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Alex Meier Bub, Adler, Fußballgott

Alex Meier ist die Ikone der Eintracht – Berlin könnte sein würdiger Abschied sein.

Alex Meier
Hochgewachsen, bei der Eintracht groß geworden - und doch am Boden geblieben: Alex Meier. Foto: Stefan Krieger

Mama Meier war nicht so ganz wohl in ihrer Haut, sie hatte sogar ein verdammt mulmiges Gefühl. Ihr Alex, ihr Bub, ein sanfter Riese schon damals, hoch aufgeschossen, aber sensibel, sollte nach Frankfurt, in die Hauptstadt der Gangster, in die Hauptstadt des Verbrechens. Vom betulichen Buchholz in der Nordheide, droben im Norden, wo die Welt noch in schönster Ordnung ist. Unbehagen begleitete Frau Meier. „Da gibt es doch nur Kriminelle“, hat sie gesagt.

Doch Heribert Bruchhagen, eher knorrig denn emphatisch, aber zumindest seriös und überzeugend, konnte sie umstimmen, er werde, versprach der frühere Vorstandschef des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, höchstpersönlich auf ihn Acht geben, den großen Bub Alex Meier. 

Das war 2004, vor 14 langen Jahren, so lange hat es das schüchterne Jünglein von einst in der gefährlichen Stadt am Main ausgehalten, er ist heute 35, er war Torschützenkönig in Liga eins und zwei, er wird Fußballgott gerufen. Die Menschen liegen ihm zu Füßen. Beim großen Pokalendspiel in Berlin gegen Bayern München könnte sich der Kreis schließen, es könnte das große Finale für den großen Alex Meier werden, sein Abschiedsspiel. 

Starkult ist Meier fremd

Es gibt keinen Platz in und um Frankfurt herum, wo der Kapitän der Eintracht nicht erkannt wird, die Menschen tuscheln, wenn er den Raum betritt, neuerdings immer mit seinem Vierbeiner Alf an der Seite, einem Retriever, seinem ganzen Stolz, dem er im Restaurant auch schon mal ein Steak bestellt, well done, damit es Alf gut geht. Meier, der Mann mit dem markanten Zopf, wird verehrt und geliebt, weil ihm Starkult fremd ist, weil er so geblieben ist, wie er vor 15 Jahren war: bescheiden, bodenständig, zurückhaltend, authentisch. Niemals würde er einen Fotowunsch abschlagen, niemals würde er ein Autogramm verwehren. Das ist ein Grund für seine Popularität und seinen Ikonenstatus in Frankfurt. 

Ein anderer ist die Verweildauer, 14 Jahre, fast eineinhalb Jahrzehnte, hat der Lange, wie er gerufen wird, seine Knochen für Eintracht Frankfurt hingehalten, das ist heutzutage keine halbe, sondern eine ganze Ewigkeit. Als Meier nach Frankfurt kam, gab es noch kein WhatsApp, kein Facebook, von Instagram oder Twitter ganz zu schweigen. Meier verdreht die Augen, wenn seine Teamkollegen ihr Mittagessen fotografieren und auf irgendeiner Plattform im Netz hochladen. „Ich habe darin nie einen Sinn gesehen“, sagt er. „Wen interessiert so was?“

Meier ist irgendwie aus der Zeit gefallen, gerade heutzutage hecheln die Profifußballer dem persönlichen Profit hinterher, wechseln ihre Vereine schneller als ihre Freundinnen, ein, zwei Jahre sind viele nur bei einem Klub, dann ziehen sie weiter, dorthin, wo es mehr Zaster einzusacken gibt. Viele glauben, Vereinstreue sei etwas für Nostalgiker, für Romantiker.

Alex Meier tickt anders. Er hielt der Eintracht stets die Stange, er stieg mit ihr ab und wieder auf, spielte international und auf dem Lande, er absolvierte 336 Spiele für die Hessen und schoss 119 Tore, er war immer da, immer treu, er ist selbst ein Adler geblieben, als er vor wenigen Jahren eine lukrative Offerte aus China hatte, da hätte er zehn Millionen Euro per annum verdienen können. Der damalige Trainer Armin Veh bedeutete ihm nur: „Alex, ich brauche dich hier.“ Für Meier war das Thema damit erledigt, ein Wechsel vom Tisch. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Pokalfinale

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