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DFB-Finanzen Prall gefüllter Speicher

Der DFB legt einen 50-seitigen Finanzbericht vor – der Verband verfügt über mehr als 190 Millionen Euro Eigenkapital.

02.06.2016 18:29
DFB-Präsident Reinhard Grindel will mehr Transparenz bei seinem Verband und stellt deshalb den Finanzbericht öffentlich vor. Foto: dpa

Reinhard Grindel weiß sehr wohl, dass sich in Fußball-Deutschland schon sehr viel um die in einer Woche beginnende Euro dreht. Trotzdem wollte der neue Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Donnerstag im großen Tagungsraum der Verbandszentrale lieber „über den Euro“ reden – konkret darüber, wie viel der DFB bis auf die Kommastelle einnimmt und ausgibt. Wie vom 54-Jährigen vor einem Monat beim außerordentlichen Bundestag angekündigt, liegt nun erstmals ein immerhin 50-seitiger Finanzbericht vor – die Phase der Abschottung soll damit enden, ein Stück mehr Offenheit herrschen. Grindel: „Wir sind als eingetragener Verein dazu nicht verpflichtet, aber wir fühlen uns verpflichtet.“

Dass der DFB finanziell nicht darben muss, war allseits bekannt, aber die stattliche Summe an Eigenkapital überrascht den einen oder anderen doch: Stolze 192,2 Millionen Euro sind nach dem Geschäftsjahr 2015 ausgewiesen, an Rücklagen 167,8 Millionen gebildet. Wie Schatzmeister Stephan Osnabrügge in aller Ausführlichkeit erläuterte, sind diese zum größtenteils zweckgebunden und ausschließlich für den ideellen Bereich zu verwenden. Grindel versprach allerdings, „keine weiteren Rücklagen mehr aufzubauen, sondern sie etwas einzuschmelzen.“ Die ideellen Ausgaben von bislang 40 Millionen sollen erhöht werden – der Geldspeicher ist prall genug gefüllt.

Leichtes Plus in 2015

Ein Seitenblick auf die Bundesliga-Branche verdeutlicht die Dimensionen, in denen der DFB wirtschaftlich agiert: Alle Lizenzvereine – bis auf den FC Bayern – würden bei der Eigenkapitalquote (70 Prozent) vor Neid erblassen. Die Münchner verfügen allerdings über mehr als doppelt so viel Eigenkapital – und stemmen einen doppelt so hohen Umsatz. Ansonsten wäre der DFB aber ein veritabler Champions-League-Anwärter: Bei einem Ertrag von 228,1 Millionen und einem Aufwand von 224,6 Millionen kam ein positives Ergebnis von 3,5 Millionen heraus.

Es wäre sogar noch besser ausgefallen, hätte es nicht die WM-Affäre gegeben, die nicht nur Grindel-Vorgänger Wolfgang Niersbach den Job und den Verband mächtig Ansehen, sondern auch einiges Geld kostete. Die im Vorjahr verbuchten Kosten für die Aufklärung betrugen 2,2 Millionen, und gerade erst stellte die Kanzlei Freshfields weitere 2,9 Millionen in Rechnung. „Es war ein sehr teurer Weg“, sagte Grindel, „aber absolut der richtige.“

Frauen werden bezuschusst

Die wirtschaftliche Lokomotive für den fast sieben Millionen Mitglieder starken Verband stellt – wenig überraschend – die A-Nationalmannschaft dar. Nur so lassen sich über Spielbetrieb, Vermarktung und Sponsoring insgesamt 166 Millionen einnehmen. Die Weltmeister bringen laut einer Einzelaufstellung 58 Millionen, kosten aber „nur“ knapp 19 Millionen. Ergibt ein Plus von rund 39 Millionen. Alle anderen Auswahlteams werden damit quersubventioniert; erstaunlich diesbezüglich das Saldo der Frauen-Nationalmannschaft: Minus 2,7 Millionen.

Wie Grindel verriet, erhält der DFB von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) für jedes Heim-Qualifikationsspiel eine Garantiesumme von zehn Millionen – nur unter dieser Bedingung hatten die Deutschen der Zentralvermarktung zugestimmt. Da aber 2015 nur zwei solcher Spiele im eigenen Land stattfanden, gingen die Einnahmen aus dem Spielbetrieb im Vergleich zu 2014 gleich mal rapide con 60,5 auf 38,8 Millionen zurück. Trotzdem gilt für Grindel: „Wir stehen auf einem stabilen Fundament.“ Daher besteht auch gar kein Problem, den geplanten Neubau der DFB-Akademie auf der nahegelegenen Galopprennbahn zu finanzieren. Mittlerweile ist aber nicht das Preisschild von 109 Millionen das Problem, sondern der Rechtsstreit zwischen Stadt und Nutzern. Grindel: „Uns bleibt nichts anderes übrig als abzuwarten: Wir müssen in Demut der Entscheidung der Gerichte folgen.“ Es gibt eben Dinge, die sind auch mit viel Geld nicht so schnell zu regeln.

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