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Fechterin Imke Duplitzer Volle Breitseite gegen das IOC

Wenige Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in London sorgt Imke Duplitzer für Aufsehen. Die Fechterin attackiert mit deutlichen Worten den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Kritik übt Duplitzer auch am IOC.

23.07.2012 08:25
Erhebt massive Vorwürfe gegen den DOSB - Fechterin Imke Duplitzer. Foto: dpa

Wenige Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in London sorgt Imke Duplitzer für Aufsehen. Die Fechterin attackiert mit deutlichen Worten den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Kritik übt Duplitzer auch am IOC.

Degen-Fechterin Imke Duplitzer hat fünf Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in London zum großen Rundumschlag ausgeholt. Die Mannschafts-Silbermedaillengewinnerin von Athen 2004 wetterte im Interview mit der Bild-Zeitung gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB): „Wenn ich mich mit Doktor Michael Vesper (Generaldirektor des DOSB, d. Red.) unterhalte oder wenn ich von weitem mal Präsident Thomas Bach sehe - ich glaube, die raffen das gar nicht mehr“, sagte Duplitzer.

In einer ersten Reaktion auf die massiven Vorwürfe erklärte Christian Klaue, Pressesprecher des DOSB: „Es gibt von uns keinerlei Kommentar. Dieses Interview spricht für sich.“ Hinsichtlich möglicher Konsequenzen für Duplitzer, die in London vor ihrem fünften Olympia steht, sagt Klaue: „Ich denke eher nicht, dass sie deswegen aus der Mannschaft ausgeschlossen wird.“

"Das System ist völlig daneben"

Duplitzer meinte in ihrer Funktionärsschelte: „Das, was die erzählen, zählt für 0,5 Prozent der 392 deutschen Olympia-Sportler. Ich will eine ehrliche Debatte über den deutschen Sport. Denn: Die Funktionäre wissen gar nicht mehr, was in der Sporthalle los ist. Liegt auch daran, dass sie in ihrem Pixiewolkenkuckucksheim leben.“

Die 36 Jahre alte zweimalige Europameisterin aus Bonn nahm kein Blatt vor den Mund: „Die Leistungen brechen immer weiter ein. Es liegt auch daran, weil das System völlig daneben ist. Wir werden nach Olympia ein großes Nachwuchs-Problem haben. Wir haben jetzt schon ein massives Trainer-Problem. Uns laufen die Trainer weg, weil sie in anderen Ländern viel, viel, viel mehr verdienen und bessere Rahmenbedingungen vorfinden.“

Auch zum Thema Doping hat Duplitzer eine klare Meinung: „Wenn du ein bisschen Geld für Medikamente, einen guten Arzt und einen laschen Verband hast, wirst du nie im Leben erwischt. Und: Die Doping-Jäger können nur auf das testen, was sie kennen. Wenn du als Sportler ein Epo der fünften Generation nimmst, das irgendwo in China im Rattenlabor entwickelt wurde, kannst du das Zeug fressen, was das Zeug hält und wirst nicht positiv getestet. Nur die Dummen lassen sich erwischen.“

Kritik am IOC

Die Fechterin wettert auch gegen das IOC-Verbot von TV-Werbung durch Athleten. „Ich finde das eine Unverschämtheit. Dem Athleten gegenüber ist das extrem unfair. Aber um den Athleten geht es schon lange nicht mehr. Olympische Spiele sind eine Verkaufsshow mit angeschlossener Rummelbude. Das IOC macht sich die Welt, wie es ihm gefällt.“

Duplitzer glaubt von den Funktionären: „Sie entwickeln ein eigenes Werte- und Regelsystem, das sich immer weiter vom Olympischen Gedanken entfernt. Und genau den vermisse ich! Olympia ist wie Sissi auf Sport gefönt: Wer schaut sich nicht gerne an, wie die Flamme entzündet wird, wie ein kleines Kind eine Taube durchs Stadion trägt, alles noch mit dramatischer Musik unterlegt und auf die Tränendrüse gedrückt? Der Sport läuft nebenher.“ Duplitzer weiter: „Das IOC behauptet von sich, edel, hilfreich und gut zu sein - dann sollen sie sich bitte auch so aufführen. Leider ist das Gegenteil der Fall. Jede Bank wird mittlerweile verklagt, weil sie in Prospekten gelogen haben. Das IOC verkauft einen schönen Schein und lügt, dass sich die Balken biegen - aber es interessiert keinen. Die Welt will beschissen werden.“ (sid)

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