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Augsburg - Mainz Parkers trauriger Tag

Mainz 05 hadert nach dem 1:1 in Augsburg mit dem Schiedsrichter, der ein Tor aberkennt und eine Rote Karte zeigt.

11.02.2013 21:41
Jan Christian Müller
Schockzustand: Tobias Stieler (l.) zeigt Shawn Parker (r.) Rot. Foto: getty

Am Ende wusste Trainer Thomas Tuchel nicht so recht, ob er sich über das 1:1 (1:0) beim FC Augsburg mehr freuen oder mehr ärgern sollte. Denn der FSV Mainz 05 hatte sich eine Halbzeit lang recht souverän auf schwierig zu bespielendem Terrain präsentiert, war nicht unverdient 1:0 in Führung gegangen – und hatte dann in der zweiten Hälfte in Unterzahl eine wenig überzeugende Abwehrschlacht zu überstehen. Denn Schiedsrichter Tobias Stieler hatte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte eine überharte Entscheidung getroffen, als er dem Mainzer Stürmer Shawn Parker die Rote Karte zeigte, nachdem dieser mit hohem Bein einen Ball stoppen wollte, dabei aber den Kopf des Augsburgers Michael Parkhurst touchiert hatte.

Eine "Konzessionsentscheidung"

Die Mainzer waren sich hinterher aus guten Gründen einig, dass der junge Angreifer zum zweiten Mal in dieser Saison (nach ungerechtfertigtem Gelb-Rot im ersten Rückrundenspiel gegen Freiburg) grundlos vom Platz geschickt worden war. „Tut mir leid, aber das war für mich eine totale Konzessionsentscheidung“, beschwerte sich der Mainzer Manager Christian Heidel.

Zuvor hatte es nämlich eine ebenso unglückliche wie unschöne Szene gegeben, als der Mainzer Außenverteidiger Junior Diaz so hart gegen den bis dahin starken Augsburger Ronny Philp an der Außenlinie eingestiegen war, dass Philp danach mit Verdacht auf Innenbandanriss im Knie vom Feld getragen werden musste. Diaz sah Gelb für seine Aktion, die Stimmung kochte sodann hoch, denn genau in jenem Moment, als die Sanitäter Philp wegschleppten, flankte ausgerechnet Diaz auf Adam Szalai, der aus 13 Metern das Mainzer 1:0 erzielte.

Aufgrund der Atmosphäre in der mit kaum mehr als 25000 Zuschauern nicht annähernd ausverkauften Arena und wegen der Verwarnung ließ Tuchel Linksverteidiger Diaz zur Pause lieber in der Kabine und brachte Radoslav Zabavnik. „Ich wollte die Partie lieber nicht mit nur acht Feldspielern beenden“, begründete der Coach seine Maßnahme. Diaz, so Tuchel, hätte es als „Persona non grata“ schwer gehabt, die zweite Hälfte zu überstehen, zudem sei der Costa Ricaner nach der durch ihn verursachten schweren Verletzung von Philp auch psychologisch angeschlagen gewesen.

Es dauerte dann dennoch nach dem Wechsel nicht lange, ehe die wütend angreifenden Gastgeber durch einen Kopfball des Mittelstürmers Sascha Mölders den Ausgleich erzielten. Da mussten die etwa 500 zumeist kostümierten Mainzer Fans fürchten, dass der Augsburger Dauerdruck zu weiteren Toren führen könnte. „Wir hätten das mit zehn Mann besser lösen müssen“, kritisierte Heidel, „wir haben die Dinger ja nur noch weggeschlagen.“ Tuchel versuchte es zunächst mit einer 4-3-2-Taktik, stellte dann um auf 4-4-1, ehe er Mittelfeldspieler Jan Kirchhoff in den letzten 20 Minuten zurück beorderte und aus der Viererkette eine Fünferkette mit drei Innenverteidigern in einem 5-3-1-System baute. So was hat die Bundesliga selten gesehen.

Hoffnung auf geringe Sperre

Mainz spielte fast nur noch destruktiv auf einem Geläuf, das nach Ansicht von Heidel den Anforderungen an Bundesliganiveau nicht genügt: „Ich verstehe nicht, warum die das hier in Augsburg nicht hinbekommen. Das kann man besser machen.“ Am Ende profitierten die Gäste sogar von dem unebenen Boden, bei 14:1 Torschüssen in der zweiten Hälfte gelangte bis auf Mölders’ wunderbaren Kopfball kaum einmal ein Ball auf das Tor von Christian Wetklo in dessen 100. Bundesligaspiel. Augsburgs Trainer Markus Weinzierl haderte denn auch mit „fehlender Raffinesse im Strafraum“.

Der 19-jährige Shawn Parker verließ danach das Stadion am Abend wortlos. Er hätte der Star des Nachmittages sein können, doch sein Tor Mitte der ersten Halbzeit nach Zuspiel von Julian Baumgartlinger wurde wegen angeblichen Abseits aberkannt. Die TV-Aufnahmen bewiesen das Gegenteil, stattdessen war für Parker bald darauf unfreiwillig Schluss. Nächste Woche gegen Schalke 04 wird er fehlen. Mainz geht aber aufgrund der Beweisbilder von einer Ein-Spiele-Sperre aus.

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