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Schlappekicker-Preis Eine zweite Heimat

Der 1. FC Eschborn erhält im Frankfurter Römer den Schlappekicker-Preis der Frankfurter Rundschau.

03.12.2014 07:53
Schlappekicker-Preisträger 2014: Karl-Heinz Mette (Präsident des 1. FC Eschborn, li.), Schlappekicker-Vorsitzende Katja Sturm, Denis Biesold (Marketingleiter des 1. FC Eschborn) und Kalos Kirenge im Limpurg-Saal des Frankfurter Römer. Foto: Andreas Arnold

In Tansania ist es jetzt schön warm. So zeigt das Thermometer in Mwanza beispielsweise, im Norden des ostafrikanischen Landes, angenehme 25 Grad an, sehr viel mehr also als hierzulande. Den Unterschied spürt auch Kalos Kirenge: „In Deutschland ist es schon ein bisschen kalt“, sagte der Innenverteidiger des 1. FC Eschborn mit seinem für ihn so typischen Lachen am Montagabend im Frankfurter Römer, wo der Klub, für den der Afrikaner derzeit seine Fußballstiefel schnürt, den mit 5000 Euro dotierten Schlappekicker-Preis der Frankfurter Rundschau erhielt.

Für Kirenge ist der Aufenthalt in Deutschland ohnehin ein ganz neuartiges Erlebnis. Hierhergekommen ist er über das Projekt „Fels“ („Football, Education, Life Skills“), das tansanische Jugendfußballer auf ihrem Weg in die Zukunft begleitet. Kooperationspartner ist der Hessenligist, der den 20-Jährigen seit dem 1. Juli 2014 ausbildet. Die Umstellung fällt ihm freilich nicht immer ganz leicht. „Die Kultur ist hier natürlich eine ganz andere als in Tansania.“ Anders schon, allerdings auch „sehr interessant“, so Kirenge, der seine Zeit in Deutschland als „schöne Erfahrung“ bezeichnete.

Für Kirenge ist Deutschland also schon jetzt fast so etwas wie eine zweite Heimat geworden. Und das ist etwas, von dem auch all die anderen Migranten und Kriegsflüchtlinge profitieren, denen der 1. FC Eschborn helfend unter die Arme greift – eine vorbildliche Arbeit, die auch von Stadtrat Peter Mensinger gewürdigt wurde, der in seiner Begrüßungsrede davon sprach, dass der Verein sich „als neue Perle in die Reihe der Preisträger würdig“ einfüge. Bereits seit 1998 zeichnet die von der FR-Sportredaktion im Jahr 1951 gegründete Schlappekicker-Aktion Personen oder Vereine aus dem Rhein-Main-Gebiet aus, die sich in besonderer Weise für die sozialen Aspekte im Sport einsetzen.

Auch Katja Sturm wies in ihrer Laudatio darauf hin, wie wichtig das Engagement der Eschborner sei: „Am wichtigsten ist es, einfach zuzupacken und anderen den Weg in eine Gemeinschaft zu ebnen, in der sie finden, was ihnen fehlt: ein bisschen Heimat, etwas Geborgenheit und am besten sogar eine Zukunft“, sagte die Vorsitzende der Schlappekicker-Aktion. Der Fußball sei dafür ideal geeignet, denn zum Kicken brauche man keine Sprache, der Sport verbinde die Spieler miteinander: So könnten sie „die Sorgen und Probleme des Alltags eine Zeitlang vergessen“.

„Punkte sind nicht alles“

Das ist eine Aufgabe, die den Eschbornern schon seit Jahren sehr am Herzen liegt – mehr noch als der sportliche Erfolg , sagte Karl-Heinz Mette und nannte die Auszeichnung für den Klub, der in der Hessenliga derzeit Platz sieben belegt, den „schönsten Sieg, den wir je errungen haben“. Der Präsident des 1. FC Eschborn bedankte sich ausdrücklich bei den vielen ehrenamtlichen Helfern, die dies alles erst möglich gemacht hätten, und bezeichnete den Schlappekicker-Preis gleichzeitig als „Verpflichtung, auch in Zukunft weiter so zu arbeiten“.

Für Kalos Kirenge jedenfalls wird Eschborn zumindest bis zum Sommer 2015 seine neue Heimat bleiben. Hier hat er schon viel erlebt, nur eins fehlt ihm noch zu seinem Glück: Schnee. Den hat er im warmen Tansania nämlich noch nicht gesehen. Jetzt hofft er auf weiße Weihnachten.

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