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Basketball B wie Brooklyn

Der Zuzug der Nets bringt den New Yorker Stadtteil Brooklyn zurück auf die Landkarte des US-Profisports. Entscheidenden Anteil daran trägt Michail Prochorow: Der russische Oligarch ist als Mehrheitseigner der Nets so etwas wie der Roman Abramowitsch der NBA.

30.10.2012 21:20
Ulrike von Bülow
Neues Logo, neue Halle - die NBA hat mit den Brooklyn Nets ein neues, altes Team. Foto: AFP

Am Montag fiel das Training aus. Natürlich. In New York City blieb wegen Hurrikan „Sandy“ praktisch alles geschlossen – auch die Heimstatt der Brooklyn Nets, in der es noch riecht wie in einem Neuwagen. Die im September eröffnete Arena an der Atlantic Avenue sieht aus wie eine gigantische Schildkröte: panzerförmig das Dach, unter dem ein Vorbau herauslugt – der Eingangsbereich. Vor kurzem gaben die Nets, das Team aus der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA, eine kleine Housewarming Party: Sie wollten sich bei den Nachbarn vorstellen. Sind die doch potenziell neue Fans.

Früher mochten sie hier die New York Knicks. Doch das ist vergessen, seit die Nets vor einem Monat nach Brooklyn zogen. Vergangene Saison waren sie noch die New Jersey Nets. Sie waren in East Rutherford zuhause und spielten zuletzt in Newark. In den US-Ligen ist es üblich, dass Teams verpflanzt werden.

Das Baseball-Team Brooklyn Dodgers war der Stolz des New Yorker Stadtteils, ehe es 1957 verkauft wurde und zu den Los Angeles Dodgers mutierte. Brooklyn war seither in keiner der großen Ligen mehr vertreten. Nun haben sie hier die Nets. Und von 2015 an werden auch die New York Islanders aus der Eishockey-Liga NHL ihre Heimspiele im Bauch der Riesen-Schildkröte austragen. Die Nets empfangen dort am Donnerstag zum Auftakt der NBA-Saison die Knicks zum Derby. Vorausgesetzt, der U-Bahn-Verkehr funktioniert wieder.

Riesenthema in der Riesenstadt

Als die Nets kürzlich erstmals vor ihren Fans aufliefen, war das ein Riesenthema in der Riesenstadt.

Die Anhänger hatten sich mit schwarzen Trikots und Schirmmützen eingedeckt. Letztere ziert das weiße Logo der neuen Nets, ein Basketball mit einem B darin. Es wurde von Jay-Z gestaltet. Der Hip-Hop-König besitzt einen kleinen Teil der Geschäftsanteile der Nets. Er trieb deren Umzug voran. Jay-Z wurde in Brooklyn geboren. Er wuchs in Bedford Stuyvesant auf, einem der Problemviertel des riesigen Bezirks, und dealte früher mit Drogen. Seine Geschichte gehört in die Reihe: „Vom Tellerwäscher zum Millionär.“ Dafür lieben sie ihn hier.

Längst hat sich Brooklyn verändert. Es gibt inzwischen sehr teure Ecken und einen vielversprechenden Markt für ein Basketball-Team. Anders als zuletzt in New Jersey, obwohl die Nets – zwei Mal Meister in den Siebzigerjahren – 2002 und 2003 die Finalserie um den NBA-Titel erreichten, die sie verloren.

Schließlich kaufte der New Yorker Investor Bruce Ratner das Team, sprach bei Jay-Z vor und sagte: „Lass uns die Nets nach Brooklyn bringen. Und ihnen eine Halle bauen!“ Als das 2004 verkündet wurde, zogen sich die Fans in New Jersey zurück. Die Nets spielten fortan im Niemandsland: Auf der einen Seite des Hudson mochte man sie nicht mehr, auf der anderen mochte man sie noch nicht. So fielen sie nur noch durch unschöne Rekorde auf. Wie 2009, als die Saison begann und die Nets 18 Mal in Serie verloren. So häufig wie kein Team zuvor.

Forward Kris Humphries heiratete zu allem Überfluss Reality-Show-Sternchen Kim Kardashian. Die Tochter aus reichem Hause lässt sich im Leben von Kameras begleiten. Sie vermarktete erst die Hochzeit und dann konsequenterweise auch die Scheidung, die sie nach nur 72 Tagen einreichte. Humphries wurde danach bei Auswärtsspielen gern ausgelacht. Aber in Brooklyn haben sie ihn jetzt lieb. Wie alle Nets. Und natürlich auch deren Cheerleader.

Prochorow tönt

Die „Brooklynettes“ trugen bei der Team-Präsentation jüngst schwarze Glanz-Leggins und Oberteile aus wenig Stoff. Sie klatschten, als aus den Lautsprechern dröhnte: „Please welcome your Broooklyn Neeeeeeeets!“ Das Gejohle war groß, als die Spieler einliefen. Die Fans hielten aufgeregt ihre iPhones in die Luft, um die Ankunft der neuen Helden zu filmen. Jay-Z fehlte. Er überließ das große Rampenlicht dem Team und Michail Prochorow. Der russische Oligarch ist als Mehrheitseigner der Nets so etwas wie der Roman Abramowitsch der NBA. 2009 erwarb er seine Anteile von Ratner, dem damals die Finanzkrise zusetzte. Prochorow will hoch hinaus: „In dieser Saison landen wir in den Play-offs. Und in den nächsten drei Jahren werden wir Meister.“

Doch eine neue Halle macht noch lange keinen Champion. Die Nets haben einen Ausnahmekönner: Point Guard Deron Williams. Aber der kann es nicht alleine richten. Sie verloren alle Vorbereitungsspiele, weil die Defensive löchrig war wie eine Netzstrumpfhose. Es wartet viel Arbeit, wenn „Sandy“ abgezogen ist.

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