Lade Inhalte...

Bayern München Guardiola vor schweren Aufgaben

Der FC Bayern München kann nach dem 4:0 gegen Schalke und den Patzern der Konkurrenz die Titelfeier planen. Trainer Heynckes macht es seinem Nachfolger Guardiola nicht gerade leicht, denn viel besser als derzeit kann eine Mannschaft kaum funktionieren.

11.02.2013 16:46
Maik Rosner
Schweres Erbe: Guardiola übernimmt im Sommer wohl eine perfekt funktionierende Mannschaft. Foto: AFP

Der FC Bayern München kann nach dem 4:0 gegen Schalke und den Patzern der Konkurrenz die Titelfeier planen. Trainer Heynckes macht es seinem Nachfolger Guardiola nicht gerade leicht, denn viel besser als derzeit kann eine Mannschaft kaum funktionieren.

Jupp Heynckes hat später sehr vergnügt gewirkt, es bereitete ihm erkennbar Freude, die Vorzüge seiner Mannschaft herauszustellen. Man habe „mit Autorität gespielt“, sagte der Trainer des FC Bayern nach dem 4:0 (2:0) gegen den FC Schalke 04 genüsslich, aber selbstverständlich gebe es immer Details, „die man noch perfektionieren kann. Daran müssen wir arbeiten.“ Was seine Mannschaft wieder einmal an bester Unterhaltung vorgeführt habe, das sei „nicht nur ein moderner Fußball, sondern einer, der selten beim FC Bayern demonstriert worden ist“. Doch erst einmal sollte man etwas gewinnen, Titel zeichneten große Mannschaften schließlich aus, befand Heynckes, „dann kann man da noch genauer drauf eingehen“.

Dass sein Spätwerk hinreichend gewürdigt wird, ist dem 67 Jahre alten Fußballlehrer wichtig. Heynckes lässt schon jetzt kaum eine Gelegenheit aus, die Außergewöhnlichkeit des Konstrukts Trainer, Mannschaft und Stab zu loben. Sein Konstrukt, soll das dann heißen, das auch in der Champions League und im Pokal zum engsten Kreis der Titelkandidaten gezählt werden darf. Und eben jenes, welches Josep Guardiola im Sommer übernehmen wird. Heynckes erleichtert es seinem prominenten Nachfolger nicht gerade, künftig zu glänzen. Denn viel besser als derzeit wird die Mannschaft wohl kaum funktionieren können in der Zukunft, und wenn es so weitergeht, könnte der aktuelle Trainer auf seiner wohl letzten Karrierestation vielleicht noch Rekorde für die Ewigkeit aufstellen. Einen Meistertitel vor dem 30. Spieltag zum Beispiel. Seine Zurückhaltung hat Heynckes schon abgelegt. „So wie die Mannschaft im Moment spielt, werden wir auch höchstwahrscheinlich das Ziel erreichen“, sagte er, was bei nun 15 Punkten und 27 Toren Vorsprung auf den Zweiten Borussia Dortmund als mehrheitsfähig betrachtet wird. „Es sieht gut aus“, berichtete auch Vorstand Karl-Heinz Rummenigge, „trotzdem hat es in der Kabine Wasser und keinen Champagner gegeben.“

Münchner Meisterstück

Die Ouvertüre für das Münchner Meisterstück am 21. von 34 Spieltagen hatten der amtierende Titelträger und der Tabellendritte Bayer Leverkusen geliefert. Durch Dortmunds 1:4 gegen den Hamburger SV und Leverkusens 3:3 bei Borussia Mönchengladbach war es angerichtet für einen stimmungsvollen Münchner Abend. David Alaba mit seinem ersten Doppelpack in der Bundesliga (19./Foulelfmeter und 51.) sowie Bastian Schweinsteiger (32.) und Mario Gomez (64.) taten einem Großteil der 71000 Zuschauer den Gefallen, die Steilvorlagen aus dem Westen der Republik zu verwerten.

Die Schalker dagegen waren schon vorab als chancenlos betrachtet worden, und die Elf des kritisch beäugten Trainers Jens Keller trat auch so auf. Zwei Torschüsse von Michel Bastos sowie Marcel Högers geglückter Beinschuss gegen Schweinsteiger waren die einzigen nennenswerten Offensivszenen der kriselnden Königsblauen, die insgesamt neun Ausfälle zu beklagen hatten. Meist erging es S04 wie Bastos, dessen Freistoß aus 23 Metern fast an der Eckfahne vom Himmel fiel. „In der zweiten Halbzeit hat man gesehen, dass die Jungs den Mut verloren haben“, befand Keller. Kapitän Benedikt Höwedes stellte fest, dass sich die Mannschaft „ein bisschen ergeben“ habe. Ähnlich niederschmetternd sieht die Tabellensituation aus. Auf Platz neun sind die Schalker abgerutscht, nach nur einem Sieg in den jüngsten zehn Spielen. Das Minimalziel Platz vier, der zumindest die erneute Qualifikation für die Champions League bedeutet, liegt bereits acht Punkte entfernt.

Ganz anders die Gemütslage der Bayern, bei denen Heynckes schon mit der Aufstellung etwas fürs Binnenklima getan hatte. Alle prominenten Bankdrücker der vergangenen Wochen bot er auf und entschied sich damit früher in die Rotation einzusteigen, als das allgemein angenommen worden war. Arjen Robben vertrat Thomas Müller auf dem rechten Flügel, vorne durfte Gomez statt Mario Mandzukic stürmen, und in der Innenverteidigung kam Jérôme Boateng für Daniel van Buyten zu seinem ersten Einsatz überhaupt im Jahr 2013. Später freute sich Robben über seinen Auftritt im Ballett, und Gomez bedankte sich ausführlich bei Heynckes für dessen Vertrauen. Dass der Nationalstürmer die undementierten Spekulationen um eine Verpflichtung des Dortmunder Angreifers Robert Lewandowski argwöhnisch verfolgt, war seinem Auftritt abzulesen.

Am Ende gab es noch eine andere wichtige Frage zu klären, nämlich jene nach Manuel Neuers Aufwärmübungen mit Ergänzungsspieler Müller im Verlauf der zweiten Halbzeit. „Es kann ja immer passieren, dass Schalke einen Konter fährt“, sagte der Torwart mit heiligem Ernst, „und dann muss ich auch da sein.“ Er hat in dieser Spielzeit erst sieben Gegentore hinnehmen müssen, im Schnitt nur eines in jeder dritten Partie. Auch diese statistische Besonderheit könnte dazu beitragen, dass sich Heynckes ein Denkmal setzt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen