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Stellungnahme aus der Redaktion Unsere Leidenschaft, Ihre Zeitung

"Wir wehren uns gegen Sparmodelle, die dieser Redaktion die Leidenschaft nehmen und unseren Lesern die Erfahrung einer – oft in mehr als einer Beziehung – aufregenden Zeitung", schreiben Redakteurinnen und Redakteure in einer Stellungnahme zur geplanten Umstrukturierung der Frankfurter Rundschau.

01.04.2011 19:34
Diskussion mit der Frankfurter Rundschau. Foto: FR/Arnold

Wir wollen, dass die Frankfurter Rundschau bleibt, was sie immer war: eine unabhängige, linksliberale, sozialliberale Tageszeitung. Nicht starr und unflexibel; ihre Bereitschaft zur Veränderung hat diese Redaktion in den vergangenen Jahren oft beweisen dürfen. Aber mit festen Grundsätzen und einem nicht durch äußere Zwänge begrenzten Engagement wollen wir für Sie, unsere Leserinnen und Leser, arbeiten. Wir verkennen nicht die wirtschaftlichen Probleme und die Umbrüche in der Zeitungslandschaft, die unseren Auftrag erschweren. Ihn zu erfüllen, muss dennoch möglich sein.

Das Bundesverfassungsgericht hat die Mission vor 45 Jahren festgeschrieben. Sie klingt etwas hochtrabend und bleibt gleichwohl gültig: „In der repräsentativen Demokratie steht die Presse zugleich als ständiges Verbindungs- und Kontrollorgan zwischen dem Volk und seinen gewählten Vertretern in Parlament und Regierung.“ Wir haben demnach die Aufgabe zu informieren, und zwar nicht nur über Klatsch und Tratsch, vielleicht: gerade nicht, weil es dafür andere Medien gibt. Wir haben die Aufgabe zu bewerten, einzuordnen, Zusammenhänge und Hintergründe von Ereignissen und Entscheidungen darzustellen; uns nicht zufriedenzugeben mit Informationsbrocken, die von den Tischen der Mächtigen fallen. Wir wollen und sollen deutlich sein – und deshalb unabhängig.

Das war und ist die Frankfurter Rundschau. In diesem Sinne hat sie für sich Grundsätze formuliert, die nicht nur jeweils im Anhang zu unseren Arbeitsverträgen stehen, sondern den Inhalt und das Wesen unserer Arbeit bestimmen: Gewaltfreiheit, sozial-liberales Engagement, Eintreten für die Rechte von Minderheiten, Unabhängigkeit. Wir Redakteure und Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau treten für diese Grundsätze ein und gedenken, den uns – als Teil der deutschen Presse – aufgegebenen Verfassungsauftrag im Sinne einer geistigen Konkurrenz zu erfüllen, wie das erwähnte Urteil es definiert.

Unsere Arbeit, die wir Ihnen täglich vorlegen, zeigt die Ernsthaftigkeit, mit der wir diesen Auftrag zu erfüllen versuchen. Wir haben ausführlicher und differenzierter als manche andere Publikation bewertet, wie sich nach den jüngsten Landtagswahlen die politische Landschaft in Deutschland verändert. Wir haben die raschen Umwälzungen in den arabischen Staaten gründlich und kritisch dargestellt. Wir haben umfassend über das Ausmaß der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan berichtet und die Auswirkungen der darauf folgenden Nuklearkatastrophe in einem Umfang und mit einer analytischen Tiefe dargelegt, die so ziemlich einzig dastand.

Den Missbrauchsvorwürfen an der Odenwaldschule und dem Mobbing gegen hessische Steuerfahnder, von deren Fleiß die Obrigkeit wenig wissen wollte, sind wir hartnäckig und ohne Nachsicht nachgegangen. Mit unseren Leserinnen und Lesern haben wir nicht nur die Freude über Eintracht-Siege geteilt, sondern auch Ärger bis Verzweiflung über Dopingfälle und andere Manipulationen im Spitzensport. Redakteurinnen und Redakteure der politischen, wirtschaftlichen, Kultur-, Lokal- und Sport-Ressorts, des publizistischen Kerns einer jeden ernstzunehmenden Zeitung, haben gezeigt, was einer unabhängigen Zeitung möglich ist.

Wir wollen genau diese Arbeit fortführen. Wir verstehen sehr gut, dass gespart werden muss, wenn infolge der Wirtschaftskrise oder aufgrund struktureller Veränderungen Anzeigen ausbleiben. Aber wir wehren uns gegen Sparmodelle, die dieser Redaktion die Leidenschaft nehmen und unseren Lesern die Erfahrung einer – oft in mehr als einer Beziehung – aufregenden Zeitung.

Die Frankfurter Rundschau entsteht in täglicher Diskussion und Auseinandersetzung, nicht einzelne Inhalte und Artikel, so hochwertig, bedeutend und durchdacht sie auch sein mögen, machen ihren eigenen Wert aus. Wir wollen Zusammenarbeit; wir wollen zugleich aber den Geist der Frankfurter Rundschau bewahren, wie er von den Gründern und unter der Ägide von Karl Gerold und seinen Nachfolgern formuliert wurde und sich weiterentwickelt hat. Wir geben die Hoffnung nicht auf.

Redakteurinnen und Redakteure der Frankfurter Rundschau

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