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Champions League Geldadel unter sich

In keinem Wettbewerb scheint die finanzielle Macht so elementar für den Erfolg wie in der Champions League. Gegen die Tricks der Konkurrenten formiert sich in Deutschland der Widerstand.

18.02.2014 07:06
In den Händen der Reichen: der Champions-League-Pokal. Foto: rtr

Wenn Michael Reschke an Paris St. Germain denkt, kommt dem Manager der Lizenzspielerabteilung von Bayer Leverkusen immer wieder die Geschichte mit Thiago Silva in den Sinn. Rudi Völler und er waren vor fünf Jahren gemeinsam nach Brasilien gejettet und saßen mit neun weiteren Personen zusammen, als der hochbegabte Abwehrrecke noch bei Fluminense unter Vertrag stand. „Wir waren bei ihm zuhause, seine Frau war damals gerade schwanger“, erzählt Reschke, „und unser Arzt hatte schon die medizinische Untersuchung gemacht. In neun von zehn Punkten waren wir durch – wir hatten sogar schon den Flug nach Deutschland gebucht.“

Doch dann verirrte sich dummerweise noch der Chefscout vom AC Mailand zum Halbfinale der Copa Libertadores und Kaderplaner Reschke ahnte: „Mensch, das wird noch schwer.“ So ist es gekommen, wie der 56-Jährige weiß: „Alles, was wir wirtschaftlich aufgerufen hatten, haben die von Milan locker übertrumpft.“ Die Italiener zahlten zehn Millionen Euro Ablöse für den Starverteidiger, der drei Jahre später für 42 Millionen nach Paris weiterzog. Mittlerweile ist der 29-Jährige der Kapitän bei PSG, hat seinen Vertrag bis 2018 verlängert und verdient zwölf Millionen Euro jährlich. Selbst für Stammspieler der Selecao ein sehr ordentliches Salär.

Denn was Milan damals drauflegte, kann Paris mit Leichtigkeit noch vervielfachen. Geld spielt im Grunde keine Rolle beim französischen Hauptstadtverein, seit sich im Sommer 2011 Nasser Al-Khelaifi zum Präsidenten wählen ließ. Das unbescheidene Ziel des schmächtigen Scheichs: die Champions League gewinnen. Und so gilt das heutige Achtelfinal-Gastspiel in der BayArena bei Bayer Leverkusen (20.45 Uhr) allenfalls als Zwischenstation.

Paris als Trickbetrüger?

Seit dem vom damaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy protegierten Einstieg der Kataris hat der Klub annähernd 400 Millionen Euro ausgegeben. Und bezahlt weiter exorbitante Ablösen und futuristische Gehälter. Ibrahimovic bekommt natürlich am meisten. 2,33 Millionen Euro. Jeden Monat. Khelaifi hegt keinerlei Bedenken, gegen das Financial Fairplay der Uefa zu verstoßen. Der Trick: Dem Sponsorenvertrag mit der Qatar Tourism Authority wurde ein Wert von 200 Millionen Euro zugrunde gelegt. Zum Vergleich: In Leverkusen, wo das Budget des Bundesligisten bei 120 Millionen liegen soll, beträgt die Zuwendung des Bayer-Konzerns 25 Millionen.

Gegen solche Tricks formiert sich in Deutschland der Widerstand. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der European Club Association (ECA) hat Karl-Heinz Rummenigge auf dem Sportbusiness-Kongress „Spobis“ heftig über das Pariser Geschäftsgebaren hergezogen. „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass PSG die Statuten erfüllt. Ich kenne die Sponsorenpreise bei Real, Barca oder bei uns, und ich weiß: 200 Millionen sind kein marktgerechter Preis.“

