Lade Inhalte...

Adi Hütter Die Schule der Pressing-Monster

Der neue Eintracht-Trainer Adi Hütter steht für einen fast schon radikalen Spielstil.

Adi Hütter und Ralf Rangnick
Zwei, die sich verstehen: Eintracht-Coach Adi Hütter (rechts) und Ralf Rangnick, damals zusammen in Salzburg. Foto: Imago

Als Adi Hütter vor vier Jahren den zu Bayer Leverkusen abgewanderten Roger Schmidt bei RB Salzburg ersetzte, sagte der neue Frankfurter Fußballlehrer, dass er in gewiss große Fußstapfen treten werde. „Aber ich bin ein Trainer, der nicht in den Spuren von anderen geht, sondern neue Wege sucht.“

Das hat er dann gemacht, der Adi Hütter, er führte die Bullen zur Meisterschaft und auch zum Pokalsieg, konnte sich aber mit der Philosophie des Klubs nicht identifizieren, der seine Topspieler zumeist an den großen Bruder nach Leipzig abgab. Darauf hatte der 48-Jährige keine Lust, und so zog er weiter in die Schweiz nach Bern. Und doch: Wahrscheinlich wäre Adi Hütter heute kein Trainer bei Eintracht Frankfurt, wenn er damals nicht nach Salzburg geholt worden wäre – von einem gewissen Ralf Rangnick.

Es war kein Zufall, dass Hütter auserwählt wurde. Denn der Coach hatte auf sich aufmerksam gemacht und für Furore gesorgt durch die Art und Weise, wie er seine Mannschaften, damals bei kleineren österreichischen Klubs wie Altach und Grödig, Fußballspielen ließ, nämlich genauso wie es Ralf Rangnick gefällt: radikal, brachial, überfallartig. Rangnick, der Professor, der fachlich hoch geschätzt wird, aber menschlich als schwierig gilt, ließ das Spiel als Trainer ähnlich interpretieren, er prägte auch den Begriff der „Stuttgarter Schule“, der im weiteren Sinne auch Bundestrainer Joachim Löw zugerechnet wird.

Rangnick formte und inspirierte Trainer wie Thomas Tuchel, Markus Gisdol oder Alexander Zorniger, er war es auch, der Roger Schmidt nach Salzburg holte. Schmidt hat Rangnicks Mantra konsequent umgesetzt. Bei den Bullen läutete im Training nach fünf Sekunden die Glocke, wenn der Ball bis dahin nicht zurückerobert wurde. Er formte die Österreicher zu einer wahren Pressing-Maschine, die in Kurzform so funktionierte: Druck auf den Ball, Druck auf den Gegner, Überzahl in Ballnähe, Ball gewinnen, blitzschnell umschalten – und ab geht die Post.

Maxime: Vollgas

Zu dieser Lesart des Spiels gehört vielleicht nicht unbedingt der absichtliche Fehlpass, aber zumindest in einigen Situationen der billigend in Kauf genommene Ballverlust – eben um den Gegner tief in dessen Hälfte wieder gnadenlos attackieren und zu Fehlern zwingen zu können. Auch RB Leipzig galt unter Ralph Hasenhüttl einst als „Pressing-Monster“ – Sportdirektor in Sachsen: Ralf Rangnick.

Passt der neue Eintracht-Trainer Adi Hütter also problemlos in diese Gilde? Ja und nein. Der Hütter von vor einigen Jahren ist mit dem von heute nicht mehr unbedingt zu vergleichen. Er hat sich gewandelt, angepasst, die Radikalität ist aus seiner Anschauung und Umsetzung gewichen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen