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Deutsche Fußball-Liga Streicheleinheit für Goldesel Sky

Ligapräsident Reinhard Rauball gibt sich angesichts der tiefroten Zahlen des Pay-TV-Partners gelassen. Auch, um Ängsten der 36 Profiklubs vorzubeugen.

03.08.2010 23:31
Die Aktie des Bezahlsenders Sky stellte bisher vor allem Negativ-Rekorde auf. Foto: dpa

Die Gelassenheit, mit der Reinhard Rauball am Dienstag der Nachricht vom aktuellen Ausmaß der finanziellen Schieflage beim Pay-TV-Sender Sky begegnete, überraschte dann doch. Keine Angst, nicht die Spur von Sorge. Dabei liegt die Kirch-Krise, die die Fußball-Bundesliga vor acht Jahren schwer erschütterte, noch gar nicht so lange zurück. Der Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) aber ruhte in sich selbst.

Schließlich wisse er schon seit Ende Mai um die Finanzkrise des Münchner Bezahlsenders, der die Übertragungsrechte von 2009 bis 2013 für durchschnittlich 250 Millionen Euro pro Saison hält. Am Rande des Champions-League-Finales zwischen dem FC Bayern München und Inter Mailand in Madrid kam es Rauball zufolge deshalb zu einem Spitzentreffen. Er und DFL-Geschäftsführer Christian Seiffert hätten das Gespräch mit James Murdoch, Sohn des britischen Medienmoguls und Hauptanteilseigners Rupert Murdoch, und weiteren verantwortlichen Personen „gesucht und gefunden“, berichtete Rauball in Frankfurt. Das Ergebnis: „Es verhält sich alles im Rahmen der Prognosen.“ Die Börsianer sahen das anders. Auf dem Parkett kam die Nachricht von einer Kapitalerhöhung und der Ausgabe einer Wandelanleihe alles andere als gut an. Der Aktienkurs des defizitären Abo-Kanals rauschte am Dienstag in den Keller.

„Wir verfolgen das aufmerksam“, so Rauball, der mit sanfter Stimme versuchte, den Ängsten in den 36 Profiklubs vorzubeugen. In den nächsten Tagen sollen alle Erst- und Zweitligisten eine Dokumentation der finanzielle Situation mit allen Zahlen erhalten, kündigte Rauball an. Das Premiumprodukt von Sky ist und bleibt zwar die Fußball-Bundesliga, der Einfluss von Ligaverband und DFL-Management auf Sky liegt gleichwohl bei null. „Wir sind Vertragspartner und kein Aufsichtsgremium“, sagte Rauball.

Dass die Bundesligisten Ruhe bewahren, scheint fraglich. „Wir haben alle noch den Schreck der Kirch-Pleite in den Knochen“, sagte Felix Magath. „Das hat uns mächtig durchgebeutelt. Natürlich hat man die Sorge, dass eine neue Krise kommt.“ Der Trainer des FC Schalke 04 erinnert sich auch noch gut daran, wie 2008 der Drei-Milliarden-Deal mit der Kirch-Tochter Sirius platzte.

Das Problem des Münchner Bezahlsenders Sky ist und bleibt die Refinanzierung. ARD, ZDF und Sport1 besitzen bis 2013 die Rechte für das Free-TV. Vielen Fußballfans reichen die Zusammenfassungen der ARD-Sportschau. Darüber hinaus hält die Telekom die im Vergleich spottbilligen Internet-Rechte und betreibt damit den Fußball-Online-Kanal Liga total. „Wie immer glaubt man natürlich, dass dieses Modul funktionieren kann“, so Magath. Die nackten Zahlen sprechen dagegen: Sky benötigt dem Vernehmen nach drei Millionen Abo-Kunden, um aus den roten Zahlen zu kommen. Zurzeit stagniert die Zahl bei unter 2,5 Millionen.

Christian Nerlinger, Sportdirektor des FC Bayern, blickt dennoch positiv nach vorn: „Die Bundesliga ist ein Superprodukt, da müssen wir nicht ängstlich sein, sondern selbstbewusst. Ich verstehe nicht, warum Sky nicht so angenommen wird.“

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