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Schlappekicker-Preis Spaß im Übermaß

Elke Tschirschnitz vom Verein "Förderung in Psychomotorik Kindersport Wiesbaden" erhält für ihr Projekt den Schlappekicker-Preis 2008 der FR.

Schlappekickerpreisträgerin, Elke Tschirschnitz, Bild 7 von 8
Elke Tschirschnitz bekennt als Schlappekicker-Preisträgerin Farbe. Foto: schick

Das Problem ist klar: Der Bewegungsdrang von Kindern nimmt heutzutage immer mehr ab, gleichzeitig sind die verlockenden Angebote der Lebensmittelindustrie so reichhaltig, dass kaum ein Kind von Süßigkeiten und Fast Food lassen kann. Was folgt, ist eine Art Teufelskreis: Bewegungsarmut und falsche Ernährung führen zu Übergewicht; das Übergewicht wiederum führt dazu, dass solche Kinder in der Schule keine Freude am Sportunterricht entwickeln, während sie von Sportvereinen oftmals gar nicht erst aufgenommen werden. Wo aber soll die Begeisterung für Bewegung herkommen, wenn Kinder die Chance dazu gar nicht erst erhalten?

Motivation ist entscheidend

Das war auch die Frage, die sich Elke Tschirschnitz vom Verein "Förderung in Psychomotorik Kindersport Wiesbaden" (FIPS) stellte, nachdem sie Mitte Januar 2005 im Rahmen des Patientenforums einen Vortrag im Wiesbadener Rathaus besucht hatte. Darin ging es um ein Programm, das Ärzte für extrem übergewichtige Kinder entwickelt hatten. Viele Eltern im Publikum wollten damals wissen, ob es denn auch ein Projekt für ihre weit weniger übergewichtigen Kinder gebe? Das war nicht der Fall. Nach Gesprächen mit Helga Frey, der Schulärztin des Wiesbadener Gesundheitsamts, entwickelte Elke Tschirschnitz anschließend in Eigeninitiative das speziell auf Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren zugeschnittene Programm "Spaß im Übermaß", das Kinder und Eltern dabei unterstützt, ein neues Ess- und Bewegungsverhalten zu erlernen.

Beide Bausteine, Bewegung und Ernährung, sind dabei gleichermaßen wichtig und sollen Schritt für Schritt in den Schul- und Familienalltag integriert werden. Entscheidend ist auch, dass die Kinder durch ihre Eltern, Geschwister oder Freunde entsprechend motiviert werden.Der innovative Charakter dieses Angebots ist jetzt auch von der Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau anerkannt worden. Zwar fiel es der Jury äußerst schwer, aus den fünf Vereinen, die sich für den Schlappekicker-Preis des Jahres 2008 beworben hatten, einen Gewinner zu ermitteln - am Ende entschied sich die Jury allerdings für Elke Tschirschnitz. Der mit 5000 Euro dotierte Preis, der seit 1998 Vereine oder Einzelpersonen für vorbildliches soziales Engagement im Sport belohnt, wird heute Abend im Frankfurter Römer verliehen.

Vor zwei Jahren schien es noch so, als sollte das Projekt, das FIPS seit April 2006 anbietet, zum Scheitern verurteilt sein. Die fehlende Kostendeckung und vor allem auch das mangelnde Problembewusstsein der Eltern betroffener Kinder machten Tschrischnitz ihre Arbeit nicht immer ganz einfach. Übergewicht bei Kindern, sagt die 34-Jährige, sei eben noch immer ein äußerst sensibles Thema. "Wenn ein Kind motorisch beeinträchtigt ist, ist das für Eltern oft einfacher. Übergewicht ist aber immer auch mit einer Umstellung innerhalb der Familie verbunden. Das ist viel schwieriger zu vermitteln." Auch heute noch muss FIPS damit leben, dass nicht alle Eltern auf das Angebot eingehen. Zwar wird der Kurs "Spaß im Übermaß" von Kinderärzten und Ärzten des schulärztlichen Dienstes am Gesundheitsamt empfohlen, doch der Unterschied zwischen der Zahl der angemeldeten Kinder und der Zahl derjenigen, die tatsächlich am Kurs teilnehmen, ist laut Tschirschnitz "leider zu groß".

Doch im Gegensatz zu anderen Anbietern von Abnehm- und Fitnessprogrammen für übergewichtige Kinder ließ sich die Heilpädagogin und Kinderkrankenschwester, die seit 1999 als Übungsleiterin für FIPS arbeitet, von diesen Problemen nicht unterkriegen. Im Gegenteil: Seit August 2007 arbeitet der Verein zusätzlich mit der Albert-Schweitzer-Schule zusammen, einer Förderschule für Kinder, die eine Regelschule nicht besuchen können. Dort bietet FIPS ein spezielles Programm für übergewichtige Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren an, die aus sozial schwachen Familien stammen und aus eigener Initiative dieses Angebot kaum nutzen könnten. Die Kursgebühr wird dabei teilweise vom Förderverein der Schule übernommen.

Wichtig ist Tschirschnitz bei ihrem Programm vor allem ein Aspekt: "Die Kinder kommen oft mit vielen Ängsten in die Kurse. Bei uns sollen sie aber einfach nur miteinander Spaß haben. Dann sind sie auch motiviert weiterzumachen." Denn eins ist ja klar: Die Verbesserung des motorischen Leistungsvermögens bringt natürlich auch andere positive Aspekte mit sich. So wird das Selbstbewusstsein genauso gefestigt wie die Sach- und Sozialkompetenz.

Preisgeld für neues Material

Um die Kurse, die aus 15 wöchentlichen Einheiten bestehen, weiter kostengünstig für 150 Euro anbieten zu können, will Tschirschnitz das Preisgeld des Schlappekicker-Preises vor allem für neues Material verwenden, das einen Großteil der Kosten verursacht. "Wir haben zum Beispiel sehr gute Erfahrung mit Inlinern gemacht", so Tschirschnitz, "viele Kinder haben aber keine. Da müssen wir nachhelfen."

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