügend Würdenträger, die sich für ihn stark gemacht hatten, die sich am Ende aber der Richtlinienkompetenz des Sportvorstands gebeugt hatten. Es ist kein Geheimnis, dass sich Aufsichtsräte und auch Vereinspräsident Peter Fischer klar pro Meier positioniert hatten. Die Rede ist gar von einem Machtkampf hinter den Kulissen. 

Konkurrent für Haller 

Klar ist, dass Fredi Bobic nicht mal darüber nachgedacht hat, mit dem Stürmer zu verlängern. Auch Sportdirektor Bruno Hübner gilt als ausgemachter Gegner Meiers, seit einigen Jahren schon. Zumal sie befürchteten, dass Meier Probleme machen könnte, wenn er nicht regelmäßig spielen würde. Und sie sahen die Gefahr, dass gerade ein Stürmer wie Sebastien Haller, der von der Anlage her Meier ähnelt, bei längerer Flaute unter Zugzwang gerät, wenn draußen die Klubikone nicht zum Zug kommt. Indes: Diese Sorge allein legt nahe, dass man den teueren Haller offenbar nicht für so viel besser hält als den alten Meier.

Sicher ist überdies, dass Bobic den neuen Trainer Adi Hütter nicht mit dieser Entscheidung in Verbindung bringen wollte. Das ist sogar vernünftig, denn es wäre für den 48-Jährigen ein absolut schlechtes Entree, wenn er als erste Amtshandlung das Eintracht-Idol der vergangenen 15 Jahre abgesägt hätte.  

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