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1860 München Münchner Tragödienstadel

Beim abstiegsbedrohten Zweitligisten 1860 München sorgt der Investor Ismaik für neues Chaos, indem er Trainer Runjaic entlässt und Geschäftsführer Eichin degradiert.

22.11.2016 16:58
Jan Christian Müller
Nicht mehr Trainer: Kosta Runjaic. Foto: dpa

Gleich am Anfang fiel eine tote Taube vom Himmel in die spärlich gefüllte Arena. Ein Zeichen von oben. Schon bevor der TSV 1860 München im Duell der Großen von einst gegen den 1. FC Kaiserslautern am Montagabend nur 1:1 gespielt hatte, hatte der in der Münchner Arena anwesende Investor Hasan Ismaik den Daumen gesenkt. Trainer Kosta Runjaic, im Vorjahr beim Gegner Kaiserslautern in einem schwierigen Umfeld zurückgetreten, seit Sommer sportlich verantwortlich in einem noch viel schwierigeren Umfeld, muss nach 13 Spielen mit zwölf Punkten auf Rang 14 gehen. Ironie des Schicksals, dass ihm dieses Los ausgerechnet nach einem Spiel gegen seinen Ex-Klub traf, den er zweieinhalb Jahre stets in der Spitzengruppe der zweiten Liga gehalten, aber den Aufstieg jeweils verpasst hatte.

Der bisherige 1860-Geschäftsführer und Sportchef Thomas Eichin sagte am Dienstag recht kurz angebunden, er habe die Beurlaubung von Runjaic lediglich „mitgeteilt“ bekommen, am Dienstag war er dann nur noch Sportchef und nicht mehr Geschäftsführer. Eichin dürfte alles andere als begeistert von dieser Entscheidung sein.

Mit der Demission von Runjaic hat es der Chaosklub geschafft, dass im fünften Jahr in Folge der Trainer, der die Mannschaft zu Saisonbeginn coachte, bereits vor dem 1. Advent nicht mehr da ist. Die Mannschaft wurde schon am Dienstagmorgen von Klublegende Daniel Bierofka trainiert. Der einstige Offensivmann hatte 1860 vergangene Saison als Nachfolger des geschassten Benno Möhlmann vorm Abstieg bewahrt, besitzt jedoch nicht die erforderliche Lizenz für die zweite Liga. Der 37-Jährige bleibt damit also lediglich eine Interimslösung bis zur Winterpause. Pikante Aufgabe für Bierofka: Sonntag gastieren die zu Schmusekatzen mutierten Löwen bei Tabellenführer Eintracht Braunschweig.

Selbstkritischer Aigner

Runjaic ging erhobenen Hauptes. Torwart Jan Zimmermann berichtete: „Der Trainer hat sich verabschiedet. Das war für ihn selbstverständlich. Er hat uns auf die nächsten Spiele eingeschworen.“ Der vormalige Eintracht-Profi Stefan Aigner sagte in seiner Funktion als Kapitän: „Wir Spieler haben auch unseren Beitrag geleistet und sollten uns auch selber hinterfragen, ob wir immer alles reingehauen haben um die Spiele zu gewinnen. Es hat das schwächste Glied getroffen, und das ist der Trainer.“

Vom schwächsten Glied war erwartet worden, dass es an der Seite von Eichin eine schlagkräftige Mannschaft zumindest in die Nähe der Zweitligaspitze führt. Dafür hatten die Münchner stolze 6,6 Millionen Euro an Ablöse und ähnlich viel an zusätzlichen Gehältern investiert und gestandene Männer wie Stefan Aigner, Sascha Mölders, Karim Matmour, Jan Zimmermann, Ivica Olic sowie den 19-jährigen Stürmer Ribamar (für allein 2,5 Millionen Euro) verpflichtet. Der Brasilianer hat wegen diverser Verletzungen noch kein einziges Spiel absolvieren können.

Voller Elan und Eifer war der in Rüsselsheim aufgewachsene Runjaic nach München gekommen, wo er sich nun gerade in den eigenen vier Wänden heimisch gefühlt hatte. „Natürlich trete ich nicht an, um in den nächsten Jahren in der zweiten Liga gegen den Abstieg zu spielen“, hatte der 45-Jährige bekundet und hinzugefügt: „So schnell bekommt man mich hier nicht weg.“ Ein Irrtum, das weiß er jetzt, nachdem er noch am Abend nach dem Spiel von seiner schon vorher feststehenden Beurlaubung erfahren hatte. Gestern lehnte er öffentliche Statements auf FR-Anfrage ab.

Am Montag vor dem Spiel gegen Kaiserslautern hatten sich Präsident Peter Cassalette und der jordanische Geldgeber Hasan Ismaik bereits getroffen. Beide machten tags darauf in einer Pressekonferenz deutlich, dass die Entlassung des Trainers schon vor der Begegnung am Abend feststand. Der unberechenbare Ismaik hatte erst kürzlich eine breite Öffentlichkeit in seine Allmachtsphantasien eingeweiht: ein Stadion mit 52 000 Plätzen an der Messe in München-Riem, über hundert bis 200 Millionen Euro, die er dem Klub zur Verfügung stellen würde, wenn nur endlich die 50-plus-eins-Regel fiele, einen Top-Manager des FC Liverpool als neuen Geschäftsführer der Löwen, und einen eigenen Löwen-Zoo, in dem die Tiere jeweils den Namen eines aktuellen Profis bekommen.

Mit Power zum Erfolg

Ismaik wurde in der bizarren Pressekonferenz von einem Dolmetscher übersetzt, er teilte mit, es sei von vorne herein klar gewesen, dass Eichin lediglich für eine Übergangszeit Geschäftsführer gewesen sei, ein neuer Mann für die Geschäfte sei bereits gefunden. Sein für das Münchner Tragödienstadl bezeichnender Name: Anthony Power. Der angebliche Finanzfachmann und Maschinenbau-Ingenieur war bei der PK in München ebenfalls vor Ort und teilte mit, dass er schon in den USA, Großbritannien und Asien gearbeitet hätte und darüber hinaus „ein großer Fan von 1860 München“ sei. Damit ist klar: Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

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