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Generalprobe gegen Norwegen Die Kraft des langen Atems

Die deutschen Fußballerinnen zeigen beim 3:0 gegen Norwegen die Fähigkeit, ein Spiel spät entscheiden zu können. Somit sind die deutschen Fußballerinnen die heißesten Titelkandidaten der WM.

Deutschland - Norwegen am 16.06.2011 in Mainz. Die deutschen Spielerinnen Bianca Schmidt (l-r), Torschützin Simone Laudehr, Ariane Hingst und Alexandra Popp jubeln nach dem Tor zum 1:0. Foto: dpa

Die Generalprobe ist geglückt: Spätestens nach dem gestrigen 3:0 (0:0) gegen den Mitfavoriten Norwegen steht fest, dass die deutschen Fußballerinnen als der heißesten Titelkandidaten in die Weltmeisterschaft im eigenen Land gehen. Zwar stand der Frauen-Nationalmannschaft zum ersten Mal in der seit dem 11. April laufenden Vorbereitung auf das Championat im eigenen Lande ein zäher Widerpart im Weg, doch am Ende herrschten Jubel, Trubel und Heiterkeit am Mainzer Bruchweg.

Denn wieder schaffte es das Team von Silvia Neid, den Gegner so zu zermürben, dass letztlich die Tore wie reife Früchte fielen. Und wieder waren es die Einwechselspielerinnen, die den entscheidenden Schub brachten. Nach einer Ecke der zur zweiten Halbzeit eingewechselten Melanie Behringer brach Simone Laudehr mit einem feinen Kopfball den Bann (79.). Dann war es die ebenfalls eingewechselte Alexandra Popp, die bei ihren zwei Treffern (80. und 81.) wieder einmal ihre Qualitäten im Abschluss nachwies. Dass der 20-Jährigen die ebenso frisch in die Partie gebrachte Ariane Hingst auflegte, rundete das Bild ab und zeugte vom glücklichen Händchen der Bundestrainerin. Neid muss nun genau abwägen, ob Shootingstar Popp mit ihrer Dynamik und ihrem Durchsetzungsvermögen ein Kandidat für die Startelf zum Eröffnungsspiel am 26. Juni gegen Kanada ist.

Vorbereitungsspiel mit Experimenten

Die Chefin hatte ihre Ankündigung wahr gemacht, das letzte Vorbereitungsspiel noch mal für Experimente zu nutzen. Weder Fatmire Bajramaj noch ihre direkte Konkurrentin Behringer standen in der Anfangself, Celia Okoyino da Mbabi besetzte den linken Flügel. Der lebenslustige Wirbelwind war schon die positive Überraschung gegen die Niederlande gewesen, nun setzte die 22-Jährige wieder etliche Akzente. Allerdings litt das deutsche Vorwärtsspiel daran, dass weder Birgit Prinz noch Inka Grings im Sturm wirklich zur Geltung kamen – die 33-jährige Frankfurterin spielte unglücklich, die 32-jährige Duisburgerin besaß nur eine wirkliche Torchance.

Die meiste Unruhe in der norwegischen Abwehr produzierte noch Kerstin Garefrekes von der rechten Außenbahn. Torfrau Nadine Angerer hatte nur Routinearbeit zu verrichten, was das Verdienst einer aufmerksam agierenden Viererkette war, in der sich vor allem die resoluten Außenverteidigerinnen Linda Bresonik und Babett Peter gute Noten verdienten. Ansonsten noch positiv zu vermerken: 13 812 Zuschauer bildeten eine muntere Kulisse, die über gewisse Unzulänglichkeiten generös hinwegsah. Was ein Vorgeschmack auf die bevorstehende WM gewesen sein dürfte, wo sich ein familiäres Publikum auf den Tribünen versammeln dürfte, schließlich sind 90 Prozent der Karten in Deutschland verkauft worden.

In Mainz brandete der nächste Beifall mit dem Wiederanpfiff auf – als nämlich Stadionsprecherin Petra Klein verkündete, dass Popp, Bajramaj und Behringer gemeinsam in die Partie kommen würden. Dafür räumten Garefrekes, Prinz und Grings ihren Platz zur Pause – wohl dem, der so ein reichhaltiges Reservoir an Offensivspielerinnen hat.

Dieser finale WM-Test darf so oder so als gutes Omen gelten: Vor dem Triumph 2007 in China hatten deutsche Fußballerinnen ihre Generalprobe an selber Stelle ebenfalls gegen Norwegen absolviert; damals hatte es am Bruchweg ein 2:2 gegeben. Diesmal wirkt das DFB-Team in jeder Hinsicht weiter. Gut wäre, wenn sich auch die weitere Geschichte wiederholt. Norwegen war 2007 auch der Gegner im WM-Halbfinale, das die DFB-Auswahl in Wuhan klar mit 3:0 gewann. Das Tableau für die Titelkämpfe 2011 macht es möglich, dass sich die gestrigen Kontrahenten am 13. Juli in Frankfurt erneut in einem WM-Halbfinale duellieren.

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