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Bremer Sechstagerennen Die Branche dreht sich im Kreis

Mit Sechstagerennen lässt sich kaum noch Geld verdienen - selbst in Bremen werden die Zeiten schwieriger. Von Frank Hellmann und Jan Christian Müller

21.01.2010 00:01
Frank Hellmann und Jan Christian Müller

Ganz am Ende des sechstägigen Amüsierbetriebs war alles wie immer: Hallensprecher Christian Stoll sprach nicht, er schrie mit seiner längst heiseren Stimme; die letzte Jagd, noch ein Sprint - dann war das 46. Bremer Sechstagerennen entschieden. Die Schweizer Radprofis Bruno Risi und Franco Marvulli hatten sich gegen die rundengleichen Iljo Keisse/Robert Bartko (Belgien/Potsdam) durchgesetzt.

Die finale Inszenierung ist in Bremen Programm. Ohne sie wäre am Dienstag in der Halle auf der Bürgerweide, die neuerdings Bremen-Arena, heißt, wenig bis gar nichts los. Auch um die Hansestadt, deren Sechstagerennen mit mehr als 120 000 Besuchern als Aushängeschild gilt, macht die Krise der Branche keinen Bogen. Erstmals hatte Organisator Frank Minder, 63, im Vorfeld über eine Subvention der Stadt nachgedacht; erstmals stand "kein Riesengewinn mehr in Aussicht" (Minder). Zwei wichtige Sponsoren weg, die Stimmung mäßig: Auch die bierselige bremische Mischung aus Spitzensport und Party, bei der zeitweise Blödelbarden wie Klaus&Klaus oder DJ Ötzi das Kommando auf dem Oval übernehmen, steht auf dem Prüfstand.

"Die Leute halten den Euro zusammen - nur den Fußball betrifft das nicht", glaubt Minder. Er hatte vorab gedroht: "Wenn dieser Veranstaltungstyp nicht mehr angenommen wird, bin ich der Erste, der sich zurückzieht." Seine Bilanz fiel dann doch besser aus als erwartet: "Die Zuschauerzahlen lagen ungefähr bei denen des Vorjahres, damit laufen wir voll gegen den Trend in Deutschland. Aber ganz ehrlich", gestand der Bremer Boss, "damit hatte ich nicht gerechnet."

Nun versprach der Macher, dass auch 2011 definitiv noch in Bremen im Kreis gefahren werde. Das Aus in Bremen hätte wohl für die Sechstagerennen insgesamt ein Todesurteil bedeutet. Erst vergangene Woche war das Ende des traditionsreichen Münchner Sechstagerennens verkündet worden. Nur noch 52000 Zuschauer waren insgesamt in die Olympiahalle gekommen - 12 000 weniger als kalkuliert. "Wir haben keinen Ansatz gefunden, wie wir dieses Ereignis in die Erfolgsspur hätten bringen können", sagte Olympiapark-Chef Ralph Huber.

Zuvor hatte schon Dortmund aufs Spektakel verzichtet. Stuttgart ist abgesagt, auch London, Mailand, Cremona und Hasselt fehlten in der Winterbahn-Saison. Selbst in den Radsport-verrückten Niederlanden, bei den berühmten "6 Daagse van Amsterdam" , hat sich ein Fünftel der Sponsoren zurückgezogen. Minder beobachtet das Sterben der Meetings mit Sorge, sagt aber auch, "dass Dortmund und Stuttgart subventionierte Ereignisse waren - und so etwas hasse ich."

Risi stieg schon in Bremen ab

Vom 28. Januar an jagen die Spezialisten, zu denen kaum noch Stars von der Straße zählen, beim 99. Berliner Sechstagerennen durch die Nacht. Weil der Etat abgespeckt wurde, fährt der mehrfache Weltmeister Risi nicht mehr mit. Man hatte dem Publikumsliebling für die Strampelei im Velodrom an der Landsberger Allee so wenig Gage geboten, dass der 41-Jährige schon in Bremen seine Karriere beendete. Mit einem Sieg in letzter Sekunde - wie es sich für den Sechstagezirkus gehört.

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