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Sotschi 2014 Mehr Effizienz, mehr Geld

Sportpolitiker knüpfen höhere Zuschüsse an Bedingungen / Kritik am DOSB, der Claudia Pechsteins Lebensgefährten auf Steuerkosten mit nach Sotschi nahm.

Sie sind wieder zu Hause: die deutschen Olympioniken wurden gestern von Bundespräsident Joachim Gauck in München begrüßt. Foto: dpa

Nach dem bisher schlechtesten Abschneiden einer deutschen Mannschaft bei Olympischen Winterspielen ist eine Debatte um die Zukunft der Sportförderung entbrannt. „Wir brauchen mehr Geld“, sagte Christian Breuer, Athletensprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Montag dem sid. „Wir leisten uns einige Rettungsschirme. Dann kann man auch mal den Sport retten.“ Neben einer Aufstockung der staatlichen Zuwendungen plädierte der frühere Eisschnellläufer auch für eine bessere Entlohnung der Athleten. Derzeit verteilt das Innenministerium 130 Millionen Euro im Jahr im Rahmen der Spitzensportförderung.
Der stellvertretende Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Reinhard Grindel, lehnt eine Erhöhung der Mittel nicht grundsätzlich ab. Zunächst müsse aber geklärt werden, ob die Mittel derzeit überhaupt effektiv eingesetzt werden, sagte der CDU-Politiker der FR. Zuvor hatte die Vorsitzende des Ausschusses, Dagmar Freitag (SPD), gemahnt, der DOSB müsse sich erst mal neu aufstellen und nicht pauschal mehr Geld von der Politik zur Lösung von Problemen fordern.

Nach Ansicht von Grindel muss der Grundsatz gelten, Effektivität geht vor Erhöhung der Fördermittel. „Erst wenn eindrucksvoll dargelegt ist, dass alle Mittel effektiv eingesetzt werden, kann man über eine Aufstockung reden.“ Dass das derzeit immer der Fall ist, bezweifelt der CDU-Politiker allerdings und führt als Beispiel die umstrittene Mitnahme des Freundes von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein nach Sotschi in der offiziellen DOSB-Delegation an. „Solange man dafür noch Geld hat, habe ich Zweifel daran, dass die Zuwendungen immer an die richtige Stelle gehen“, kritisierte der Sportpolitiker. Überrascht zeigte er sich auch ob des bei den Spielen offen ausgetragenen Konfliktes zwischen den bayerischen und thüringischen Rodlern. Stärker als die Frage der finanziellen Förderung stünden möglicherweise auch völlig überflüssige Animositäten und Eifersüchteleien einem sportlichen Erfolg entgegen, sagte Grindel.

Angesichts des Dopingfalles der deutschen Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle hält Grindel es sportpolitisch indes für weitaus wichtiger, dass die seit Jahren existenzbedrohte Nationale Antidoping-Agentur (Nada) finanziell besser ausgestattet wird. „Der Dopingfall zwingt uns zum Handeln“, so der Sportpolitiker. Auf eine Finanzierung der angeschlagenen Agentur hatten sich Union und SPD bereits bei den Koalitionsverhandlungen geeinigt. Den jährlichen Finanzbedarf bezifferte Grindel auf rund vier Millionen Euro.

Noch uneins sind sich die Koalitionäre dagegen bei der Umsetzung des Ziels, bis zum Sommer ein Antidoping-Gesetz auf den Weg zu bringen. Während Justizminister Heiko Maas (SPD) am Wochenende ankündigte, sowohl den Besitz als auch die Anwendung von Dopingmitteln mit bis zu fünf Jahren Haft bestrafen zu wollen, hat die Union immer noch verfassungsrechtliche Bedenken. So weist Grindel darauf hin, dass die eigenverantwortliche Selbstschädigung nach deutschem Recht nicht strafbar ist. Er fürchtet daher, dass eine solche Regelung in Karlsruhe keinen Bestand hätte und plädiert stattdessen für den Unionsvorschlag, einen Straftatbestand zum Schutz der Integrität des sportlichen Wettbewerbs einzuführen. Gedopte Sportler könnten dann wegen Betrugs bestraft werden.

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