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Frankfurter Rundschau Stift und Feder

Meinungsbildung mit einem Schmunzeln: Die Karikaturen für die FR zeichnete über fünf Jahrzehnte Felix Mussil. Heute hat Thomas Plaßmann den Job.

31.07.2015 13:03
Hans-Hermann Kotte
Thomas Plaßmann nach den Anschlägen in Paris. Foto: FR

Die Digitalisierung lag Felix Mussil schon 1987 am Herzen. Meinungsbildung mit einem Schmunzeln: Die Karikaturen für die Frankfurter Rundschau zeichnete über fünf Jahrzehnte Felix Mussil, in einem Abstellkammer-Atelier auf dem Dach des Verlagshauses. Heute hat Thomas Plaßmann diese Aufgabe – und sendet Bilddateien, zuvor natürlich handgezeichnet.

Eine Tageszeitung ohne Karikatur? „Nicht denkbar“, sagt Achim Frenz, Leiter des Frankfurter Caricatura-Museums. Er spricht von einer Kunstform und einer großen Tradition, die die Blätter weiter pflegen sollten. Frenz beobachtet in der Zeitungslandschaft allerdings den Trend, die Karikatur als „bloßen Füller“ zu begreifen. Möglicherweise hätten manche Verleger und Blattmacher nicht im Blick, wie wichtig den Lesern die Karikatur sei. Es gelte aber, das Potenzial der Karikatur zu erkennen, die sich von einer „Kommentierung des Leitartikels“ längst weiterentwickelt habe – etwa mit den Arbeiten von Greser & Lenz, die „ganze Geschichten erzählen“.

Für unverzichtbar hält man die Karikatur auch bei der Akademie für Kommunikation in Baden-Württemberg. Dort wird seit 1995 der „Deutsche Preis für die politische Karikatur – Mit spitzer Feder“ verliehen, der diese „journalistische Ausdrucksform“ aufwerten soll. Ulrich Druba, Leiter der Akademie, beklagt, „dass die Karikatur bei Blattreformen oft weiter nach hinten in den Zeitungen rückt“. Daher wolle man zum Ausdruck bringen, „wie wichtig die Arbeit dieser hochpolitisch denkenden Künstler für die öffentliche Meinungsbildung ist“.

Für die Geschichte der FR sind zwei Karikaturisten prägend.

Felix Mussil, der rekordverdächtig lange – mehr als 50 Jahre – für die FR zeichnete, und Thomas Plaßmann, der Mussil im Jahr 2002 ablöste. Mussil, 1921 geboren, ist eine legendäre Figur. Er residierte auf dem Dach des alten Rundschau-Hauses. Seine Klause in luftiger Höhe war nicht nur über eine Treppe, sondern auch auf direktem Weg über die Dachpappe erreichbar. Zum Mittagessen in der Kantine ging Mussil meist diese Strecke, nur durch die großen Leuchtreklame-Buchstaben vorm Abgrund geschützt.

Mussils Karikaturen wurden viele Jahre auf der FR-Titelseite gedruckt – aber nicht unbedingt täglich, eher etwa alle zwei, drei Tage. „Seine Zeichnungen waren der erste Kommentar im Blatt, die FR hatte ja nie einen Leitartikel oder Kommentar auf der Seite 1“, sagt Roderich Reifenrath, Chefredakteur von 1992 bis 2000. Optik und Fotos hätten damals noch keinen so großen Stellenwert gehabt, umso wichtiger sei die Karikatur gewesen.

Thomas Plaßmann, Jahrgang 1960, zeichnet seit acht Jahren tagtäglich für die FR. Da er in Nordrhein-Westfalen lebt und arbeitet, kommen seine Karikaturen als Bilddatei auf elektronischem Weg in die Redaktion. „Das tägliche Zeichnen reizt mich sehr, auch wenn es mich stark bindet“, sagt Plaßmann. Vier Wochen Ferien auf Island seien da schwierig. Plaßmanns Lieblingssujet sind sozialpolitische Themen. Er mag das Karikaturenzeichnen, weil hier einiges zusammenkommt: „Politisch-journalistische Haltung, Zeichentalent, Humor – und in Bildern denken können muss man auch.“ Es sei „ein Privileg, jeden Tag so ein großes Publikum zu haben“. Und einen festen Platz in der FR hat er dazu.

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