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Couch statt Coach: Deutsche sind Bewegungsmuffel

Die Couch-Anziehungskraft ist die größte Kraft, das wisstn wir alle. Nun bestätigte eine Studie: zwei von drei Deutschen sitzen sich krank. Ihre Behandlung kostet Milliarden. 10.000 Schritte täglich helfen.

24.10.2007 10:10
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Zwei von drei Deutschen können die Couchanziehungskraft nicht überwinden. Die Folge: sie bewegen sich zu wenig und sitzen sich krank. Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme, Herz-Kreislauf-Erkrankungen - das kostet die Kassen Millionen. Foto: ddp

Berlin (ddp) - Zwei von drei Bundesbürgern verbringen ihre Freizeit am liebsten auf dem heimischen Sofa. Jeder zweite Berufstätige arbeitet heute am Computer und ist so zum Stillsitzen verdammt, ergab eine Studie. Die Folge: Ein Drittel der Bundesbürger wird krank, weil sie sich täglich zu wenig bewegen, wie der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse (TK), Norbert Klusen, am Dienstag in Berlin beklagte. Und die Tendenz, ein "Sportmuffel" zu werden, nimmt in der Bevölkerung weiter zu.

Nur jeder Fünfte treibe hingegen regelmäßig Sport, so die Forsa-Befragung der TK gemeinsam mit dem F.A.Z-Institut. Die Gründe für den Bewegungsmangel sind vielschichtig: Jeder Dritte habe unregelmäßige Arbeitszeiten und jeder Vierte mache häufig Überstunden, die die Chance auf sportlichen Ausgleich nach Feierabend weiter einschränkten. Neben den Verpflichtungen in Beruf und Familie nannten die 1000 Befragten ab 14 Jahren am zweithäufigsten den inneren Schweinehund, sagte Karin Gangl vom F.A.Z.-Institut. Ein Drittel der Deutschen gab ehrlich an, dass sie sich einfach nicht zum Sport aufraffen können - obwohl jeder zweite Bewegungsmuffel deshalb ein schlechtes Gewissen hat, weil er sich eigentlich nicht wohlfühlt.

Die Auswirkungen des Nichtstun sind gravierend: Rückenschmerzen, Stoffwechselerkrankungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden verursachten jedes Jahr für das Gesundheitssystem Kosten in Höhe von mehr als 70 Milliarden Euro, erläuterte Klusen.

Besonders beunruhigend sei, dass Kinder durchschnittlich zweieinhalb Stunden vor Fernseher oder Computer sitzen und sich damit nur noch halb so viel bewegen wie ihre Altersgenossen vor einigen Jahren, so der Krankenkassenchef. "Für die Zukunft ist dies verheerend", fügte er hinzu. Denn die Studie zeige, dass sich fast 90 Prozent der Erwachsenen, die in ihrer Kindheit keinen Sport getrieben haben, auch heute nicht regelmäßig bewegen. Dagegen finden zwei Drittel derjenigen, die als Schüler auf den Sportplatz waren, auch im späteren Alter Spaß an Bewegung.

Allen Noch-Sportunwilligen rät Sportmediziner Martin Halle von Technischen Universität München, mit kleinen Schritten zu beginnen. "Eine Station früher aus dem Bus aussteigen und den Rest zu Fuß gehen oder die Treppe anstatt des Fahrstuhls benutzen - das ist ein guter Anfang, den jeder schaffen kann", betonte der Ärztliche Direktor der Poliklinik für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin.

Um einen gesundheitlichen Effekt zu erzielen, sind Halle zufolge täglich 10.000 Schritte notwendig. Die meisten blieben darunter. Die von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) gestartete Kampagne, jeden Tag "3000 Schritte extra" zu gehen, könne daher nur ein Anfang sein, um die Menschen zu mehr Bewegung im Alltag anzuregen.

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