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Werkstattbericht Warum ein gelegentlicher Hate Slam guttut

Einblicke in den Redaktionsalltag: Online-Redakteure müssen sich einiges anhören.

Hate Slam | Frankfurt | 21. November 2017
Stefan Krieger von FR.de beim Hate Slam in der „Käs“ am 21. November 2017. Foto: Peter Jülich

Wir Onliner sind die, bei denen immer alles schnell gehen muss. Und die, von denen der Rest der Redaktion aus unerfindlichen Gründen glaubt, dass sie sich sowohl mit hochkomplexen Diktiergeräten, mit Beamern, Kopierern und Smartphones als auch mit Kaffeemaschinen auskennen müssen. Selbst wenn die nur entkalkt gehören. Weil sie, die Onliner, ja was „mit Computern“ machen. Ist so, weil das schon immer so war. Zumindest seit es dieses Internet gibt.

In dieses Internet stellen wir also Texte ein. Da unterscheidet sich unser Aufgabengebiet nicht von dem eines Redakteurs, der seine Artikel für die Zeitung schreibt, nur der Verbreitungskanal hat eben was mit Computern zu tun, und nicht mit Holz. Was allerdings schon etwas anders ist, liebe Leserinnen und Leser, ist unsere Arbeitszeit. Die beginnt nämlich an Werktagen um fünf Uhr am Morgen und endet um Mitternacht. Ausnahmen sind der Samstag und der Sonntag. Da dürfen wir etwas länger schlafen, da legen wir erst um acht los. Hurra.

Zuschriften der Leser sichten

Die Trennung von Online und Print ist allerdings in den letzten Jahren immer mehr aufgehoben worden. Das merken Sie daran, dass Texte der Print-Kollegen natürlich auch im Internet veröffentlicht werden (wofür wiederum wir sorgen) und gleichzeitig auch Mitarbeiter der Online-Redaktion Artikel für die Zeitung schreiben. Als Beweis hätten diese Zeilen hier herangezogen werden können, wenn Sie sie in der Zeitung gelesen hätten.

Zu unseren exklusiven Aufgaben gehört es allerdings, die Kommentare der Leser unter den Artikeln vor der Freigabe zu sichten. Denn nicht alles, was in der ersten Wut über einen Text von einem Leser als Bemerkung geschrieben wird, wollen wir auf unserer Seite im Internet sehen. Wenn es zu emotional zugeht, wenn beleidigend oder zu sehr am Thema vorbei kommentiert wird, dann sind wir gezwungen einzuschreiten. Gleichwohl sammeln wir so manche dieser Zuschrift, um sie einem anderen Publikum vorzutragen.

Beim sogenannten „Hate Slam“ stellen die Frankfurter Rundschau, die FNP und die FAZ dem geneigten Publikum die irrsten und wirrsten, die lustigsten und befremdlichsten Kommentare ihrer Leser vor. Zumindest die, die man dem Publikum zumuten kann. Und das sind bei weitem nicht alle. Dann werden aus denen, die normalerweise schreiben, solche, die auf der Bühne sitzen und vortragen. Was natürlich so rein gar nichts mit unserem erlernten Beruf zu tun hat, aber immerhin eine nette Abwechslung ist. Das tun wir fünf bis sechs Mal im Jahr auf kleiner Bühne, und es reinigt die Seele. Außerdem sorgt es manchmal für Entsetzen, oft aber auch für den ein oder anderen Lacher im Publikum. Wenn alles gutgeht und wir uns nicht blamieren. Was auch wieder lustig sein könnte, wenn auch nicht unbedingt für uns.

Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, auch mal Lust haben sich eine solche Veranstaltung anzuschauen, das erzählt zu bekommen, was wir täglich zu lesen kriegen, dann kommen Sie doch am kommenden Sonntag, den 30. September in die „Käs“ in Frankfurt am Main. Ab 18 Uhr können Sie vor Ort erleben, was wir so treiben – wenn wir das tun, was wir normalerweise nicht tun. 

Der Alltag beginnt dann am Montag wieder, wenn die „sehr geehrten Damen und Herren Arschloch“ (Zitat aus einer Zuschrift an die Redaktion) wieder ihren Dienst antreten. Pünktlich um fünf. Dann tun wir wieder das, wofür wir eigentlich da sind. Und nebenbei lesen wir auch Ihre Zuschriften.

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