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DFB-Elf EM-Auslosung mit 100 Minuten Show

Spanien, Frankreich, Kroatien: Der DFB-Elf könnte bei der heutigen EM-Auslosung eine extrem schwere Gruppe drohen. Wir klären die wichtigsten Fragen vorab.

02.12.2011 07:55
Martin Henkel
Soll nachbarlich klingen: die EM-Jungs Slavko (r.) und Slavek. Foto: AP/Czarek Sokolowski

Am Freitag beginnt im alten Kiewer Kulturpalast der Countdown zur Fußball-Europameisterschaft, die in Polen und der Ukraine ausgespielt wird. Eröffnet wird in Warschau am 8. Juni, am 1. Juli wird das Turnier mit dem Finale in der Hauptstadt der Ukraine beendet. Was die Auslosung bringt – ob eine gefürchtete „Todesgruppe“ mit den jeweiligen „Angstgegnern“, oder eine „Losglück“-Konstellation –, kann vorher nicht gewusst werden. Wohl aber, wie die Auslosung vonstatten geht, was sie nach sich zieht – und was von ihr unberührt bleibt.

Wie wird gelost?

Natürlich – nicht alles soll bekannt sein vor Beginn einer Zeremonie, die netto wohl in 15 Minuten über die Bühne gebracht wäre. Ein „internationaler Überraschungsgast“ werde auftreten, heißt es im Vorfeld der Auslosung. Sein Name? Top geheim. Eine Stunde und 55 Minuten Gruppenbestückungsprozedere hat die gebührenfinanzierte ARD eingekauft, 100 Minuten müssen also mit Show, Tanz und Parlando überbrückt werden.

Letzteres liefern die TV-Moderatoren Olga Freimut (Ukraine) und Piotr Sobczynski (Polen), tanzen wird ein ukrainisches Volksringelreihen-Ensemble, gelost wird unter den scharfgestellten Augen von Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino, in die Töpfe greifen „Legenden des EM-Fußballs“, in Deutschlands Behälter übrigens erst zum Schluss. Wer sich das nicht antun will, dem sollte ein Blick in die Tagesschau um 20.00 Uhr reichen. 16 Mannschaften sind schließlich schnell auf vier Gruppen verteilt.

Welche Gegner drohen – und welche winken?

Angstgegner der DFB-Elf sind nicht die Spanier, Nemesis aus einem verlorenen EM-Finale (2008) und einem WM-Halbfinale (2010). Sondern die Kroaten. Bei drei Turnieren (EM 1996, WM 1998 und EM 2008) trafen DFB-Elf und „Karierte“ aufeinander, die erste Partie gewannen die Deutschen mit Glück 2:1, Nummer zwei und drei gingen verloren (0:3, 1:2). Die größte Gefahr lauert also in Form eines Kroaten-Komplexes in Topf drei. In Behälter eins hingegen ist der Lieblingsgegner gesetzt: Co-Gastgeber Polen.

Mit den Worten „Die hauen wir durch die Wand“, hatte der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor dem WM-Vorrundenspiel 2006 gegen Polen seine Elf motiviert und damit einen neuen deutsch-polnischen Lieblingsgegner-Mythos begründet. Das 1:0 setzte das WM-Sommermärchen in Gang und ein 2:0 im Auftaktspiel 2008 das EM-Fastsommer-Märchen. Überhaupt ist die Bilanz der DFB-Elf gegen die Nachbarn makellos: 17 Spiele, zwölf Siege, fünf Unentschieden. Keine Niederlage.

Wo spielt die DFB-Elf?

Überall und nirgends. Wird Deutschland in die Gruppe A oder C gelost, spielt es die Vorrunde in Polen und bei ordentlichem Abschneiden auch noch das Viertelfinale und Halbfinale.

Bedingung hierfür wäre, dass die DFB-Elf in Gruppe A gelangt, Zweiter wird und das Viertelfinale gewinnt. Dann spielt sie das Halbfinale in Warschau.

Wo nächtigen die Deutschen während des Turniers?

Der bienenfleißige Manager Oliver Bierhoff hat die feine Olivenhof-Herberge nahe Danzig zwar ausfindig gemacht, und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach erzählte was von „Liebe auf den ersten Blick“, aber abgesegnet hat sie Joachim Löw. Der Bundestrainer roch die nahe Seeluft und befand: Wenn man das Turnier über schon so lange zusammen sei, und das sei man bestimmt, dann „ist es wichtig, dass frischer Wind den Kopf frei pustet“.

Anders sieht es mit der Wahl der Vorbereitungsunterkünfte aus. Die erste liegt vom 11. bis 18. Mai mal wieder auf Sardinien. Es ist das „Romazzino“, dient der Erholung und soll das Familienglück fördern. Danach geht es ins Terre Blanche nach Tourettes in Frankreich. Das Hotel steht auf dem Gelände des Hoffenheimer Mäzens Dietmar Hopp – und hinterlässt dadurch ein Geschmäckle, das der DFB freilich nicht verspürt. Oliver Bierhoff hat sich „sehr gefreut zu spüren, mit welcher Herzlichkeit Herr Hopp uns bei der Vorbereitung unterstützt“.

Wann nominiert Joachim Löw seinen Kader?

Der Termin steht noch nicht, aber 18 von 24 Spieler der DFB-Elf sind wohl angeblich schon gesetzt. Bleiben sechs, die von der Saison erst noch herausgeformt werden müssen.

Was kann der DFB-Elf nach der Auslosung noch widerfahren?

Das Übliche: verletzte Stammspieler. Und: Umfragen. Gefährlich sind vor allem die von der Art „Denken Sie, dass Deutschland Europameister wird?“ Mittlerweile zuhauf auf dem Markt, vermitteln sie ein bedenkliches Bild. Über 50 Prozent der Deutschen glauben an einen EM-Sieg, Tendenz steigend. Dass solche Ergebnisse die Urteilskraft einschränken und Spieler-Beine lähmen, hat die WM der Frauen gezeigt. Die DFB-Ladies waren laut Umfragen Weltmeister – und im Viertelfinale draußen. Löw mahnt deshalb: „Wir müssen uns spielerisch verbessern.“ Ob’s noch jemand hört?

Sind Tickets noch auf dem Markt?

Ja, aber nur auf dem für schwarze Geschäfte. Lediglich an ein Team gebundene Tickets sind ab dem 12. Dezember in den Kategorien Einzelspiel, Team-Vorrunde, Team-Turnier oder Team-Spielort noch beantragbar. Die offizielle Karten-Erwerbsphase ist hingegen seit März 2011 vorüber. Allerdings hält die Uefa bis März 2012 eine Tausch- und Rückgabebörse offen.

An was sollte ein Turnier-Fahrer jetzt schon denken?

Muss die DFB-Elf in der Ukraine spielen, dann ab sofort an alles. In dem überaus freundlichen Land sind Hotels Raritäten und der Transport ist alteuropäisch. Heißt, es gibt für Autobahnen nur die Pläne, Züge fahren langsam und Flüge mit über 80 Passagieren sind auf den meisten Flughäfen nicht möglich, die Landebahnen sind zu klein.

Spielt die DFB-Elf vornehmlich in Polen, ist die Situation etwas entspannter. Allerdings will auch hier bedacht sein: Für 30.000 Anreise-Fans an einem Spieltag wird außer Warschau keine der Stadionstädte gewappnet sein. Und Autobahnen waren zwar geplant, aber in so manche Unternehmerhand falsch gelegt. Da hilft nur: Schlafsack einpacken und Humor mitbringen. Viel Humor, schließlich ist EM-Zeit.

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