Lade Inhalte...

FC Gudesding Frankfurt Ein Verein, der viele gute Zeichen setzt

Der FC Gudesding wird heute Abend im Frankfurter Römer mit dem Schlappekicker-Preis ausgezeichnet.

27.11.2017 08:49
Gudesding
Haben immer gute Ideen: Jakob Berthoud, Bela Cohn-Bendit, Luis Engelhardt (von links). Foto: Christoph Boeckheler

Es ist ein Zeichen, das auf dem Fußballplatz bisher seinesgleichen sucht. Mit einem weißen X auf den Trikots bezieht der FC Gudesding Frankfurt seit Anfang Oktober eindeutig Stellung zu einem Problem, das von der Gesellschaft meist totgeschwiegen wird: sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Gerade auch ein Sportverein habe hier eine Vorbildfunktion, sagt Gudesding-Sportvorstand Bela Cohn-Bendit, Beispiele für Machtmissbrauch gebe es in allen Sportarten: „Ich bin stolz darauf, dass wir uns bei diesem Tabuthema als erster Verein ganz klar positioniert haben.“

Mit dem weißen X unterstützt der Frankfurter Kreisligist die Initiative „Kein Raum für Missbrauch“ des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, der in einem offiziellen Statement zum Start der Kampagne den FC Gudesding als „leuchtendes Vorbild“ für alle Fußballvereine in Deutschland bezeichnete. Wie wichtig das Engagement ist, zeigt ein Blick auf die polizeiliche Kriminalstatistik, die jährlich mehr als 12 000 angezeigte Missbrauchsfälle aufweist. Und das ist nur die offizielle Zahl, die Dunkelziffer liegt noch sehr viel höher.

Dass Gudesding auf Anregung von Adrian Koerfer, einem Mitglied des Betroffenenrates, bei der Initiative einstieg, war eine Selbstverständlichkeit, wie der Vorsitzende Rainer Weiss in einem Interview des „Hessen-Fußball“-Magazins darlegte: „Wir tragen das Thema in die Kreisliga, denn ein Verein muss ja schließlich damit anfangen. Es ist ein wichtiges gesellschaftliches Thema und passt zu einem Sportverein, in dem sich viele junge Menschen betätigen.“ 

„Kein Raum für Missbrauch“ ist das jüngste Projekt des FC Gudesding, der für sein gesamtes gesellschaftliches Engagement heute Abend im Frankfurter Römer den mit 5000 Euro dotierten Schlappekicker-Preis der Frankfurter Rundschau erhält. Dass nicht allein das Sportliche im Mittelpunkt stehen sollte, war Bela Cohn-Bendit, Luis Engelhardt und Jakob Berthoud schon im Frühsommer 2011 wichtig, als die Idee für die Gründung eines Vereins am Küchentisch ihrer Studenten-WG in Bornheim geboren wurde. So lag ihnen beispielsweise die Integration geflüchteter Menschen von Beginn an sehr am Herzen. Der Vorstand leistet Unterstützung bei der Ausbildungs- und Wohnungssuche, vermittelt Sprachkurse, hilft bei Behördengängen und setzt an erster Stelle auf das interkulturelle Lernen und Kennenlernen. „Unser Verein lebt das, was die Stadt ausmacht: Bunte Vielfalt, das multikulturelle Miteinander“, sagt Berthoud: „Sport ist ein Supermittel, um den Jungs den Einstieg zu erleichtern.“ 22 verschiedene Nationalitäten sind bei Gudesding mittlerweile vertreten, mehrere Syrer, die vor dem Bürgerkrieg geflüchtet sind, schnüren beim FC Gudesding die Fußballstiefel. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum