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Badminton Lebenskünstler mit Federball

In Asien ist der deutsche Badminton-Spieler Marc Zwiebler gefragt. Achtmal Deutscher Meister, 2012 Europameister - Zwiebler ist seit einem Jahrzehnt bester Badmintonspieler Deutschlands. In Rio will es der Profi noch einmal wissen.

Will in Rio ins Achtlefinale: Marc Zwiebler. Foto: rtr

Es gibt wahrscheinlich niemanden außerhalb der Badminton-Szene in Deutschland, der Marc Zwiebler auf der Straße erkennen würde. Dabei ist Zwiebler seit einem Jahrzehnt in seiner Sportart der beste im Lande. Achtmal Deutscher Meister und unter anderem Europameister 2012, der erste Deutsche seit 40 Jahren. In Asien, in den großen Städten, da ist sich der Bonner sicher, wäre das anders. Hier ist der 31-Jährige unter den großen Stars immerhin ein Sternchen.

Zweimal stand er im Finale bei einem Turnier der Super-Series. Da fliegt der Federball schon mal um die hübsche Summe von 350 000 Dollar Preisgeld übers Netz. Für die, die sich ins Finale oder Halbfinale durchgeschlagen haben, bleibt da ein bisschen mehr als nur Taschengeld übrig. Die großen Kaliber wie Saina Nehwal oder Chong Wei sollen zwischen drei und knapp sechs Millionen Dollar pro Jahr verdienen. Bei einem Super-Turnier schauen schon mal 100 Millionen Menschen und mehr im Fernsehen zu. Das lockt dann auch Partner an, für die Zwiebler dann seine Haut zu Markte trägt. „Wir Europäer üben dort einen besonderen Reiz auf die Leute aus, das weckt auch das Interesse von Sponsoren.“

Das Rückschlagspiel, das sich als geschwindigkeitsreduzierte Variante hierzulande ja durchaus einer gewissen Beliebtheit erfreut, ernährt seinen Mann. Zwiebler ist Badminton-Profi, hat sich rechtschaffen durchs BWL-Studium gekämpft und nimmt gerade in der Gruppenphase seine dritten Olympischen Spiele in Angriff. Zweimal ist er Neunter gewesen – leider genau die Grenze, hinter der Sportler aus dem Schattenreich der Randsportarten so gut wie überhaupt nicht mehr wahrgenommen werden.

In Rio will es der Profi nochmal wissen: „Das Achtelfinale soll es wieder werden“, sagt er vor seinem ersten Aufschlag. „Wenn es mehr wird, wäre das schon sehr schön.“ Die Chancen dazu stehen bei Olympia nicht schlecht, weil die Top-Badminton-Nationen hier im Einzel nicht in Mannschaftsstärke antreten dürfen. Die Hälfte der Menschheit, so erklärt Zwiebler bei einem Treffen im olympischen Dorf, spiele oder interessiere sich für Badminton. 99 Prozent dieser Leute leben in Asien, wo Badminton Volkssport ist und zur Kultur der Länder gehört. „In Indonesien oder Südkorea belagern hunderte von Fans das Spielerhotel.“ Vier Monate des Jahres treibt sich Zwiebler auf der anderen Seite des Planeten herum.

Marc Zwiebler macht den Eindruck eines Lebenskünstlers, der es sich auf seinem mit Federn geschmückten Planeten ganz nett eingerichtet hat. Mit gewissen Unzulänglichkeiten im Athletendorf setzt er sich gar nicht erst groß auseinander. „Ich habe ja gewusst, dass wir nicht in die Zentralschweiz reisen“, sagt er und ignoriert rundheraus, dass sich das Nieselwetter gerade Mühe gibt, einen anderen Eindruck zu vermitteln.

„Der Fußball frisst sie alle“

Nicht immer war die Welt, des aus einer badmintonverrückten Familie stammenden Athleten so heil, wie in den vergangenen Jahren. 2005 erwischte es ihn schwer an der Bandscheibe. Ein ebenso schmerzhaftes wie einschneidendes Erlebnis für den jungen Mann, der Bewegung brauchte wie das täglich’ Brot. Zwiebler konnte weder richtig liegen, stehen, geschweige denn gehen. Er kam nicht allein in die Hose und ein WG-Genosse half beim Anziehen der Socken. Zwei Jahre musste er pausieren. Diverse Operationen brachten ihn um ein Stück des Wirbelgelenks und den Kern der Bandscheiben L4/L5 erzählte der Olympiadebütant der FR schon 2008 in Peking.

In Rio genießt er es, wieder all die tollen Sportler aus anderen Sportarten zu sehen. Leider interessiere sich das Fernsehen im Alltag nicht für Turner und Bogenschützen, „die fallen hinten runter, wie wir Badmintonspieler auch. „Der Fußball frisst sie alle auf.“

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