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Basketball Politisches Parkett

Die Basketball-Spielergewerkschaft will beim Top Four auf ihre Anliegen hinweisen, die BBL reagiert nervös.

27.02.2009 00:02

Wenn am Wochenende in Hamburg das von der Basketball-Bundesliga (BBL) ausgerichtete Top-Four-Turnier im BBL-Pokal ausgespielt wird, will die deutsche Basketballszene das Licht der Öffentlichkeit genießen. Kamerateams von ARD und ZDF haben sich angekündigt, insgesamt 130 Medienvertreter wollen über den Wettbewerb berichten. Doch es drohen Störfeuer: Die Spielerinitiative (Sp.in) will die Bühne nutzen. Die Profi-Gewerkschaft kritisiert die geplante Streichung der Weihnachtspause, fehlende Aufklärung über neu eingeführte interne Dopingtests und zu geringe Einsatzzeiten für deutsche Nachwuchsspieler.

Die BBL nimmt die Beschwerden ernst. Ähnliche Kritik in den vergangenen Jahren zog auf dem Parkett sichtbare Folgen nach sich. Vor vier Jahren ließ die Spielervertretung schon mal bei der Showveranstaltung All-Star-Day die Muskeln spielen. Droht nun eine Wiederholung in einem ernsthaften sportlichen Wettbewerb? Walter Palmer, Sp.in-Generalsekretär und Pascal Roller, Sp.in-Vorstandsmitglied und Kapitän des Endrunden-Teilnehmers Skyliners Frankfurt, wollen sich dazu nicht äußern. Hinter den Kulissen deutet aber manches darauf hin, dass sie eine Aktion bis hin zum Streik erwägen.

Die BBL geht davon sogar aus. Liga-Sprecher Dirk Kaiser beruft sich auf die Spieler, die in einem an die Presse gerichteten Schreiben die Beschwerden vortragen. Neben Roller gehören dazu Johannes Herber (Alba Berlin) und Arthur Kolodziejski (Bonn)- allesamt Akteure von teilnehmenden Mannschaften. Wie groß die Nervosität ist, zeigt das Verhalten der BBL: Kaiser hat angekündigt, gegen Aktionen der Gewerkschaft werde vorgegangen. Spielern mit einschlägiger Botschaft auf dem Trikot drohen Geldstrafen. Das Austeilen von Flyern soll unter Berufung auf das Hausrecht verhindert werden.

Bliebe der Profi-Vereinigung eigentlich nur noch das Parkett zur Agitation. Gegen eine Wiederholung des demonstrativen Nichtangriffspakts von 2005 hat die BBL keine Handhabe. "Ich kann da nur an die Spieler appellieren: Niemand der Zuschauer wird verstehen, wenn eine Handvoll Gewerkschaftler das Top Four entwertet", sagt Kaiser.

Walter Palmer sieht das anders. Er betont, 90 Prozent der Spieler aller vier teilnehmenden Mannschaften stünden hinter Sp.in. Zumindest Roller kann sich aber nicht vorstellen, sich vor dem Halbfinale der Skyliners gegen Alba Berlin (Samstag, 19 Uhr) "durch irgendeine Aktion abzulenken ".

Die BBL wird abwarten. Gleiches gilt auch in punkto Zuschauerresonanz. Der zum dritten Mal in Hamburg ausgetragenen Veranstaltung drohen Geisterkulissen in der Color-Line-Arena: Bislang wurden nur 8300 Tickets für beide Turniertage verkauft. Angesichts von 26 000 Plätzen, die die Halle im Volkspark an beiden Turniertagen insgesamt bietet, verspricht das eine stimmungsarme Kulisse. Und das wäre im Kampf um mehr mediale Aufmerksamkeit ein schlechtes Signal.

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