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Chinas Wettmafia Die wunderbare Welt des Zhang Jie

1+2, 1+2+1 - Chinas Wettmafia verfügt über einige gut funktionierende Zauberformeln für Spielmanipulationen. Von Bernhard Bartsch

25.11.2009 00:11

Fußball ist für Zhang Jie ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten. Genauso wie Basketball, Eishockey oder die dutzenden anderen Sportarten, mit denen er täglich zu tun hat. Bei vielen Disziplinen kennt er nicht einmal die Regeln, und sie interessieren ihn auch nicht. Zhangs Welt sind die Zahlen, die sein Computer generiert: Wie wahrscheinlich ist es, dass Bayern München am Sonntag gegen Hannover 96 gewinnt? Oder dass die Bayern den ersten Freistoß erhalten? Oder die erste Gelbe Karte? Oder beides? "Wir können für jede Spielsituation eine Wette anbieten", sagt Zhang. Er ist Agent der Internetwettplattform 888Crown.com. Wer genau hinter dem Forum steckt, ist ebenso dubios wie Zhangs wahre Identität, die hinter einer Handynummer verborgen bleibt. Doch sicher ist, dass er einer von tausenden chinesischen Wettvermittlern ist, die Milliardensummen auf den Markt für Sportwetten schleusen.

Die grassierenden Spielmanipulationen gelten als Hauptgrund, warum das bevölkerungsreichste Land der Erde trotz seiner Fußballbegeisterung auf der Fifa-Weltrangliste nur auf Platz 102 liegt. Erst vergangenen Freitag hob die chinesische Polizei einen illegalen Wettring aus und verhaftete fünfzehn Verdächtige, darunter den Trainer des Zweitligisten Qingdao Hailifeng und mehrere Spieler. Für zahlreiche chinesische Fußballklubs sind die Gelder aus Wettmanipulationen eine wichtige Einnahmequelle.

Die Manipulatoren setzen auf unterschiedliche Aufstellungen. Mit "einem Mann" zu spielen bedeutet, den Schiedsrichter zu bestechen. Doch da die Macht der Pfeife begrenzt ist, gilt die Konstellation "1+2" als verlässlicher, womit der Torwart und zwei Verteidiger gemeint sind. Die sicherste Wette erhält man mit der Aufstellung "1+2+1", bei der neben Tormann und Abwehr noch eine weitere Schlüsselposition besetzt wird. Kostenpunkt: 60000 Euro.

Wett- und Glücksspiele sind in China illegal. Die staatlich betriebenen Losbuden setzen im Jahr über vier Milliarden Euro um und zeigen, wie groß die Bereitschaft der Chinesen ist, ihr Geld gelegentlich dem Zufall zu überlassen. Bei der Polizei und anderen Behörden muss die chinesische Wettmafia über beste Kontakte verfügen. Schließlich macht sie aus ihren Aktivitäten kein Geheimnis, sondern wirbt offen im Internet um Agenten. Einige Buchmacher sollen für ihre Kunden ganze Internetcafés mieten, damit sie ihre Wetten platzieren können. Die Szene sucht sich Kunden in allen Gesellschaftsschichten. So flog vergangenes Jahr ein Wettnetzwerk an chinesischen Mittelschulen auf. Hunderte Schüler setzten dort per SMS auf Fuß- und Basketballspiele. Der Geldverkehr lief über mehrere Schüler, die dafür von den Hintermännern eine Kommission erhalten. Bekannt wurden die illegalen Transaktionen erst, als ein Schüler und seine Eltern bei der Polizei Schutz vor den gewalttätigen Schuldeneintreibern suchten.

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