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Zwei Nordkoreanerinnen gedopt Nichts wie weg

Nordkoreas Fußballerinnen sind nach ihrem WM-Gastspiel schnurstracks in die Heimat geflüchtet. Zurück blieben ein wütender DFB-Präsident - und der wohl größte Dopingskandal in der Geschichte des Frauenfußballs.

08.07.2011 16:02
Positiv getestet: Song Jong Sun und Jong Pok Sim.

Erst aufgeflogen, dann abgeflogen: Über dem Düsseldorfer Airport ging gerade die Sonne auf, als die Geheimniskrämer aus Nordkorea ihr Gastspiel bei der Frauenfußball-WM auf ihre Art beendeten – durch Flucht um 6.45 Uhr mit der Maschine LX1029 nach Zürich und dann weiter nach Pjöngjang. Zurück blieben der leere Teambus, ein wütender DFB-Präsident und der wohl größte Dopingskandal in der Geschichte des Frauenfußballs.

Theo Zwanziger schickte dem wie immer rigoros abgeschirmten Team eine Botschaft ohne Diplomatie hinterher. „Dieser Vorfall unterstreicht den Eindruck von einem menschenverachtenden System in Nordkorea, in dem versucht wird, Sportler mit allen Mitteln zu Erfolgen zu führen“, sagte Zwanziger und fügte hinzu: „Erfolge, die für staatliche Propaganda missbraucht werden können.“

Wohlgemerkt steht die B-Probe der positiv auf ein anaboles Steroid getesteten Song Jong Sun und Jong Pok Sim noch aus. Trainer, Verband und alle Verantwortlichen der Nordkoreaner wollten erwartungsgemäß nichts zur Aufklärung beitragen. Als die Frist zur Beantragung der B-Probe verstrichen war, was üblicherweise als Schuldeingeständnis angesehen wird, reagierte der Weltverband Fifa und veranlasste seinerseits die Öffnung der Proben. Das Ergebnis soll in sieben bis zehn Tagen vorliegen. Für Zwanziger ist immerhin „positiv zu bewerten, dass die Aufklärungsmechanismen der Fifa gegen Doping offenbar funktionieren.“ Was weniger gut funktionieren dürfte, ist die Sanktionierung des mutmaßlich systematischen Dopingbetrugs. Etwaige Strafen der Fifa für das erfolglos gebliebene Team dürften das Regime in Pjöngjang kaum interessieren.

„Heute ist ein sehr trauriger Tag“, sagte Jiri Dvorak, Chefmediziner der Fifa, nachdem er nach dem letzten Spiel der Nordkoreanerinnen am Mittwochabend in Bochum das gesamte Team von seinen Dopingkontrolleurinnen hatte abführen lassen. Bei Verdacht auf systematisches Doping, was zwei positive Proben in einer Mannschaft nahelegten, schreibe das Regelwerk der Fifa das so vor.

Die Prozedur war gespenstisch. Die Kontrolleurinnen bauten sich minutenlang vor der nordkoreanischen Reservebank auf, wo die Spielerinnen schüchtern und beinahe ängstlich zu ihnen hinaufschauten. Später verließen die Nordkoreanerinnen das Stadion mit vor Scham gesenkten Köpfen.

Billige Steroide

Nach Ansicht des Nürnberger Pharmakologen und Doping-Experten Fritz Sörgel passt der Betrug mit anabolen Steroiden der Gruppe S1b zum armen und rückständigen Nordkorea. „Steroide werden in Industrieländern kaum noch genommen“, sagte Sörgel. „Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem technischen Entwicklungsstand eines Landes und den Dopingmitteln. Anabole Steroide sind billig und recht einfach zu beschaffen.“ Sie bewirken einen stärkeren Muskelaufbau und schnellere Fettverbrennung.

Im deutschen Lager sorgte der Skandal kaum für Verwunderung. „Ich bin nicht überrascht“, sagte Nationaltorhüterin Nadine Angerer. „Vermutet haben wir es schon lange. So lange es aber keine Beweise gab, konnte man es nicht aussprechen.“

Glück im Unglück ist, dass der Dopingskandal sportlich keinen Einfluss auf die Endrunde hat. Sowohl Nordkorea als auch Kolumbien waren vor dem 0:0 im letzten Gruppenspiel schon gescheitert. Kolumbien hatte zuvor bereits seine ebenfalls positiv getestete Torhüterin Yineth Varon nach Hause schicken müssen . Die B-Probe bestätigte das Ergebnis.

DFB-Präsident Zwanziger will trotz des Skandals weiter daran arbeiten, Nordkoreas Selbstisolation mit sportlichen Begegnungen aufzubrechen. Dabei sei man vor und während der WM einen großen Schritt weitergekommen. „Das zeigen die humanitären Gesten der nordkoreanischen Regierung und die Einladung der US-Frauen-Nationalmannschaft nach Nordkorea, die der nordkoreanische Sportminister ausgesprochen hat.“ ( sid)

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