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Adi Hütter „Mich ärgert, dass wir nicht Zweiter sind“

Eintracht-Trainer Adi Hütter spricht im FR-Interview über die gestiegene Erwartungshaltung, seine Philosophie und weshalb er von Makoto Hasebe regelrecht begeistert ist.

Adi Hütter
Aktiv an der Seitenlinie: Eintracht-Trainer Adi Hütter. Foto: imago

Herr Hütter, zwei Niederlagen in Serie, was ist nur los mit Eintracht Frankfurt, muss man sich Sorgen machen?
Das muss ja jeder selbst beurteilen, ob es schon so weit ist (lacht). Ich mache mir keine Sorgen.

Das war ja eine nicht ganz so ernstgemeinte Frage. Aber inwiefern haben Sie die beiden Schlappen gegen Wolfsburg und Berlin tatsächlich geärgert?
Schon sehr, weil wir zweimal nicht die schlechtere Mannschaft waren. Aber so ist das in der Bundesliga, da stehen die Spiele oft auf des Messers Schneide. In Augsburg etwa führen wir nach einer Minute, hätten aber in der Pause auch zurückliegen können. Und in Berlin spielen wir in der letzten halben Stunde nur auf deren Tor, verlieren aber. Diese Niederlage stört mich einfach. Aber okay, es ist eng beisammen, trotzdem sollten wir nicht vermessen sein und uns an den Fakten orientieren: Nach 14 Spielen liegen wir in der Bundesliga auf Platz fünf, in der Europa League führen wir die Gruppe mit fünf Siegen aus fünf Spielen souverän an.  Alles in allem denke ich, dass sich das sehen lassen kann, das ist gut. Wer das vor vier Monaten prophezeit hätte, der wäre doch ausgelacht worden, und wenn uns vor der Saison einer gesagt hätte, ihr kommt unter die ersten Zehn, hätte hier doch jeder gesagt: ,Super.‘ Aber wenn ich auf die Tabelle schaue, dann ärgert es mich, dass wir nicht Zweiter sind. Denn die Möglichkeiten dazu waren da.

Wie schaffen Sie nun wieder den Turnaround?
Wir haben jetzt noch vier Partien, das sind alles unangenehme Spiele, gerade in der Bundesliga: Leverkusen sehe ich als extrem wichtiges Heimspiel an, da weiß man vorher nie so richtig, was einen erwartet. In Mainz beim Derby wird es schwer, und über die Bayern brauchen wir ja nicht zu diskutieren. Aber ich sage genauso: Wir können alle drei Spiele auch gewinnen.

Die Partie heute in Rom ist eigentlich eine undankbare Aufgabe. Zum einen ist die Begegnung bedeutungslos, da bietet sich eine Rotation im größeren Stil förmlich an, zum anderen sollte man jetzt nicht zum dritten Mal hintereinander verlieren.
Natürlich werden wir rotieren, weil es sich anbietet. Wir wollen das Spiel gewinnen, und mit dieser Einstellung sind wir nach Rom geflogen.

Aber es geht ja auch um Selbstvertrauen, um den Glauben an die eigene Stärke, da sind Siege ja deutlich hilfreicher.
Das ist klar. Im Fußball geht es um Ergebnisse, die sieht man auf der ganzen Welt. Die Leistung, die dahinter steht, nicht. Ich bin ein Trainer, der versucht, den Weg zu bewerten, wie es zum Ergebnis kam. Noch mal: Da war es in den letzten beiden Spielen vielleicht nicht mehr so flüssig und dynamisch wie die Partien zuvor, aber es war nun auch nicht so, dass ich sagen muss: ,Puh, was spielen wir denn da für einen Mist zusammen.‘ Wir haben jetzt das erste Mal kein Tor geschossen, nach 20 Spielen, und das kommt mir fast schon so vor, als wäre es ein Drama. Daran sieht man, dass sich die Erwartungshaltung verändert hat, dass sich die Grenzen verschoben haben. Aber daran sind wir selbst Schuld (lacht).

Wo steht denn die Mannschaft Ihrer Meinung nach gerade?
Das ist wirklich schwer zu beurteilen. Wenn wir unsere Prinzipien gut umsetzen, sind wir wahnsinnig schwer zu schlagen, davon bin ich überzeugt. Aber sobald wir zehn Prozent nachlassen, können wir gegen jeden Gegner Probleme bekommen. Das ist ein schmaler Grat. In der Bundesliga entscheiden oft Kleinigkeiten. In Berlin etwa, wo wir unglücklich verloren haben, hat eine Standardsituation das Spiel entschieden. Andererseits sind wir in den Partien zuvor oft in Führung gegangen, das hilft einem einfach.

Die Eintracht hat sich in der Liga Respekt erarbeitet. Bedeutet Ihnen das etwas?
Es ist wichtig, dass die anderen Teams uns ernstnehmen und Respekt vor uns haben. Das kann man sich nur erarbeiten. Aber es wird natürlich auch ein bisschen von den Medien gesteuert.

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