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Änis Ben-Hatira Kunstschuss ins Glück

Der von der Hertha ausgemusterte Änis Ben-Hatira trifft für Eintracht Frankfurt aus unmöglichem Winkel.

Gut gemacht, Junge: Trainer Niko Kovac (links) beglückwünscht den Torschützen Änis Ben-Hatira. Foto: dpa

Natürlich hat Änis Ben-Hatira hinterher erzählen müssen, wie das war mit seinem Tor, das er da geschossen hat. Aus unmöglichem Winkel, fast parallel zur Torauslinie, solche Bälle gehen normalerweise nie rein, zumal ein Nationaltorhüter zur Stelle ist. Aber irgendwie ging der Ball doch rein, „aus den Augenwinkeln habe ich das Tor gesehen und die Lücke, sonst hätte ich nicht geschossen“, erzählt Ben-Hatira. Vom Pfosten prallte die Kugel ins Netz. Es war ein Kunstschuss aus der Drehung. Dass zuvor der Passgeber Stefan Aigner, nach wildem Gestocher von Marc Stendera und Timothy Chandler, im Abseits gestanden hatte, störte den Deutsch-Tunesier naturgemäß kaum.

Dabei hätte Ben-Hatira noch zwei weitere Tore erzielen können, Tore, die viel leichter zu erzielen gewesen wären als jenes aus der 33. Minute. Zunächst hätte der Berliner nach Pass von Haris Seferovic die Kugel direkt ins Tor schießen können, doch er wollte es zu genau machen, Torhüter Ron-Robert Zieler noch umspielen. Dabei prallte ihm der Ball zu weit weg, dieses Mal traf er aus einem ähnlich spitzen Winkel nur das Außennetz. Fünf Minuten später, nach einem Komplett-Aussetzer der Hannoveraner Hintermannschaft, stand der Linksaußen erneut völlig blank, brauchte aber ewig, den Ball unter Kontrolle zu bringen und scheiterte schließlich an Zieler. Der verletzte Alex Meier, das nur am Rande, hätte sich diese beiden Gelegenheiten wahrscheinlich nicht entgehen lassen. „Ich hätte noch das eine oder andere Tor erzielen müssen“, räumte der 27-Jährige hinterher ein. Kaum auszudenken, hätte Hannover in der Schlussphase, als Ben-Hatira schon ausgewechselt war, noch den Ausgleich erzielt. Glücklicherweise hatte sein Treffer ja auch so zum eminent wichtigen Sieg der Frankfurter gereicht.

Änis Ben-Hatira hat eine lange Durststrecke hinter sich bringen müssen bis zu diesem Glücksmoment. Es war in dieser Saison ohnehin erst sein erster Einsatz von Anfang an; in Berlin bei der Hertha hat er die komplette Vorrunde auch wegen einer Zehenverletzung verpasst, er wurde in die zweite Mannschaft abgeschoben, Regionalliga Nordost, und da heißen die Gegner FSV Optik Rathenow. Und als er das einzige Mal wieder im Bundesligakader stand, hat er, das ist bekannt, Mitspieler Mitchell Weiser im Mannschaftsbus geohrfeigt und war aus dem Klub geflogen.

„Ich mag den Druck"

Bis zum Samstag hat der Linksaußen auch keine großen Spuren in Frankfurt hinterlassen. Zweimal, gleich nach seinem Blitztransfer, durfte er als Einwechselspieler ran, er blieb blass. Dann setzte ihn ein Infekt matt. Auch im Auswärtsspiel gegen seinen alten Klub war er nicht im Kader. „Ich wäre gerne in Berlin dabei gewesen“, sagte er.

Unter dem neuen Trainer Niko Kovac sah er eine neue Chance. „Vom ersten Tag an hatten wir gute Gespräche. Er hat die Mannschaft in den letzten zehn Tagen zusammengeschweißt“, sagt Ben-Hatira, der die prekäre Lage der Eintracht ganz gut wegstecken kann. „Ich bin ein Spieler, der mit Druck gut klar kommt. Ich mag Druck.“ Kovac sagt: „Änis ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann und heute ausgemacht hat.“

Doch ein Tor in der Bundesliga hat der wie Trainer Kovac, in Berlin-Wedding aufgewachsene Straßenfußballer schon sehr lange nicht mehr geschossen. Es war ziemlich genau vor einem Jahr, am 13. März 2015, im Spiel der Hertha gegen Schalke. Da markierte Ben-Hatira das 1:0. Und diesen Treffer feierte er ausgelassen mit einer Spiderman-Maske vor dem Gesicht. Doch diese Gestik hatte einen traurigen Hintergrund: Damals kümmerte er sich um den krebskranken Jungen Jannik aus Spandau, der gerade seine erste Chemotherapie hinter sich gebracht hatte. Mit Jannik war Ben-Hatira auch eingelaufen, und ihm hatte er versprochen, dass er die Spiderman-Maske aufziehen werde, wenn er ein Tor erzielen würde. Dieses Versprechen hat er gehalten.

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