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Schlappekicker 2011 Die fünf Preisträger

Die Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau zeichnet beim integrativen Spiel- und Sportfest in Kalbach fünf Vereine aus. 2000 Euro wandern jeweils in die Vereinskasse.

09.11.2011 09:46
Oliver Kauer-Berk
Die Welt mal ganz anders erleben: Kinder proben beim Integrativen Sport- und Spielfest in Kalbach den Alltag im Rollstuhl und verlieren an Bodenhaftung. Foto: Boeckheler

Schatzsuche in der Turnhalle

Bei der TG Rüdesheim wird mal der Mount Everest bestiegen, mal ein Hase aus der Gewalt von Tierfängern gerettet. In der psychomotorischen Kinderturngruppe „Erlebnis- und Abenteuerraum“ toben donnerstags bis zu 30 Kinder im Alter zwischen sechs und 13 Jahre anderthalb Stunden lang durch die Halle. Etwa die Hälfte bringt ein geistiges Handicap mit. Zahlen, die für psychomotorische Fördergruppen mehr als beachtlich sind. „Die Kinder gehen unheimlich mit“, erzählt Übungsleiterin Andel Glock. Auch skeptische Eltern sind meist schnell überzeugt vom Konzept. „Die Gruppe ist so gemischt, dass in ihr niemand auffällt.“

Ob beim Ritterturnier oder bei der Schatzsuche, auf dem Trampolin oder bei den Ausflügen zur Kletterwand des Rheingau-Gymnasiums – die Jungen und Mädchen akzeptieren sich. Streitigkeiten untereinander sind äußerst selten. „Wir sind selbst manchmal ganz erstaunt“, sagt Andel Glock.

Der Betreuungsaufwand ist sehr groß, sieben Kräfte werden für eine einzige Stunde benötigt. Nach den positiven Erfahrungen mit der Abenteuer-Gruppe wird bei der TG Rüdesheim nun eine ganze Abteilung für gemeinsamen Sport von Menschen mit und ohne Behinderung aufgebaut.

Tauchgang mit den Wasserflöhen

Der Verein für integrativen Tauchsport Darmstadt, Ende 2008 gegründet, schafft für Menschen mit geistiger Behinderung ein außergewöhnliches Freizeitangebot. Die Wasserflöhe, wie sich die Südhessen nennen, wollen damit auch eine Hilfestellung bei der sozialen Integration geben. Der Verein basiert auf dem Förderverein behinderter Kinder Langen. Als dieser vor drei Jahren vor der Auflösung stand, beschlossen die aktiven Teilnehmer kurzerhand die Vereinsgründung.

Im Nordbad werden zurzeit alle 14 Tage samstags zehn Taucher mit Handicap betreut. Die Altersspanne reicht von 16 bis 40 Jahren. „Ein Mädchen mit Downsyndrom hat vor Kurzem den regulären Tauchschein abgelegt“, erzählt der Vereinsvorsitzende Marko Bertges stolz.

Tauchen ist ein relativ kostenaufwändiger Sport. Die Schlappekicker-Hilfe soll unter anderem für die nötigen TÜV-Überprüfungen der Gerätschaften verwendet werden.

Bewegung am Netz

Der TV Hausen in Obertshausen möchte Menschen mit einem geistigen Handicap die Teilnahme an den Angeboten des Vereins ermöglichen. So bietet die Tennisabteilung seit Winter 2010 die Möglichkeit, eine für Menschen mit Behinderung ungewöhnliche Sportart zu erlernen und zu betreiben.

Einmal in der Woche üben die Bewohner einer betreuten Wohnanlage bei einem ausgebildeten Trainer: im Sommer auf den Plätzen des Vereins, im Winter in der angegliederten Traglufthalle. „Neben der Partizipation am gesellschaftlichen Leben werden durch das Training motorische, kognitive und koordinative Fähigkeiten erkannt und gezielt gefördert. Zudem gleicht das Training den Bewegungsmangel aus“, so Abteilungschefin Silvia Johannisson.

Mittelfristige Ziele sind die Einrichtung einer zweiten Gruppe sowie eines integrativen Vereinsangebots für Spieler mit und ohne Handicap.

Kicken für alle

Als SVSG Wiesbaden organisieren der VSG Wiesbaden, Verein für Behinderten- und Rehabilitationssport, und die Fußballer vom SV Schierstein seit 2008 gemeinsamen Fußball behinderter und nichtbehinderter Freizeitsportler. Einmal pro Jahr wird das eigene „Turnier der Herzen“ mit mehr als 150 Fußballern ausgetragen. Zudem gibt es zwei bis drei Hallenveranstaltungen. Der Stamm ist auf 40 Spielerinnen und Spieler angewachsen. Die Kicker mit Handicap sind meist Menschen mit Downsyndrom, mit Lernverzögerungen oder Gehörlose.

„Wir unterscheiden nicht in verschiedene Mannschaften“, sagt Jugendwart Lothar Simon und weist auf die soziale Inklusion behinderter Menschen hin: Danach geht es nicht mehr nur darum zu integrieren, sondern allen Menschen von vornherein die Teilnahme an allen gesellschaftlichen Aktivitäten zu ermöglichen.

Mit der Schlappekicker-Förderung wollen die Wiesbadener Kicker im nächsten Jahr eine Reise zu den Wettbewerben der Special Olympics nach München finanzieren.

Showdown am Tisch

Im Jahr 2009 lernte Eli Osewald bei einem Festival in Hannover eine für sie neue Sportart kennen: Tischball für Blinde und Sehgeschädigte, auch Showdown genannt. „Das will ich auch machen“, sagte sich die Frankfurterin und nahm das Vorhaben zusammen mit ihrem Mann Martin und weiteren Gleichgesinnten in Angriff. Seit August 2010 wird nun das Tischtennis für Nicht-Sehende im Niddapark angeboten.

Beim SV Blau-Gelb Frankfurt gibt es seit April eine eigenständige Unterabteilung Tischball. Anders als beim Tischtennis ist die Platte von einer 14 Zentimeter hohen Bande umgeben, an den Stirnseiten befinden sich die Tore in Form von halbrunden Öffnungen im Plattenboden. Anstelle des Netzes ist in der Tischmitte ein Brett angebracht, unter dem die Spieler den rasselnden Ball hindurch schlagen.

Sehende spielen mit abgedunkelter Brille Tischball. Eine Platte kostet rund 1500 Euro. Ein erstes Exemplar haben Eli Osewald und ihre Mitstreiter über die „Aktion Mensch“ gestellt bekommen.

Der Schlappekicker unterstützt den Aufbau der Abteilung, unter anderem kann so eine weitere Spielplatte angeschafft werden.

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