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Käs Frankfurt Seitenweise Hass: Der Hateslam geht weiter

Redakteurinnen und Redakteure von FR, FNP und FAZ geben einen Einblick in das, was täglich in den Redaktionspostfächern und Kommentarspalten landet.

Hate Slam
Dem Hass entgegentreten: Redakteure von FR, FNP und FAZ lesen in der Frankfurter Käs Hassmails und Beleidigungen vor, die die Redaktionen erreichen, hier die FR-Online-Redakteure Katja Thorwarth und Stefan Krieger . Foto: Renate Hoyer

Die Redaktionen der Frankfurter Zeitungen eint, dass in ihren Postfächern und Kommentarspalten täglich nicht nur Nettigkeiten landen. Regelmäßig schlägt den Journalisten bei ihrer Arbeit blanker Hass entgegen, mit dem sie nicht selten auch persönlich angegriffen werden. Statt die verbalen Entgleisungen einiger Leser für sich zu behalten, hatten die Redakteure der FR, der FNP und der FAZ am Sonntag im Kabarett-Theater Käs zu einem „Hate Slam“ eingeladen, bei dem seitenweise Hassbriefe, politische Attacken und wirre Texte aus den Redaktionspostfächern vorgelesen wurden. Für die Frankfurter Rundschau waren die Redakteurin Katja Thorwarth und ihr Kollege Stefan Krieger auf der Bühne und gaben vor einem vollen Saal einen Einblick in die Zuschriften.

„Uns wird regelmäßig unterstellt, wir würden uns die Kommentare ausdenken“, erklärte Thorwarth dem Publikum. „Ich kann versichern, dass dies nicht so ist.“ Obwohl laut Aussage der Redakteure die ganz harten Sachen und strafrechtlich relevante Zuschriften und Kommentare nicht vorgelesen wurden, musste so mancher im Publikum immer wieder den Kopf schütteln.

„Linksgrüne Homofaschisten“ 

Neben beleidigenden Anreden wie „Redaktionsmatschbirne“ oder „linksgrüne Homofaschisten“ gehören Vorwürfe der Zensur sowie der unkritischen Berichterstattung zu den verlesenen Texten, die in der Regel ebenfalls in beleidigendem Ton geschrieben sind. Ein weiterer Teil der regelmäßigen Zuschriften und Kommentare hat zudem einen rechtsextremen Hintergrund. Immer wieder wird gegen Flüchtlinge, Homosexuelle und andere Gruppen gehetzt. Selbst ein Artikel über die Bäume im Palmengarten hielt einen Leser nicht davon ab, einen Hassbrief gegen Flüchtlinge zu verfassen.

Trotz der oft ernsten Themen sorgten Sätze wie „Autonome graben Pflastersteine aus, die von Steuergeldern bezahlt wurden, Reichsbürger bezahlen ihre Waffen immerhin selbst“ für Gelächter im Publikum. Auch die Redakteure auf der Bühne konnten sich bei dem ein oder anderen Satz das Lachen nicht verkneifen.

Manchmal bleibt das Lachen im Hals stecken 

Das galt besonders bei solchen Zuschriften, die Thorwarth und ihr Kollege unter der Kategorie „Die Wirren“ zusammengefasst hatten. „Bei manchen davon wissen wir auch nicht so genau, was eigentlich gemeint ist“, erläuterte Krieger. Stilprägend für derartige Beiträge ist beispielsweise ein frei erfundener Satzbau, der in manchen Fällen ohne Punkt und Komma auskommt.

Erfahrungen mit Hass-Beiträgen hatten auch einige Zuhörer im Publikum. „Man liest ja auch selbst die Kommentare und wundert sich, was die Leute da von sich geben“, sagt Rahel Harraß. „Es ist interessant zu erfahren, wie das bei denen ankommt, deren Texte angegriffen werden.“ Ihr Begleiter Stefan Stang ist davon überzeugt, dass der „Hate Slam“ daher mehr als nur Unterhaltung ist und auch zum Nachdenken anregt: „Manchmal bleibt einem bei den Kommentaren sicher das Lachen im Hals stecken.“

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