Beim Thema Finanzdoping kann sich Rummenigge richtig in Rage reden. „Michael Platini will auch nicht, dass die Champions League bald nur noch durch den reichen Mann aus Russland oder Arabien entschieden wird. Es ist ein Muss, dass die Uefa das Financial Fairplay seriös einführt. Ein Umdenken wird notwendig sein.“ Unverständnis äußerte unverhohlen zudem der DFL-Vorsitzende Christian Seifert. Kommerzielle Erlöse könnten nicht von einem Jahr aufs andere um 300 Prozent steigen, sagt Seifert, „so attraktiv kann ein Klub nicht werden, Ibrahimovic hin oder her.“

Khelaifi erklärt hingegen, dass PSG eine wichtige Marke in der arabischen Welt geworden sei: „Alles, was wir investieren, werden wir vielfach zurückbekommen.“ Und der 40-Jährige hält die Einmischung für nicht gerechtfertigt. „Ich weiß nicht, worüber sich diese Leute Sorgen machen. Sind die neidisch? Haben sie Angst? Ich brauche eine klare Ansage, was sie genau wollen.“ Die lieferte der Vorstandschef des FC Bayern vor zwei Wochen in Düsseldorf: „Ablösen und Gehälter können nicht weiter steil nach oben gehen.“ So wie in Paris, wo der Etat bald eine halbe Milliarde Euro betragen soll.

Für Rummenigge bricht mit dem 1. Juli die entscheidende Phase an, ob das Financial Fairplay wirklich den Markt reguliert. „Es ist kein Malus, sondern ein Bonus für die Vereine“, behauptet er und erinnert daran, dass nach dreijähriger Übergangsphase schlimmstenfalls sofortige Sanktionen folgen müssten. Doch was ist gegen den Geldadel und dessen Geltungsbedürfnis wirklich noch auszurichten? Neun der 16 Achtelfinal-Teilnehmer hängen am Tropf von Investoren oder Mehrheitseignern.

Rote Zahlen statt Gesundung

Teils haben sich die Klubs freiwillig in dubiose Abhängigkeiten begeben, weil die Macht des Geldes in keinem Wettbewerb so elementar für den Erfolg ist wie in der Champions League. Die Königsklasse gewinnt seit dem Sensationssieg des FC Porto 2004 nur noch, wer seine Kicker zum Krösus macht.

Und seit Jahren kommt das Achtelfinale als Abbildung der „Deloitte Football Money League“ daher – das ist jene von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte erhobene Rangliste der Budgets. 13 der 16 Teilnehmer an der ersten K.-o.-Runde tauchen zugleich unter den 20 einkommensstärksten Klubs auf. Von den zehn Umsatzriesen Europas ist allein Juventus Turin vorher ausgeschieden, möchte aber im eigenen Stadion jetzt eben die Europa League gewinnen. Läuft nun im Achtelfinale der Champions League für die Favoriten nicht viel schief, dann werden ab April die Schwergewichte wieder unter sich sein – und die größten Happen aus dem prall gefüllten Prämientopf und Marketingpool abgreifen. Um damit im nächsten Jahr noch dominanter zu sein. Ein Teufelskreis. Schon jetzt setzen die ersten 20 Vereine fast fünf Milliarden Euro um – ein Viertel des europäischen Fußballmarktes. Die Konzentration der Kräfte hat dennoch nicht zu einer Gesundung geführt – im Gegenteil.

Weil laut Rummenigge 63 Prozent aller europäischen Klubs rote Zahlen schrieben, müsse die Uefa endlich handeln. Der 58-Jährige spricht von einer persönlichen Nagelprobe für Platini. „Ich rufe ihn nicht jede Woche an, aber ich sehe ihn regelmäßig und erinnere ihn jedes Mal daran.“ Aber ob sich der Franzose ausgerechnet in Paris unbeliebt macht, scheint fraglich, wenn PSG-Präsident Khelaifi kalt lächelnd erklären lässt: „Unsere Anwälte arbeiten permanent daran, dass wir die Bestimmungen zum Financial Fairplay einhalten.“ Und einer dieser Anwälte ist zufälligerweise der Sohn des Uefa-Bosses. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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