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In eigener Sache Erklärung von Prof. Alfred Neven DuMont

Die Gesellschafter der Frankfurter Rundschau haben nach langem Abwägen und gemeinsam mit der Geschäftsführung und den Chefredaktionen beschlossen, die überregionale Berichterstattung von FR und Berliner Zeitung fortan schwerpunktmäßig in Berlin gemeinsam zu organisieren. Eine Erklärung von Vorstand Prof. Alfred Neven DuMont.

01.04.2011 11:06
Alfred Neven DuMont
Alfred Neven DuMont. Foto: dpa

Im Frühsommer 2006 trat die ddvg, eine Tochtergesellschaft der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, an uns heran mit dem Angebot, 50 Prozent und eine Stimme des Druck- und Verlagshauses Frankfurt am Main zu übernehmen. Der ddvg ist es hoch anzurechnen, die bereits damals wirtschaftlich angeschlagene Frankfurter Rundschau aufgefangen zu haben.

Uns war klar, dass wir mit der Übernahme, die wir dann tätigten, finanziell keinen leichten Weg beschreiten würden. So war es doch die Bedeutung des Titels, der im Konzert der deutschen Tageszeitungen ein ganz eigenes und - wie wir meinen - unentbehrliches Profil auf dem Markt einnimmt, die uns dies wert war. Ich habe noch als junger Mann den aufrechten, eigenwilligen früheren Herausgeber Karl Gerold, der schon früh mit einer Lizenz der amerikanischen Streitkräfte ausgezeichnet wurde, schätzen gelernt. Hinzuzufügen ist, dass bald nach der Übernahme sowohl die ddvg, die immer noch 40 Prozent der Frankfurter Rundschau hält, als auch wir mehr Sorgen zu gewärtigen hatten, als prognostiziert war.

Mit der Einführung des handlichen sogenannten Tabloid-Formats im Jahre 2007 wurde zwar die Zeitung für junge Leser attraktiver, und die Resonanz gab uns mit dieser Entscheidung Recht. Eine Pioniertat in der Bundesrepublik Deutschland, der andere Zeitungen folgten. Vor allem die Wirtschaftskrise, die allen Tageszeitungen hart zusetzte, schlug sich bei der Frankfurter Rundschau allerdings besonders kräftig nieder, und wir haben in dieser Zeit eine zweistellige Millionensumme im Anzeigengeschäft allein auf diesem Gebiet verloren. Wie andere große Zeitungshäuser sahen und sehen wir uns durch die neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, vor die die deutschen Tageszeitungen gestellt sind, nicht mehr in der Lage, kostspielige andere Objekte mitzutragen, die nachhaltig verlustträchtig sind. Also wie weiter?

In langwierigen Besprechungen in den verschiedenen Gremien des Verlages unter den Gesellschaftern, in der Chefredaktion, im Verlag wurde um einen Ausweg in dieser Situation gerungen. Gemeinsam mit der inzwischen ebenfalls zu unserer Gruppe gehörenden Berliner Zeitung haben wir als ersten Schritt im vergangenen Jahr die Kräfte für die überregionale Berichterstattung der Bereiche Politik und Wirtschaft in der sogenannten DuMont-Redaktionsgemeinschaft in Berlin und Frankfurt gebündelt und so für beide Zeitungen ein breiteres Angebot von weiteren qualifizierten Autoren zu Verfügung gestellt.

Der eine oder andere Leser wird es zur Kenntnis genommen haben, dass wir damit in Zeiten der weltweiten Krise des gedruckten Wortes die Qualität der Zeitung, also der Frankfurter Rundschau, steigerten. Mit einer Reform der Regionalausgaben der Frankfurter Rundschau sind wir zudem näher an den Leser gerückt, und zugleich nimmt sie in Europa mit ihrem hochdekorierten iPad-Angebot unter den Zeitungs- und Zeitschriftentiteln eine Spitzenstellung ein.

Die Verluste für alle Teilhaber im Jahr 2010 waren dennoch eklatant. Allein im vergangenen Jahr 2010 muss die Gesellschaft den Verlust einer zweistelligen Millionensumme hinnehmen.

Die Gesellschafter der Frankfurter Rundschau haben nach langem Abwägen und gemeinsam mit der Geschäftsführung und den Chefredaktionen beschlossen, die überregionale Berichterstattung von Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung fortan schwerpunktmäßig in Berlin auf der Grundlage der dort bereits entwickelten Zusammenarbeit gemeinsam zu organisieren. Die Führung der zukünftigen Redaktionsorganisation übernimmt eine gemeinsame Chefredaktion aus beiden Zeitungen. Also nach wie vor werden beiden Zeitungen Redakteure, die über Jahre und mehr für eine oder sogar beide Zeitungen tätig waren, eng verbunden bleiben. Das, was die Frankfurter Rundschau in Ton und Meinung auszeichnet, bleibt auch unter diesen Bedingungen erhalten.

Für die Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau, die Tag für Tag eine hervorragende und geradezu leidenschaftliche Arbeit leisten, ist der Umbau der Organisation mit durchaus schmerzlichen Einschnitten verbunden. Arbeitsplätze gehen verloren. Dies sei nicht verschwiegen. Anders ist die Existenz der Zeitung nicht zu sichern. Die regionale und lokale Berichterstattung der Frankfurter Rundschau, die sich nicht nur auf das Regionale und das Lokale erstreckt, sondern sich ebenfalls im Feuilleton und in der Wirtschaft niederschlägt, wird von den Kollegen nach wie vor in Frankfurt gestaltet. In Frankfurt werden die digitale Berichterstattung, die Angebote für Internet und iPad von Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau konzentriert. Und damit ein zentrales Zukunftsfeld des Journalismus.

Was uns aber wichtig ist: Für diese Zukunft wollen wir die Zeitung auf eine solidere wirtschaftliche Basis stellen und dabei nicht nur die Zeitung am Leben erhalten, sondern die Qualität wie gewohnt aufrecht erhalten. Das meinen wir ernst. Obwohl bereits heute einige andere Zeitungen den Konkurrenten Frankfurter Rundschau, ohne die neue Fassung gesehen zu haben, ins zweite Glied versetzt wissen möchten. Die Realität wird sie eines Besseren belehren.

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