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Borussia Dortmund Zenit St. Petersburg Einer gegen alle

Der Brasilianer Hulk, mit bürgerlichem Namen Givanildo Vieira de Souza, ist die auffälligste Erscheinung bei Dortmund-Gegner Zenit St. Petersburg.

19.03.2014 09:04
Zenits Star: Hulk. Foto: imago

Auf so einen Spitznamen muss einer erst mal kommen. Aber weil Givanildo Vieira de Souza in jungen Jahren einen Comic-Helden in grüner Hautfarbe und mit gewaltiger Muskelmasse verehrte und er selbst ein bisschen stämmig war, hat ihn der Vater eben „Hulk“ genannt. Jener Kraftprotz aus den gleichnamigen Marvel-Comics, der durch entwichene Gammastrahlung befähigt wird, sich bei Wutanfällen in eine Art Monster zu verwandeln, das es mit allen und jedem aufnimmt.

Es gibt sicherlich nettere Synonyme für einen brasilianischen Fußballer, aber die Nummer 7 von Zenit St. Petersburg hat sich längst damit abgefunden. „Ich glaube, der Name geht vor allem auf meine Statur zurück. Ich war schon als Kind groß und stark.“ Neben den unverkennbaren Genen soll allerdings auch ausgeprägtes Krafttraining einen Körper geformt haben, der für brasilianische Offensivkünstler eher ungewöhnlich ist. Aber gut: Der 27 Jahre alte Hulk hat auch so Karriere gemacht. Und mit seinen 85 Kilo Gewicht bei 1,80 Metern Körpergröße stellt er die Ausnahmeerscheinung bei Zenit St. Petersburg dar, dem Dortmund-Gegner in der Königsklasse.

Im Stile Robbens

Das Kraftpaket war auch im Hinspiel die auffälligste Figur – mit Thermohose und Handschuhen. Von den sechs Schüssen aufs Tor von BVB-Torwart Roman Weidenfeller feuerte der hängende Rechtsaußen, der sich hinter dem venezolanischen Stoßstürmer José Salomon Rondon recht frei bewegen darf, allein vier ab. Und den Elfmeter zum zwischenzeitlichen 2:3 verwandelte Hulk in seiner typischen Manier, mit dem Dampfhammer. Es war sein insgesamt zwölfter Treffer auf dieser Bühne.

Den Muskelmann nur auf seine athletischen Fähigkeiten zu reduzieren, wird indes seinen fußballerischen Qualitäten nicht gerecht. So einer wäre nicht fester Bestandteil der Seleção (33 Einsätze) und ernsthafter WM-Kandidat, würde er nicht eine gute Technik besitzen. In seiner Spielweise am rechten Flügel verhält sich Hulk dabei gerne wie Arjen Robben: außen antäuschen, nach innen ziehen und mit links abschließen. Nur dass seinen Schüssen noch mehr Wucht innewohnt.

Villas-Boas ist neuer Trainer

50 Millionen Euro Ablöse (und ein angebliches Monatsgehalt von 500 000 Euro) offerierte das vom Champions-League- und Schalke-Sponsor Gazprom alimentierte St. Petersburg im Sommer 2012, um diesen Profi aus Porto zu locken. Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer erinnert sich gut an den Aufschrei, der damals durch Fußball-Europa ging, als er auf den letzten Drücker das 100-Millionen-Paket für den Belgier Alex Witsel und eben Hulk geschnürt hatte. „Wir haben uns für diese beiden entschieden, weil die Leistung und Perspektive stimmt. Sie sind sehr gute Fußballer, wollen sich täglich noch verbessern und geben uns sehr viel.“ Tatsächlich hat sich Hulk nach einigen Anlaufschwierigkeiten, die auch im Neid einiger russischer Stars begründet waren, auf seinen Arbeitgeber eingelassen. Frau und Kinder wohnen mittlerweile mit ihm in St. Petersburg.

Und doch ahnt Hulk vielleicht, dass er trotz eines bis 2017 laufenden Vertrags bald wieder fortgehen muss, um in der Champions League wirklich weit zu kommen. Schon im vergangenen Sommer kamen Gerüchte auf, Real oder Chelsea könnten Interesse äußern. Dass St. Petersburg, das seinen italienischen Chefcoach Luciano Spalletti kurz nach dem Hinspiel schasste und dafür Sergej Semak als Interimstrainer die Verantwortung übertrug, heute den 2:4-Rückstand dreht, daran glaubt kaum jemand. Ihren neuen Trainer werden die Russen denn auch erst einen Tag nach der Partie vorstellen. Der Portugiese André Villas-Boas, 36, soll am Donnerstag in St. Petersburg einen Zweijahres-Vertrag unterschreiben. Villas-Boas war Mitte Dezember von Tottenham Hotspur entlassen worden. Aber einer aus dem Zenit-Ensemble kann dem BVB schon Schwierigkeiten machen: der unerschrockene Brasilianer mit dem ungewöhnlichen Spitznamen.

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