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Bundeliga TV-Rechte Sportschau und Sky behalten Bundesliga

Der Sieger beim Poker um die TV-Rechte heißt Sky. Der Sender mästet die Vereine mit Hunderten Millionen. Das Nachsehen hat die Telekom. Die "Sportschau" bleibt und darf künftig mobile Clips zeigen.

17.04.2012 13:18
Frank Hellmann und Jan Christian Müller
Behält die Bundesliga: Die ARD-Sportschau. Foto: dpa/dpaweb

Der Sieger beim Poker um die TV-Rechte heißt Sky. Der Sender mästet die Vereine mit Hunderten Millionen. Das Nachsehen hat die Telekom. Die "Sportschau" bleibt und darf künftig mobile Clips zeigen.

Im Blitzlichtgewitter grinsten Christian Seifert und Reinhard Rauball beinahe ein schelmisch. Die Genugtuung über den neuen Medienvertrag der Deutschen Fußball-Liga (DFL) versteckten die Bosse im Frankfurter Flughafenhotel nicht, schließlich ist den Verhandlungsführern ein Volltreffer geglückt, mit dem selbst Seifert, der immer optimistische Vorsitzende der Geschäftsführung, nicht gerechnet hatte.

Die Vermarktung der Inlandsrechte für die neue vierjährige Rechteperiode ist in der Summe 2,5 Milliarden Euro schwer und bringt den 36 Profivereinen in erster und zweiter Liga jährlich stolze 628 Millionen Euro durchschnittlich – der Betrag steigert sich von 560 Millionen Euro in der Saison 2013/14 bis auf 673 Millionen Euro in 2016/17. Zum Vergleich: Die Einnahmen aus der nationalen Vermarktung liegen derzeit bei 412 Millionen Euro. „Das ist das Ergebnis von 20 Monaten harter Arbeit des Teams um Christian Seifert“, schwärmte Rauball.

Wahnwitziges Wettbieten

Der Fernsehkonsument muss seine Sehgewohnheiten vom August 2013 an kaum ändern. Die ARD bleibt mit der Zusammenfassung der Samstagsspiele ab 18.30 Uhr in der „Sportschau“ der bedeutendste Anbieter auf dem Free-TV-Sektor, im Pay-TV-Segment bleibt Sky derneut wichtigste Partner und größte Zahlmeister. Als neuer Player tritt der Axel-Springer-Verlag auf, der ein Rechtepaket erwarb, das es etwa Bild.de erlaubt, am Spieltag mehrminütige, bis Mitternacht kostenpflichtige Clips im Web-TV und Mobilfunk anzubieten – für den Wachstumsmarkt Internet ein bedeutendes Recht.

Dass sich die Erlöse der Bundesliga um mehr als 50 Prozent steigern, geht darauf zurück, dass sich mit Sky Deutschland und der Deutschen Telekom zwei Großunternehmen ein fast wahnwitziges Wettbieten um die Live-Rechte der 306 Bundesligaspiele lieferten. Letztlich ersteigerte Sky nicht nur das Broadcast-Paket für die Verbreitung per Kabel und Satellit, sondern auch die Rechte für Web-TV, Mobilfunk und IPTV – über diese Plattform hat die Telekom bis Ende kommender Saison für vergleichsweise läppische 25 Millionen Euro ihr Angebot „Liga total!“ geschaltet. Sky mit seinen drei Millionen Abonnenten, greift dafür ganz tief in die Tasche und zahlt nach eigenen Angaben künftig 485,7 statt bisher 265 Millionen Euro jährlich, finanziert also die gesamte Steigerung der Erlöse.

Die Bundesliga hängt damit noch mehr als bisher am Tropf von Rupert Murdochs Medienimperium. Befürchtungen, der Bezahlsender könne sich verhoben haben, zerstreute Seifert mit dem Hinweis, Sky sei „ein absolut verlässlicher Partner“. Die Aktie setzte am Morgen vor der offiziellen Bekanntgabe zu einem Höhenflug an und stieg um 25 Prozent, am Nachmittag lag das Plus noch bei zehn Prozent. Die Stimmung im Unternehmen sei prächtig, hieß es aus Unterföhring.

Die Telekom zeigte sich in einer ersten Reaktion von Marketingchef Christian Illek bei einer Telefonkonferenz enttäuscht, sein Unternehmen sei an „die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren“ gegangen. Illek äußerte die Hoffnung, „von Sky noch ein Angebot zu erhalten“ – der Weiterverkauf einzelner Pakete ist durchaus üblich. Doch das Aus von „Liga total!“ dürfte kaum abzuwenden sein, glauben Branchenkenner.

Ansonsten bleibt vieles wie gehabt: Bei der ARD laufen auch künftig sieben Live-Spiele (Eröffnungsspiele, Relegationsspiele und Supercup). Die Zusammenfassungen der Sonntagsspiele der ersten Liga können bereits um 21.15 Uhr beginnen und nicht erst nach dem Tatort. Fürs Topspiel am Samstagabend behält das ZDF den ersten Free-TV-Zugriff. Der Münchner Privatsender Sport 1 hat sich wie bisher neben der Nachverwertung der ersten Liga am Sonntag auch die Rechte für das Montagsspiel der zweiten Liga und deren Zusammenfassungen am Freitag und Sonntag erkauft.

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