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Eintracht Caio macht schlapp

Der Brasilianer bricht erschöpft den Laktattest ab, Eintracht-Torwart Markus Pröll muss doch operiert werden. Von Thomas Kilchenstein

04.07.2008 00:07
03.07.2008, Fussball, 1. BL, Laktattest Eintracht Frankfurt
Sorgenkind: Völlig ausgepumpt ringt der Brasilianer Caio auf der Bank nach Luft. Foto: Rhode

Der gestrige Donnerstag war kein guter Tag für Eintracht Frankfurt: Erst wurde entschieden, dass sich Torhüter Markus Pröll heute in München dann doch einer Operation am Sprunggelenk unterziehen muss, dann brachen die Spieler Caio und Faton Toski ihren Laktattest vorzeitig ab. "Das sind Dinge, mit denen man leben muss", sagte Trainer Friedhelm Funkel am Mittag. Es sollte gelassen klingen, tatsächlich war der Mann restlos bedient. Den Auftakt in die neue Saison hat sich der hessische Bundesligist komplett anders vorgestellt.

Richtig sauer war Funkel über die unentschuldbare Vorstellung des Brasilianers Caio. Der Vier-Millionen-Mann, 22 Jahre alt, zuckelte am Donnerstag beim Laktattest erst seiner Gruppe - bestehend aus Landsmann Chris und Ersatztorhüter Jan Zimmermann - weit hinterher. Er pumpte wie ein Maikäfer, um dann vorzeitig völlig erschöpft abzubrechen. "Ich bin total unzufrieden", zürnte Funkel, "Caio hat bei einer Stufe aufgegeben, bei der noch nie ein Spieler ausgestiegen ist. Nicht einmal die Torleute." Die Frankfurter Profis mussten am Donnerstag auf der Anlage am Riederwald ihre Fitness testen lassen und dabei viermal drei Runden und dann noch einmal vier Runden in unterschiedlich schnellem Tempo laufen. Dazwischen wurde ihnen Blut aus dem Ohrläppchen abgezapft, um die Leistungsfähigkeit und den körperlichen Zustand zu ermitteln. Caio schaffte 4800 Meter und stieg dann aus, obwohl ihn Chris immer wieder und auf portugiesisch zum Weitermachen anspornte. Faton Toski gab zwei Runden später auf.

"Das ist besorgniserregend", sagte Funkel, der am gestrigen Mittag den Spieler in Anwesenheit von Finanzvorstand Thomas Pröckl, dem Portugiesischen mächtig, zu "einem ernsten Gespräch" bat. "So geht es nicht", sagte Funkel. Diese Distanz müsse zu schaffen sein. Es liege nahe, sagte Funkel, "dass er im Urlaub geschludert hat." Alle Spieler der Eintracht hatten vor ihren sechswöchigen Ferien einen Trainingsplan zur Hand bekommen, alle zwei Tage sollten die Spieler eine Stunde leicht trainieren, etwa 40 Minuten laufen, dazu dehnen und ein wenig Gymnastik.

Caio hat es offensichtlich in Brasilien arg locker angehen lassen. Ohnehin wirkte der 22-Jährige Mittelfeldspieler beim Trainingsauftakt so, als habe er wieder ein paar Kilos zu viel auf den Rippen. Schon bei seiner Verpflichtung im Winter war er nicht austrainiert. Damals wurde das noch auf mangelnden Wettkampfpraxis zurückgeführt, weil die Saison in Brasilien schon unterbrochen war. Caio, der in der Rückrunde wegen seiner taktischen Defizite nur sporadisch zum Einsatz gekommen war, hat sich das Leben in Frankfurt nun selbst extrem schwer gemacht. "Ich habe nichts gegen Caio", sagte Funkel zwar zur FR, aber wer den Fußballlehrer ein wenig kennt, weiß, wie sehr gerade er solch unprofessionelles Verhalten hasst. Nebenbei: Caio gehört bei der Eintracht nicht zu denen, die für den Mindestlohn arbeiten. Eine Geldstrafe wird es für die Abbrecher nicht geben, aber "sie werden läuferisch mehr machen müssen als die anderen", kündigte der Trainer an. Warum Faton Toski nicht mehr weitermachen konnte, überraschte Funkel etwas. "Eigentlich läuft er sonst gut."

Und schließlich musste Funkel noch verkraften, dass Torwart Markus Pröll heute bei Ludwig Seebauer in München am Sprunggelenk operiert wird. Dabei werden laut Eintracht-Mannschaftsarzt Christoph Seeger "Verklebungen und Vernarbungen im oberen Sprunggelenk entfernt, damit sich die Sehnenstruktur wieder frei bewegen kann". Diese Operation sei notwendig, weil der Schlussmann nach einem Syndesmosebandanriss seit einigen Wochen bei Belastung Schmerzen verspürt hatte. Eigentlich hatte Pröll geglaubt, die Blessur mittels einer Spritzenkur eben bei Seebauer in den Griff zu bekommen. Nach den ersten Trainingseinheiten sah es auch noch ganz gut aus, doch am Mittwoch verspürte Pröll Schmerzen. Wann der 28-Jährige wieder einsatzbereit ist, vermochte Seeger nicht zu sagen. "Das hängt von der Operation ab." Für den Auftakt am 16. August dürfte sich Oka Nikolov bereit halten. Einen weiteren Torwart wird die Eintracht laut Funkel nicht verpflichten.

Während Mehdi Mahdavikia wegen einer Sehnenreizung im Knie den Laktattest auch nicht mitmachen konnte, ist die Lungen-Operation bei Aleksandar Vasoski "gut verlaufen" (Seeger). Ihm gehe es gut. Er liege aber noch in Skopje im Krankenhaus.

Auch das noch: Wegen einer Veranstaltung der Zeugen Jehovas im Stadion können Fans das Training der Profis von heute bis zum Sonntag nicht besuchen.

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