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Paralympics Neue Erfahrung

Dreimal Olympia, nun zum ersten Mal Paralympics: Für Stefan Nimke ist Rio eine besondere Erfahrung.

07.09.2016 17:50
Gutes Duo: Stefan Nimke (rechts) und Kai Kristian Kruse. Foto: dpa

Wenn Stefan Nimke durch das Athletendorf geht, muss er auf der Hut sein. „Hier muss man nur vielmehr aufpassen, wenn man zur Mensa geht, weil man Angst haben muss, dass man von Rollis überfahren wird“, sagt der Mann, dessen sportliches Metier die Höchstgeschwindigkeit ist. „Die haben einen Speed drauf...“ Wenn es um Tempo geht, weiß der Bahnrad-Star Bescheid: Stefan Nimke ist Olympiasieger im Teamsprint und mehrfacher Weltmeister im 1000 Meter Zeitfahren. Nach drei Olympischen Spielen erlebt der 38-Jährige in Rio de Janeiro seine ersten Paralympics, er pilotiert den sehbehinderten Kai Kruse auf dem Tandem.

Eigentlich hatte Nimke seine Karriere bereits beendet. 2012 hatte er nach dem verletzungsbedingten Aus für den olympischen Teamsprint in London als 1000-Meter-Weltmeister aufgehört. Seine Familie und die Polizeiausbildung standen im Mittelpunkt. Doch dann kam das reizvolle Projekt „Tandem Rio 2016“. Es ging um das 1000-Meter-Zeitfahren am 11. September, drei Tage zuvor will Nimke die 4000-Meter-Einzelverfolgung als Testwettkampf nutzen. Aber es musste der richtige Partner gefunden werden. Das Casting brachte ihn mit Kai Kruse zusammen, einem Ruderer, der bei den Paralympics 2012 in London Silber im gemischten Vierer geholt hatte.

„Dann war der richtige Partner da“, sagt Nimke. Im März 2013 haben sich beide erstmals getroffen, sich das Projekt durch den Kopf gehen lassen – und Rio in Angriff genommen. „Ich wollte nicht nur Halligalli-Sport machen und ich wollte nicht mit jemandem fahren, der das nur ‚Just for Fun‘ macht. Und da ist Kai jemand, der aus dem Hochleistungssport kommt und ganz genau weiß, was es heißt, Leistungssport zu machen“, beschreibt der Schweriner. Und er fügt an: „Wir wurden zusammengewürfelt mit der Maßgabe, uns für Rio zu qualifizieren für die 1000 Meter. Ich habe mir gesagt: Das ist eine Disziplin, die kann ich. Für alles andere wäre ich auch der falsche Pilot gewesen. Und Kai wäre dafür auch der falsche Mann gewesen.“

Für den 25 Jahre alten Physiotherapeuten Kruse ist Olympiasieger Nimke die Idealbesetzung. Er hat größtes, buchstäblich blindes Vertrauen in seinen Vordermann. „Bei Stefan wusste ich: Der hat es so oft schon geschafft, ganz oben zu stehen, da kann ich mich drauf verlassen“, sagt der Umsteiger aus Berlin. Dabei war das Tandem auch für den erfahrenen Bahnrad-Profi Nimke eine neue Erfahrung: größerer Kurvenradius, längeres Rad und ein Sozius. „So eng um einen Baum rumfahren, kommt nicht so gut, dann hängt Kai mit dem Kopf da dran“, erzählt Nimke über gemeinsame Trainingsfahrten auf Straßen und Radwegen. Hintermann Kruse lobt ihn für seine Umsicht: „Du hast mich nie anecken lassen.“

Vor drei Jahren hat das Duo bei Null angefangen. Alles musste geübt werden. Das gemeinsame Anhalten, das harmonische Kurvenfahren, wann und wie Kruse aus den Pedalen ausklicken muss. Nimke spürte eine zusätzliche Verantwortung. „Es muss verinnerlicht werden, dass der andere hinten drauf sitzt“, erzählt er. Ex-Ruderer Kruse beschreibt sich selbst als „nicht gerade der Filigranste“.

Inzwischen hat sich alles eingespielt. „Ich sehe Stefan vor mir“, sagt Kruse und erntet dafür einen Lacher von seinem Vordermann. In der gemeinsamen sportlichen Vita stehen WM-Dritter 2015 und WM-Vierter in diesem Jahr. Auf der Bahn bedarf es keiner Worte mehr. „Absprachen sind nicht möglich. 1000 Meter werden von vorne bis hinten am Anschlag gefahren“, sagt der Olympiasieger. Ohne Medaille will das Duo nicht aus Rio abreisen. dpa

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