Lade Inhalte...

Bundesliga Weg mit Ellbogenchecks

"Wir haben uns dennoch nicht gegenseitig das Gesicht zerdeppert und sind rumgelaufen wie Quasimodo", meint Jürgen Klopp in Bezug auf seine aktive Zeit und sträubt sich gegen harte Strafen nach Ellbogen-Checks. Doch gerade Dortmund müsste es besser wissen. Ein Kommentar.

18.02.2013 16:54
Jan Christian Müller
Dortmunds Julian Schieber fährt gegen Bastian Oczipka den Ellbogen aus und sieht Rot. Foto: imago sportfotodienst

Es ist noch nicht einmal einen Monat her, seit sich die fast vollständig versammelten Bundesliga-Trainer und die Spitzenfunktionäre der Schiedsrichter zum Meinungsaustausch in einem Düsseldorfer Designerhotel trafen. Hinterher hat der Dortmunder Coach Jürgen Klopp vor der Presse neben Schiri-Boss Herbert Fandel gesessen und man hat sich die gegenseitige Hochachtung ausgesprochen. Fandel sprach von „sehr fruchtbaren Gesprächen“, Klopp sagte, man liege hier und da „nur minimal auseinander“.

„Ellbogen als Stoßstange“

Umso verwunderlicher erscheint es nun, dass man in einem zentralen Thema der Regelauslegung offenbar maximal weit auseinanderliegt. Die Trainer hatten Fandel zwar mitgeteilt, dass ihre Spieler die Arme im Luftkampf nun einmal irgendwie dabei haben müssten, der Schiedsrichterchef hatte gleichwohl deutlich gemacht, dass die Unparteiischen es nicht dulden würden, wenn die „Ellbogen als Stoßstange“ (O-Ton Fandel) benutzt würden: „Dann muss der Spieler vom Platz“.

So wie der Dortmunder Julian Schieber, nachdem er den Frankfurter Bastian Oczipka mit dem Ellbogen getroffen hatte. Hinterher hat sich Klopp gegen die unnachgiebige Regelauslegung ausgesprochen. Sie „stört das Spiel“, sagte der BVB-Coach und wies darauf hin, dass Luftkämpfe zu seiner aktiven Zeit anders beurteilt wurden, „wir haben uns dennoch nicht gegenseitig das Gesicht zerdeppert und sind rumgelaufen wie Quasimodo“. Die Häufung von Gesichtsverletzungen im Profifußball gibt allerdings den Schiedsrichtern recht. Aufgrund der Dynamik des Spiels ist das Gefährdungspotenzial für schwerwiegende Verletzungen an Nase und Kiefer größer geworden. Es muss deshalb ein neues Bewusstsein geschärft werden, mehr Rücksicht auf die Gesundheit des Gegners zu nehmen. Platzverweise helfen dabei.

Dortmund müsste es besser wissen

Gerade Dortmunder Profis sind mehrfach betroffen gewesen: Neven Subotic mussten vergangene Saison nach einem Ellbogeneinsatz des Wolfsburger Sotirios Kyrgiakos drei Platten im Oberkiefer und Augenhöhle eingesetzt werden, er sah aus, als wäre er von einer Abrissbirne getroffen worden, Sven Bender erlitt bereits einen doppelten Kieferbruch, eine Prellung des Nasenbeins, eine Prellung des rechten Augapfels, Blutergüsse im Gesicht sowie einen schweren Nasenbeinbruch, Sebastian Kehl nach einem Ellbogeneinsatz des Stuttgarters Raphael Holzhauser einen Nasenbeinbruch und im Spieljahr zuvor eine schwere Augapfelprellung.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte nach Kehls Nasenbeinbruch übrigens gefordert, Ellbogenchecks würden ihm „einfach nicht klar genug geahndet“. Kommt halt immer drauf an, wer Opfer und wer Täter war.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen