Lade Inhalte...

DFB-Pokal Bayern München Der BSV Rehden sucht ein Stadion

Das Traumlos im DFB-Pokal gegen den FC Bayern stellt den niedersächsischen Bezirksligisten BSV Rehden vor hohe Hürden.

03.07.2013 08:01
Hier geht's definitiv nicht: die Anlage des BSV Rehden Foto: picture alliance

Es ist nicht so lange her, da formulierte Friedrich Schilling frank und frei seinen Herzenswunsch: „Irgendwann will ich den BSV Rehden mal im Videotext lesen.“ Dieser Satz stammt aus Zeiten, als der Herzensklub des findigen Steuerberaters einen biederen Bezirksligisten im Landkreis Diepholz gab. Anlaufpunkte in der ländlich geprägten Region Niedersachsens waren zu diesem Zeitpunkt noch Vereine, die SC Twistringen und SV Mörsen-Scharrendorf, FC Sulingen, TSV Bassum oder Barnstorfer SV hießen, wo sich die besten Kicker für einige hundert Mark Fahrtkostenentschädigung sammelten. Wer mehr Talent aufwies, wie Hannovers Publikumsliebling Christian Schulz (stammt aus Bassum) oder der Neu-Frankfurter Jan Rosenthal (kommt aus Sulingen) siedelte sofort einige Etagen höher an.
Aber mittlerweile schafft es der Ballsportverein Schwarz-Weiß Rehden fast täglich in die bundesweiten Nachrichtenagenturen, und aus dem Videotext ist der im Vorjahr in die Regionalliga Nord aufgestiegene Dorfclub ohnehin nicht mehr zu vertreiben. Mit der Auslosung des DFB-Pokals hat eine neue Zeitrechnung im 1800-Seelen-Örtchen begonnen. Das Gastspiel des FC Bayern und der Pflichtspieleinstand für Pep Guardiola wird nun auch noch live in der ARD übertragen (Montag, 5. August, 20.30 Uhr), was dem Heimverein zwar einen weiteren finanziellen Zugewinn einbringt, aber auch ein organisatorisches Eingeständnis erfordert. „Der Schauplatz Rehden kommt für dieses Spiel nicht mehr infrage“, sagt Schilling und findet das „ein bisschen traurig“.

Zum Umzug gezwungen

Bis zuletzt hat der 62-Jährige dafür gekämpft, den Sportplatz Waldsportstätten mit seinen putzigen 350 Sitzplätzen mittels Stahlrohrtribünen auf eine Kapazität für bis zu 15 000 Zuschauer zu erweitern. Was 2003 gegen den damaligen Bundesligisten 1860 München (1:5) auf der grünen Wiese gelang, lässt sich ein Jahrzehnt später gegen die Bayern nicht mehr bewerkstelligen. Zu groß sind die Umbauarbeiten für die LED-Banden, zu umfangreich das Pflichtenheft für die Fernsehübertragung, zu massiv die Sicherheitsbedenken. „Das war in der Kürze der Zeit nicht zu schaffen“, sagt der seit 18 Jahren an der Vereinsspitze engagierte Schilling, der sich sogar von der Gesamtgemeinde die Zusage für den Bau einer neuen Flutlichtanlage eingeholt hatte. Umsonst.
Nun gilt es abzuwägen, ob Bremen oder Osnabrück die Ausweichstätte wird. Die meisten Menschen in dieser Region sind mittlerweile Werder-Fans und stimmen für einen Umzug ins Weserstadion. Aber Schilling, der seit 30 Jahren selbst eine Werder-Dauerkarte besitzt, nennt als warnendes Beispiel den Bremer Stadtteilverein FC Oberneuland, der sich vor einem Jahr beim Pokalhit gegen Borussia Dortmund mit dem Umzug in die Spielstätte des SV Werder letztlich keinen Gefallen getan hat und mittlerweile insolvent ist. „Wenn wir das Weserstadion voll bekommen, wäre das prima. Aber bekommen wir so viel Bayern-Fans aus dem norddeutschen Raum zusammen?“ Aus Rehden und Umgebung wird intern mit maximal 7000 „Anhängern“ gerechnet.

Trainer im Nebenberuf

Die offenbar bevorzugte Alternative wäre ein Umzug ins 60 Kilometer entfernte Osnabrück, zumal das 16 600 Zuschauer fassende Stadion an der Bremer Brücke sicher ausverkauft wäre. Schilling hat die Spielstätte des Drittligisten eigens am Dienstag besichtigt: „Ich habe vom DFB noch ein paar Tage Aufschub bekommen und möchte die Entscheidung Bremen oder Osnabrück ohne Zeitdruck und in Absprache mit dem FC Bayern fällen.“ Dass sein Verein für das Spiel des Jahrhunderts seine Wurzeln verraten muss, halten einige Rehdener Bewohner zwar für unverzeihlich, aber Schilling verspricht ein Event, „von dem wir alle zehren können“. Sportlich wird es ein Kampf mit ungleichen Waffen: Der Etat beim BSV Rehden liegt bei rund einer Viertelmillion Euro. Und nicht nur alle Spieler sind noch berufstätig, sondern auch Trainer Predrag Uzelac. Wenn der Kroate nicht auf dem Trainingsplatz steht, arbeitet er nebenbei noch in einem Sportgeschäft – was ja mal einen schönen Kontrast zu Kollege Guardiola darstellt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum