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Champions League St. Petersburg Borussia Dortmund Fortbildung in der Fremde

Wie Dietmar Beiersdorfer als Sportdirektor beim Dortmund-Gegner Zenit St. Petersburg arbeitet. Der ehemalige Manager des HSV stellt dem italienischen Trainer Luciano Spalletti ein international geprägtes Ensemble zur Verfügung.

25.02.2014 07:00
Dietmar Beiersdorfer fungiert seit Sommer 2012 als Sportdirektor bei Zenit St. Petersburg. Foto: imago sportfotodienst

Wie Dietmar Beiersdorfer als Sportdirektor beim Dortmund-Gegner Zenit St. Petersburg arbeitet. Der ehemalige Manager des HSV stellt dem italienischen Trainer Luciano Spalletti ein international geprägtes Ensemble zur Verfügung.

Dietmar Beiersdorfer beschreibt sich als einen, den Fremdes und Unbekanntes schon immer gereizt hat. Und deshalb hat sich der ehemalige Manager des Hamburger SV im Frühsommer 2012 auch genau angehört, was sich Zenit St. Petersburg dabei dachte, bei der Fahndung nach einem im Westen gut vernetzten Sportdirektor bei ihm anzuklopfen. „Nach der Einladung haben mir die Stadt und das Projekt sofort zugesagt“, erzählt der 50-Jährige, der die zweitgrößte Metropole Russlands noch von einer Stippvisite kannte, als er in seiner HSV-Zeit mal um den Profi Martin Skrtel buhlte. An neuer Wirkungsstätte setzte der Manager gleich mal ein Ausrufezeichen, als auf den letzten Drücker seiner allerersten Transferperiode ein 100-Millionen-Paket für das brasilianische Kraftpaket Hulk und den belgischen Nationalspieler Alex Witsel geschnürt wurde.
Beiersdorfer spricht rückblickend von „zwei großen Transfers, die in dieser Dimension vielleicht außergewöhnlich gewesen sind.“ Doch bei den beiden zu Stützen gereiften Stars würden rückblickend Leistung und Perspektive stimmen.
„Die beiden geben uns sehr viel, sind sehr gute Fußballer. Diese Investition hat sich also gelohnt.“ Zumal Beiersdorfer längst bewiesen hat, dass er auch anders kann. So wird in der Zarenstadt mit dem für kleines Geld in Griechenland ausgegrabenen Torwart Yuri Logydin, Oleg Shatov und Igor Smolnikov gerade die nächste Generation russischer Nationalspieler entwickelt, die Prominenz wie den Ex-Bayern Anatoli Timoschtschuk oder den ehemaligen Arsenal-Profi Andrej Arshavin verdrängt haben. Zenit zeichne aus, sagt Beiersdorfer, „dass dieser Verein immer auf eine starke russische Achse gesetzt hat.“ Gleichwohl: Ohne ausländische Akteure wäre ein Einzug ins Achtelfinale der Champions League kaum denkbar.

Kaltstart für St. Petersburg

Und so leitet der italienische Trainer Luciano Spalletti ein international geprägtes Ensemble an, das für den letztjährigen Finalisten Borussia Dortmund den Gastgeber gibt. Wie schon vor einem Jahr gegen Schachtor Donezk haben die Westfalen dabei den Vorteil, dass ihr Gegner über keinerlei Wettkampfpraxis verfügt. „Wir haben bislang drei Trainingslager – in Katar, Israel und zuletzt in der Türkei – absolviert, aber eben noch kein Pflichtspiel bestritten, das ist dann schon ein Unterschied“, erklärt Beiersdorfer, „für uns wird das ein Kaltstart.“ Deshalb sei der BVB auch klarer Favorit. Die Zielsetzung bei Zenit: in der Königsklasse wettbewerbsfähig zu werden. Schließlich steht hinter dem Klub der weltweit größte Erdgasproduzent Gazprom, der zugleich einer der wichtigsten Uefa-Sponsoren geworden ist. Doch Beiersdorfer mag es nicht, auf einen Strippenzieher mit unbegrenzten finanziellen Zuflüssen reduziert zu werden. Klar sei, dass sich auch sein Arbeitgeber an die Uefa-Regularien zum Financial Fairplay halten müsse, „und wir dabei nicht mehr ausgeben dürfen, als wir einnehmen.“
Tatsächlich sollen es viel eher die Vereine aus der Hauptstadt sein, die gerade bei den Gagen Gelder im großen Stil verprassen. Einen Standortnachteil mag Beiersdorfer wiederum nicht zu erkennen. Anders als in Moskau, wo ZSKA, Lokomotive, Spartak und Dynamo um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlen, fokussiert sich im früheren Leningrad alles auf Zenit. „Man fühlt sich diesem Klub sehr verbunden“, hat er festgestellt.
Er selbst spürt mit einer zentrumsnahen Wohnung den Puls der Bevölkerung, er schwärmt von den prunkvollen Bauten und preist die spannenden Erfahrungen, „die mich als Mensch weiterbringen“ – nur mit dem Russisch hapert es. Die Sprache sei wirklich sehr schwer, „ich habe einige Zeit Unterricht genommen, aber das reicht lange nicht, um sich beispielsweise auf dem russischen Markt problemlos damit verständlich zu machen.“

Bundesliga bleibt ein Ziel

Beiersdorfer, der zwischenzeitlich auch den Red-Bull-Fußballprojekten in Salzburg und Leipzig diente, gilt in St. Petersburg weder als Allesmacher noch sieht er sich als Alleinunterhalter. Ein Generaldirektor und ein Präsident sind ihm vorgeschaltet; er kümmert sich um Transfers und Verträge, ums Scouting oder das Strukturelle. Derzeit entsteht im Zuge der WM 2018 eine neue Arena für Zenit mit einer Kapazität von 68 000 Plätzen – dreimal so groß wie das alte Petrowski-Stadion, in dem heute die Fankurve nach rassistischen Verfehlungen sowie dem Abbrennen von Feuerwerkskörpern im Gruppenspiel am 11. Dezember gegen Austria Wien gesperrt sein wird.

Ob der Sportdirektor den für 2016 oder 2017 geplanten Einzug in die neue Spielstätte noch erlebt? Die private Situation sei zwar in Ordnung („Meine große Tochter studiert in Hamburg, meine kleine Tochter hat einen Kindergartenplatz in Hamburg und jetzt auch in St. Petersburg“), aber Deutschland soll irgendwann wieder zum Lebensmittelpunkt werden.
Werder Bremen hat vor einem Jahr intensiv um ihn gebuhlt, als ein Nachfolger für Klaus Allofs gesucht wurde, doch Beiersdorfer sagte damals ab. Es wird der Zeitpunkt kommen, um woanders zuzusagen. „Mein Vertrag in St. Petersburg läuft noch länger“, sagt Beiersdorfer, „aber es wäre wohl eher verwunderlich, wenn ich nicht noch irgendwann in der Bundesliga arbeiten würde.“

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