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Bastian Himmer Böses Foul gegen Rugbyspieler

Der Rugby-Nationalspieler Bastian Himmer wollte "Sportsoldat" werden. Der Präsident des Deutsche Rugby-Verbandes stellte ihm die Option in Aussicht, doch nun ist alles anders. Himmer und weitere wenden sich vom DRV ab.

08.10.2010 17:43
Bastian Himmer wollte Sportsoldat werden. Nun lässt er sich zum Industriekaufmann ausbilden. Foto: prd

Für Bastian Himmer war es die große Chance. Der 18-jährige Rugby-Nationalspieler wollte sein Hobby zum Beruf machen. Die Möglichkeit sah Himmer im Januar gekommen. Damals verkündete der Deutsche Rugby-Verband (DRV), dass die inbesondere in Randsportkreisen hoch geschätzte Option „Sportsoldat“ künftig auch für Rugger möglich sein wird. Fünf feste Plätze soll DRV-Präsident Claus-Peter Bach im Kreis der Nationalspieler noch für 2010 versprochen haben. Himmer zögerte nicht lange. Statt noch zwei weitere Jahre die Schulbank zu drücken, um fürs Abitur auf einem Wirtschaftsgymnasium zu büffeln, brach der Hannoveraner die Schule ab.

Gebracht hat das Himmer, der sich als Zeitsoldat vier Jahre verpflichten wollte und die Ausbildung mit dem Rugbysport verbinden wollte, gar nichts: Sein Traum ist geplatzt. Statt 2010, wie Bach im Januar auch gegenüber der FR verbreitete, wird frühestens 2012 die Option Sportsoldat für Rugbyspieler stehen. „Es ist alles total blöd gelaufen“, sagte Himmer. Verantwortlich dafür macht er den DRV. Und zieht die Konsequenzen. Himmer will nicht mehr für Deutschland spielen. „Vom DRV hab ich mich verabschiedet“, sagt Himmer.

Keine Entschuldigung

Ein Einzelfall in der Rubgy-Posse ist er nicht. Mit Fabian Heimpel, Raphael Pyrasch und Mustafa Güngör haben sich mindestens drei weitere Nationalspieler auf die Worte des DRV-Präsidenten verlassen. Die Folgen waren geringer als im Fall Himmer: Raphael Pyrasch etwa zog von Hannover in die Rugbyhochburg Heidelberg. Heimpel stellte den eigentlich erwogenen Wechsel ins Ausland hinten an. Der Frust infolge der Absage ist dennoch gewaltig. Neben dem tief enttäuschten Bastian Himmer erwartet auch Fabian Heimpel eine Entschuldigung des DRV-Präsidenten. Bach hält davon wenig. „Ich habe mich für nichts zu entschuldigen. Der DRV auch nicht“, betont er. Auf der anderen Seite räumt Bach Fehler ein. „Ja, wir waren in einigen Punkten wohl zu euphorisch.“

Konkret betrifft das den Förderungsbeginn. So greift die finanzielle Förderung für die vor einem Jahr beschlossene Aufnahme von Rugby ins Olympische Programm für 2016 erst nach Olympia 2012. DOSB-Vertreter sprechen von einem üblichen Zeitrahmen. Zudem blendete Bach die sportliche Situation aus. Durch den Abstieg aus der EM-Division 1 im März fielen die Männer aus den sportlichen Mindestanforderungen des DOSB heraus. Während die erfolgreichere Frauen-Nationalmannschaft ab Oktober ihre fünf Plätze für Sportsoldatinnen bekommen hat, gingen die Männer leer aus. „Das ist unglücklich gelaufen“, sagt Bach. Er betont aber, dass DOSB, Bundeswehr und DRV mit Ausnahme von Bastian Himmer „für alle anderen Spieler eine Lösung gefunden “ haben.

Ganz stimmt das nicht. Für Mustafa Güngör wurde zwar ab dem 15. Oktober ein Übergangsplatz in der Sportförderkompanie gefunden. Andere haben ihren Traum, den Amateursport Rugby in Deutschland professionell zu betreiben, beerdigt. Der Heidelberger Fabian Heimpel schickte zwei Tage nach der Absage in Sachen Sportsoldaten seine Verweigerung ab. Gleichwohl er eine Stelle als Zivildienstleistender gefunden hat, die ihm tägliches Training erlaubt, ist der Frust groß.

Auch Himmer ist weich gefallen - im September hat er eine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen. Die Gräben zum DRV bleiben tief. Beide Rugger zeigen auf Bach. Nachdem das Online-Portal totalrugby.de über die Situation berichtet hatte, reagierte Bach, der hauptberuflich als Sportjournalist arbeitet, mit einem Artikel auf der Verbands-Homepage. Himmer hat das verärgert: Er fühlt sich als „Vollidioten“ dargestellt, weil er „vorschnell“ die Schulausbildung abgebrochen habe. „Wenn, dann waren wir Spieler zu dumm, weil wir uns auf den DRV und die Aussagen von Herrn Bach verlassen haben“, sagt Himmer. Beendet ist der Konflikt nicht. Einige Spieler erwägen einen Lehrgang der Nationalmannschaft samt folgender Länderspiele zu boykottieren, sollte Bach nicht reagieren.

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