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Schlappekicker-Preis 2016 Kicken zum Einstieg ins neue Leben

Das Projekt „Skyline Soccer“ der SG Bornheim Grün-Weiß erhält den Schlappekicker-Preis der Frankfurter Rundschau.

So sehen Sieger aus: Erster beim Integrationscup auf der Zeil. Foto: Skyline Soccer

In Frankfurt wird Multikulti großgeschrieben. „Ich wohne selbst in einem Haus, in dem Familien aus sechs oder sieben Nationen vertreten sind“, sagt Jürgen Holzapfel: „Das Herkunftsland der Menschen ist total uninteressant.“ Für den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der SG Bornheim Grün-Weiß ist es deshalb selbstverständlich, sich um diejenigen zu kümmern, die ihre Heimat verlassen haben und in Deutschland ein neues Leben beginnen wollen.

„Wir waren der Meinung, dass es zu wenig Angebote in Frankfurt gibt“, sagt Ulrich Fliess, der deshalb mit Holzapfel Ende 2015 ein neues Projekt gegründet hat, das sich auf junge, sportbegeisterte Geflüchtete konzentriert und ihnen den Einstieg in ihr neues Leben erleichtern soll. „Skyline Soccer“, so viel lässt sich nach einem Jahr schon sagen, ist ein voller Erfolg, der nun auch entsprechend belohnt wird: Am Montagabend erhält der Verein für sein Projekt, das den Austausch zwischen unterschiedlichen Gemeinschaften, Völkern und Kulturen fördert, im Frankfurter Römer den mit 5000 Euro dotierten Schlappekicker-Preis der Frankfurter Rundschau.

„Es geht darum, denen, die danach lechzen, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu geben“, so Fliess, ehemaliger Geschäftsführer Mitternachtssport bei der Sportjugend Frankfurt. Im besten Falle gelingt es den Machern, die jungen Kicker in Vereine zu integrieren – was tatsächlich schon häufiger vorgekommen ist, allein bei der SG Bornheim spielen mittlerweile sechs Fußballer aktiv im Klub mit. Ein solches Ergebnis ist natürlich nur dann möglich, wenn man auch etwas zu bieten hat. Und das haben die Bornheimer in der Tat.

Über einen Zeitraum von sechs Monaten, von April bis September, haben sie den Geflüchteten zweimal in der Woche die Möglichkeit angeboten, sich jeweils drei Stunden lang ganz dem Fußballspielen zu widmen. Dienstagvormittags stand ihnen der Platz der SG Bornheim zur Verfügung, donnerstags der Rasen im Stadion am Brentanobad. Dort ist Rot-Weiss Frankfurt beheimatet, den die Bornheimer über Fliess‘ Sohn Tim, der beim Hessenligisten aktiv ist, als Kooperationspartner für ihr Projekt gewinnen konnten.

Der Andrang war riesengroß: Zu Dutzenden kamen die Geflüchteten und schnürten zweimal die Woche die Fußballstiefel. Das bedeutete für die Bornheimer natürlich viel Arbeit, die nur mit Hilfe von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern zu bewältigen war. „Es ist uns gelungen, viele junge Menschen zu gewinnen, die sich bei uns engagieren“, sagt Fliess: „Das macht uns mächtig stolz.“ Zu den Geburtshelfern des Projekts zählt auch Danijel Pajic, der selbst einst aus Bosnien geflüchtet war und inzwischen als „Koordinator für Flüchtlingshilfe“ bei der SG Bornheim tätig ist.

Einer, der ebenfalls geholfen hat, war Khaibar Amani. Der afghanische Nationalspieler, der für Hessenliga-Spitzenreiter SC Hessen Dreieich spielt, inspirierte mit seinen Auftritten auf dem Platz besonders viele seiner jugendlichen Landsleute. Auch der ehemalige Bundesligaprofi Mimoun Azaouagh gehört zu den aktiven Unterstützern des Projektes. „Das sind natürlich alles wichtige Identifikationsfiguren, die, so Fliess, dabei geholfen hätten, neue Teilnehmer zu gewinnen. „Es sind alle gerne gekommen. Alle haben sich wohlgefühlt, alle haben voneinander gelernt“, berichtet Holzapfel. Die Resonanz sei in der Tat großartig gewesen, sagt Fliess, die Stimmung sehr positiv: „Es gab keinen Stress, keine Gewalt, keinen Streit.“ Spaß und Humor, hätten im Mittelpunkt gestanden.

Das ist alles leider nicht selbstverständlich. Denn eins sei nun mal klar, so Vorstandsprecher Harald Seehausen: „Dort, wo viele unterschiedliche Meinungen und Mentalitäten aufeinanderprallen, entstehen oft auch Konflikte. Da müssen wir uns nichts vormachen.“ Doch die Bornheimer haben damit keinerlei Probleme gehabt, die von ihnen vorgelebte „Willkommensatmosphäre“ (Seehausen) hat von Beginn an für Harmonie und gute Stimmung gesorgt.

Das liegt vielleicht auch daran, dass das bunte Miteinander in Bornheim ohnehin an der Tagesordnung ist, denn immerhin jagen hier auch im regulären Sportbetrieb Spieler aus 54 Nationen dem Ball hinterher. „Da geht mir immer das Herz auf, wenn ich das sehe“, so Seehausen, für den vor allem wichtig ist, dass die Geflüchteten „raus kommen aus der Enge“ und mitten rein kommen ins Leben.

Dort standen sie auch am 4. September, als die Bornheimer zum ersten Frankfurter Integrationscup an der Konstablerwache in der Frankfurter Innenstadt luden. „Wir wollten alle zusammenbringen“, so Fliess: „Jugendliche aus Deutschland mit und ohne Migrationshintergrund und die Geflüchteten.“ Das ist den Bornheimern überaus gut gelungen. 24 Teams aus Frankfurt und der näheren Umgebung traten auf zwei „Soccer Courts“ in einem freundschaftlichen Wettstreit gegeneinander an. Das sportliche Ergebnis spielte dabei am Ende nur eine untergeordnete Rolle, viel wichtiger war das gemeinsame Erlebnis.

Darauf wollen die Bornheimer aufbauen. Fürs kommende Jahr sind weitere Großveranstaltungen angedacht, eine davon in der Halle, zwei unter freiem Himmel. Noch sind die Pläne nicht ganz ausgereift, doch eins steht jetzt schon fest: Die Bornheimer haben mit ihrem Projekt auf jeden Fall noch viel vor, Multikulti wird bei ihnen auch in Zukunft großgeschrieben.

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