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Borussia Mönchengladbach Sorgsam gewählte Worte

Borussia Mönchengladbach ist die Überraschung der Bundesliga-Hinrunde, das Saisonziel wird dennoch nicht nach oben korrigiert.

24.01.2014 07:30
Daniel Theweleit
Detailversessener Tüftler: Gladbachs Trainer Lucien Favre. Foto: imago

Borussia Mönchengladbach ist die Überraschung der Bundesliga-Hinrunde, das Saisonziel wird dennoch nicht nach oben korrigiert.

Die Sekunden verstreichen, während Lucien Favre mühsam nach einer passenden Antwort sucht. Der Trainer von Borussia Mönchengladbach ist ein großer Freund des Understatements, „Champions League?, Nein!“, dazu sei die Konkurrenz zu stark, predigt er mit maximaler Beharrlichkeit. Und nun ist er gefragt worden, was sein Team denn unterscheide von einem echten Spitzenklub. Favres Blick senkt sich, er denkt nach, und irgendwann verkündet er: „Zeit und ein wenig Geld.“ Wirklich überzeugend klingt der Schweizer nicht. Denn natürlich ist Borussia Mönchengladbach als drittbeste Mannschaft der Hinserie, die auch noch einen mitunter atemberaubenden Fußball spielt, längst eine Spitzenkraft der Fußball-Bundesliga.

Heute Abend kommt der übermächtige FC Bayern an den Niederrhein, und viele Experten meinen: Wenn einer das Team von Pep Guardiola besiegen kann, dann Favres Gladbacher, die in den vergangenen Jahren immer gute Spiele gegen den Rekordmeister hinbekommen haben. Und die derzeit so gut sind wie seit Jahrzehnten nicht, das kann auch Favre nicht leugnen. Daher gibt es durchaus Momente, in denen hinter der Fassade aus Skepsis eine große Zuversicht hervorschimmert. Der dritte Platz täusche, alle Siege seit September seien sehr knapp gewesen, sagt Favre zwar, „aber ich bin trotzdem sehr optimistisch, denn wir hatten immer viele gute Torchancen, manchmal sogar sieben oder acht pro Spiel.“

Niemand jammert oder klagt

Nun blickt der 56-Jährige auf eine Winterpause zurück, in der er sich mit einer fast kompletten Mannschaft praktisch ohne störende Nebengeräusche seiner geliebten Arbeit an den Details widmen konnte. Mit dem Trainingslager ist er „sehr zufrieden“, die Ankündigung, dass Torhüter Marc-André ter Stegen den Klub im Sommer verlassen werde, hat allenfalls einen kleinen Moment der Unruhe erzeugt, und von den Stammspielern fehlt gegen den FC Bayern nur Innenverteidiger Tony Jantschke, der sich in einem Testspiel einen Jochbeinbruch zugezogen hat. Da als Ersatz der von seinem Schlüsselbeinbruch genesene Alvaro Dominguez bereitsteht, kommt niemand auf die Idee zu jammern oder zu klagen.

Selbst Gerüchte, Manchester United sei an diversen Gladbacher Spielern interessiert und schicke daher Scouts zur Partie gegen den Tabellenführer, nehmen sie mit maximaler Gelassenheit. „Bei uns hat niemand aus Manchester Karten bestellt, vielleicht stehen die ja in der Nordkurve“, scherzte der Kommunikationschef. Die Gladbacher ruhen in sich wie lange nicht, und dennoch sagt Max Eberl: „Ich werde die vor der Saison ausgegebene Zielvorstellung mit einem einstelligen Platz nicht korrigieren.“ Wer den ehrgeizigen Sportdirektor allerdings ein bisschen kennt, der ahnt, dass es sich bei diesem Satz um eine strategische Äußerung handelt. Natürlich wollen die Gladbacher unbedingt in den Europapokal, und vermutlich wäre Trainer Favre sogar tief enttäuscht, wenn es am Ende nur die Europa League ist und nicht die Champions League, die er 2009 mit Hertha BSC Berlin knapp verpasste, bevor er vor eineinhalb Jahren mit der Borussia erst in den Playoffs zu diesem Wettbewerb scheiterte. Er ist ein echter Spitzentrainer geworden mit dem Makel, noch nie in der Champions League gecoacht zu haben.

Manchester wird begehrlich

Kein Wunder, dass er ausweichend reagiert, wenn er nach der von Eberl angestrebten Verlängerung seines 2015 endenden Vertrags gefragt wird. „Darüber denke ich im Moment wirklich nicht nach“, sagt er. Auch Favre soll angeblich das Interesse von Manchester United geweckt haben. Und wenn die schon nicht im Stadion Platz nehmen, werden sie vermutlich vor den Bildschirmen sitzen, um zu sehen, welche Strategie die Borussia gegen den FC Bayern wählen wird.

Im Hinspiel machte das Team die Räume durch eine weit aufgerückte Viererkette sehr eng, damit hatten die Münchner große Probleme. Auch jetzt fordert Favre, dass seine Mannschaft „etwas wagen“ müsse. Mit der Ausnahme des Spiels gegen Borussia Dortmund hatten die Gladbacher in allen Spielen mehr Ballbesitz als der Gegner. Wie diese Spielweise nun im Heimspiel gegen die Kombinationsmaschine aus München funktioniert, ist eine der spannenden Fragen zum Rückrundenauftakt. Wobei Eberl vor allzu großen Erwartungen warnt: „Eine Bestätigung ist schwieriger als eine Überraschung zu erreichen“, sagt er zwischen den Geschäftsreisen, die er im Moment im Terminkalender stehen hat. Man versucht, den wechselwilligen Luuk de Jong zu verkaufen, außerdem sucht man einen Ersatz für ter Stegen, angeblich gab es ein Treffen mit dem Freiburger Oliver Baumann. Auch um Kevin de Bruyne, der nun in Wolfsburg spielt, haben sich die Gladbacher bemüht. „Aber da hatten wir keine Chancen“, weil Wolfsburg einfach mehr Geld bieten könne, sagt Favre. Er nickt dabei, als sei er geradezu froh, zumindest dieses eine Argument für seine These gefunden zu haben, dass die Borussia kein Spitzenklub sei.

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