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Schlappekicker Wenn jeder alles machen kann

Beim integrativen Spiel- und Sportfest der Stadt Frankfurt toben sich Kinder und Jugendliche aus – egal, ob mit oder ohne Handicap.

07.11.2017 09:52
Integratives Sport- und Spielfest
Abheben in der Halle: Die sechsjährige Katinka in der Flugschaukel. Foto: Michael Schick

Der Regenbogenfallschirm wölbt sich zur Hallendecke. Wohl sieben, acht Meter hoch. Mehr als 30 Kinder und Eltern ziehen und schieben am großen runden Tuch und staunen, was sie gemeinsam erreichen: Wie unter einem Heißluftballon staut sich die Luft und alle können sich schließlich darunter verkriechen. Der Fallschirm ist die große Attraktion in der Mitte der Halle. Drumherum regiert das Tohuwabohu. 

Einmal im Jahr, am ersten Sonntagnachmittag im November, wird die Leichtathletikhalle des Sport- und Freizeitzentrums in Frankfurt-Kalbach von Spiel- und Sportstationen geflutet. Dann ist beim „Integrativen Spiel- und Sportfest der Stadt“ kollektives Rollen, Rutschen, Springen, Hüpfen, Fahren, Balancieren oder Kraxeln angesagt. Ob an der Kletterwand, in der Hüpfburg, auf der Bewegungsbaustelle oder abwärts in der Rollenrutsche, ob beim Tischtennis, in der Krabbelecke oder in der Flug-Schaukel. Bunt und bunt gemischt.

Das große Fest wirkt unübersichtlich, auf den ersten Blick ohne Konzept. Doch sofort ist zu sehen, welch ein Riesenspaß das für Kinder und Jugendliche mit und ohne Handicap ist. Kleinere Kinder tummeln sich etwa auf der Krabbelbahn oder im Klangzelt. Auf der Empore sind nicht nur die Verpflegungsstände mit Kaffee, Kuchen und Würstchen aufgebaut, sondern auch eine Schminkecke und ein Schwarzlichtraum, in dem Neugierige leuchtende Gegenstände ausprobieren.

Das Integrative Spiel- und Sportfest funktioniert seit einem Vierteljahrhundert in weitgehend gleicher Form. Es ist eine Erfolgsidee und zu einer Institution im Frankfurter Sportkalender geworden. Seit der ersten Auflage 1992 toben sich hier Kinder vier Stunden lang nach Herzenslust gemeinsam aus. Die spielerische Atmosphäre – ohne Wettbewerbs-Charakter – macht das ungezwungene Miteinander möglich, und die imposante Sportstätte ist beim diesem Event mal wirklich proppenvoll. Allein ein über die Jahre entwickeltes Netz der Mundpropaganda und ein Informationsflyer sorgen für die Resonanz.

Federführend richten zwei Vereine das Fest für die Stadt aus: der TSV Bonames und der Rollstuhl-Sport-Club Frankfurt. Das Referat Integrationssport der Sportjugend Hessen, der Deutsche Rollstuhl Sportverband, die Fachhochschule Frankfurt, die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik und der Hessische Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband helfen mit. 

Dieter Kuch aus dem Vereinsvorstand des TSV Bonames koordiniert das Spiel- und Sportfest von Beginn an. Er sagt: „Die Idee der Inklusion versuchen wir seit Langem im Verein umzusetzen: Dass Menschen aller Couleur gemeinsam Sport treiben können.“ Das bunte Geschehen sei „sehr wohl durchdacht. Hinter jeder Station steckt ein Konzept“. Jedes Kind soll in der riesigen Halle „irgendetwas finden, wo es sich bewegen und gemeinsam mit anderen Spaß haben kann“. 

Drei 7,5-Tonnen-Lastwagen macht der TSV jedes Jahr voll, um all die Gerätschaften aus Bonames in die Halle zu karren, darunter auch die großen Trampoline. 80 ehrenamtliche Helfer des Vereins sind eingebunden, insgesamt, schätzt Kuch, dürften es 120 sein. Das Spielfest sei in Frankfurt zu einer Marke geworden, stellt Kuch fest. Auch wenn wieder schätzungsweise mehr als 3000 Besucher gekommen seien, würde es Kuch begrüßen, wenn seitens der Stadt noch etwas mehr für diese Veranstaltung geworben würde.

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