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Bayern München Uli Hoeneß brüllt wieder

"Wir spielen seit drei Wochen schönen Dreck": Der Bayern-Präsident ist besorgt genug, um sich nach dem Alibi-Kick der Münchner beim 0:2 gegen Arsenal in Rage zu reden.

15.03.2013 17:44
Maik Rosner
Es kriselt ein wenig: Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Foto: imago sportfotodienst

"Wir spielen seit drei Wochen schönen Dreck": Der Bayern-Präsident ist besorgt genug, um sich nach dem Alibi-Kick der Münchner beim 0:2 gegen Arsenal in Rage zu reden.

Wie schwierig es sein kann, mit einer neuen Situation umzugehen, ließ sich nach dem Ende vieler Serien am deutlichsten wieder einmal beim personifizierten Seismographen des FC Bayern beobachten. Wie Präsident Uli Hoeneß mit Bittermiene in die Kabine stapfte, bald darauf wieder heraustrat, beim Blick auf die heranstürmenden Kamerateams innehielt und sich nach kurzem Zögern entgegen seiner Gewohnheiten nach einer Niederlage doch für eine Generalkritik im Scheinwerferlicht entschied. Die Ausschläge auf der nach oben offenen Hoeneß-Skala nahmen dabei bedenkliche Ausmaße an. Als Eindruck blieb, dass die Münchner die Sorge umtreibt, dass sie sich gerade an einem Wendepunkt in ihrer Rekord-Saison der Sehnsüchte befinden.

Schöner Dreck

„Ich glaube, dass das der letzte Warnschuss war für die Mannschaft nach dem schwachen Spiel in Hoffenheim und dem glücklichen Sieg gegen Düsseldorf, dass wir jetzt mit einer Niederlage weitergekommen sind mit Ach und Krach. Die Mannschaft muss wieder mit Spannung an die Sachen rangehen“, schimpfte Hoeneß und setzte in einem Kurzdialog einen drauf: „The trend is your friend – und wir spielen seit drei Wochen schönen Dreck.“ – „Wer sagt das?“ – „Ich!“ Noch Fragen?

Es sind bemerkenswerte Einblicke möglich gewesen in die Seelenwelt der Münchner nach diesem 0:2 (0:1) im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Arsenal, das galt nicht allein für den Präsidenten. Das Viertelfinale hatte der FC Bayern zwar wegen des 3:1 im Hinspiel und der mehr erzielten Auswärtstore erreicht. Doch unter dem Eindruck der Ereignisse wirkte es, als seien gut verheilt geglaubte Wunden wieder aufgerissen, die die Münchner in der titellosen Vorsaison samt des dramatisch verlorenen Finals der Champions League erlitten hatten – und als mangele es noch immer an jener inneren Stabilität, die ihnen schon damals abgegangen war.

Thomas Müller empfand das offenbar so. „Es ist ganz gut, dass wir mal wieder einen Dämpfer haben in unserer Heiter-Sonnenschein-Welt“, versuchte er sich zunächst an einer halbwegs positiven Deutung und sagte tatsächlich heiter, nicht eitel, auch wenn man das als passender hätte empfinden können. Heiter-Sonnenschein-Welt setzte er mit einer Geste in Anführungszeichen. Vielleicht, führte der Mittelfeldspieler danach aus, sei so ein Negativerlebnis gar nicht schlecht. „Dann kann man sich mal wieder Gedanken machen, jeder über sich selbst und wir als Mannschaft.“ Zum Beispiel über die vier Gegentore, die sie in den vergangenen beiden Spielen kassiert haben, „das haben wir zuvor vielleicht in sechs Wochen“.

Es wäre indes wohl übertrieben, die bis vor kurzem überzeugenden Bayern nun von Grund auf zu kritisieren. Dass es sich bemerkbar macht, wenn in Franck Ribéry und Bastian Schweinsteiger die überragenden Mittelfeldspieler fehlen, kann man der Elf kaum vorwerfen. Und auch nur bedingt, dass nach einem 3:1-Vorsprung ein ungünstiger Spielverlauf die Souveränität ankratzt, so sehen sie das jedenfalls in München. Doch es scheint sich eine Laxheit eingeschlichen zu haben, die die Favoritenrolle auf den Titel in Europa in Frage stellt. In Hoffenheim hatten die Bayern zuletzt erstmals diese Saison in einem Ligaspiel mit nur einem Tor Unterschied gewonnen. Gegen Düsseldorf gerieten sie erstmals seit dem 14. Dezember in Rückstand, und das gleich zwei Mal. Nun waren sie gegen Arsenal erstmals ohne eigenen Treffer geblieben und verloren erstmals seit 23 Pflichtspielen. Schrittweise abwärts, diesen Trend meinte Hoeneß. Trainer Jupp Heynckes vermisste „Lebendigkeit“, was einer ebenso beunruhigenden Bestandsaufnahme gleichkam.

Das Selbstverständnis bleibt

Die Gewissheit hat sie wohl erfasst, dass auch der breite Kader Ausfälle in der Leistungsspitze nicht gut verkraftet. Als umso schmerzlicher dürften sie die Gelbsperre von Schweinsteigers Adjutanten Javier Martínez im Viertelfinal-Hinspiel empfinden. Und wenn es morgen nicht mit 20 Punkten Vorsprung auf Dortmund in der Liga nach Leverkusen ginge, sondern schon gegen Wolfsburg im erst Mitte April anstehenden Halbfinale des DFB-Pokals, wäre ihnen vielleicht mulmig.

Immerhin, das Selbstverständnis scheint nicht gelitten zu haben. Hoeneß brachte das zum Ausdruck, als er sich zum Wunschgegner fürs Viertelfinale äußerte, das heute ausgelost wird: „Mir ist das völlig wurscht. Wenn wir gut spielen, können wir jeden schlagen. Wenn wir so wie heute spielen, gewinnen wir gegen keinen.“

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