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Biathlon-WM Der Biathlon-Hype stößt an seine Grenzen

Die Liebe der Deutschen zum Biathlon kühlt ab. Bei der WM in Ruhpolding ist die Chiemgau-Arena zwar täglich ausverkauft, im kleinen Ortskern feiern die Menschen abends zünftig, die Hotels sind ausgebucht. Doch der Rest stagniert. Weil die deutschen Erfolge ausbleiben.

10.03.2012 17:58
Stephan Klemm
Beim Biathlon ist es so: Alle rennen und schießen und am Ende gewinnt Magdalena Neuner. Zumindest meistens. Foto: dapd

Zuletzt ging es nur noch um Aufschwung, Steigerung und noch mehr Rendite. Biathlon ist zurzeit der größte Publikumserfolg des Wintersports, vor allem in Deutschland. Passenderweise darf die bayerische Gemeinde Ruhpolding gerade jetzt die Weltmeisterschaft ausrichten. Klar ist: Es soll sich lediglich um eine vorläufige Blütezeit handeln, denn mehr geht immer, das ist das Credo der Internationalen Biathlon Union (IBU). Alles ist perfekt zubereitet: ARD und ZDF übertragen komplett live zur besten Sendezeit, und es gibt Magdalena Neuner, den deutschen Start schlechthin.

Die Titelkämpfe funktionieren, allerdings nur äußerlich: Die Chiemgau-Arena ist täglich ausverkauft, im kleinen Ortskern feiern die Menschen abends zünftig, die Hotels sind ausgebucht. Doch der Rest stagniert. Weil die deutschen Erfolge ausbleiben.

Nur halb so viele TV-Zuschauer wie erwartet

IBU-Sprecher Peer Lange ging vor der WM fest davon aus, dass „wir acht Millionen TV-Zuschauer an den Wochentagen haben werden und zwölf Millionen an den Wochenenden“. Tatsächlich haben bisher im Schnitt um die vier Millionen während der Wettkämpfe vor dem Bildschirm gesessen, Samstage und Sonntage mit jeweils zwei Entscheidungen und sieben Millionen Zuschauern in der Spitze eingerechnet.

Das ist immer noch sehr gut, für die auf weiteres Wachstum eingestellte IBU aber eine Enttäuschung. Mit der Mixed-Staffel hievte sie einen elften Wettbewerb ins Programm, die Titelkämpfe ziehen sich nun, drei Ruhetage inbegriffen, über anderthalb Wochen. Ein kontinuierliches WM-Gefühl kann bei den Fans so kaum entstehen.

Die Einschaltquote in Deutschland steht und fällt mit den Erfolgen der einheimischen Athleten. Doch da bietet sich das gewohnte Bild: Die Medaillen – bisher Gold und Silber in den Einzelstarts – gewinnt Neuner. Das ist ein formidabler Stimmungsförderer im Stadion. Doch für die von der IBU erhofften Traumquoten war das irrelevant und für die künftige Entwicklung ist es das auch: Neuner tritt zurück, und adäquater Ersatz ist nicht in Sicht.

Die "alten" Biathlon-Stars sind weg

Bundestrainer Uwe Müssiggang hatte nach den Olympischen Winterspielen 2010 bereits die Siegläuferinnen Kati Wilhelm, Simone Hauswald und Martina Beck verloren. Nun schraubt er die Erwartungen runter: „Die gewohnten Siegleistungen wird es erst mal nicht mehr geben.“ Es fehlen Talente. Der Neuaufbau wird Zeit in Anspruch nehmen.

Vielleicht kann der Deutsche Ski-Verband (DSV) helfen. Seine Initiative, Langläufer zu den Schnee-Zweikämpfern zu locken, fand eine prominente Interessentin: Evi Sachenbacher-Stehle (31). Die zweimalige Olympiasiegerin im Langlauf erwägt, sich in der kommenden Saison auch mal als Biathletin zu versuchen. Sachenbacher-Stehle hat bereits einige Trainingseinheiten mit den Biathletinnen absolviert. „Ich werde jetzt das Schießen üben. Aber im Vordergrund steht das Lauftraining. Ich möchte mir alle Türen offen lassen.“

Biathlon-Männer ohne Einzelmedaillen

Die Gegenwart sieht trister aus. In Ruhpolding blieben die Männer in allen bisherigen Einzelrennen medaillenfrei. „Das ist enttäuschend“, sagt Müssiggang. Immerhin gab es noch Bronze in der Mixed- und am Freitag auch noch in der Männerstaffel. Das müsse man erst mal schaffen bei einer Heim-WM, findet der Cheftrainer. „Da ist der Druck doch immer ganz enorm.“ Aber so richtig zufrieden ist Uwe Müssiggang wohl dennoch nicht. Zwei Wettkampftage bleiben, um die Stimmung aufzuhellen.

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