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Schlappekicker „Wir konnten uns gemeinsam über viele Erfolge freuen“

Der stellvertretende Schlappekicker-Vorsitzende Harald Stenger spricht im Interview über Innovation und Tradition, neue Mitglieder und alte Freunde, künftige Ziele und das aktuelle Spendenergebnis.

21.12.2017 11:57
Lukas Podolski und Harald Stenger
Gute Freunde: Lukas Podolski und Harald Stenger waren beim DFB immer für einen Spaß gut. Foto: imago

Bis 2001 zwölf Jahre im Schlappekicker-Vorstand, davon fünf Jahre als Vorsitzender. Seit April 2017 wieder einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden. Wie fühlt sich die Aufgabe im alten und doch neuen Umfeld an?
Echt gut. Vorab eins: Der neue Schlappekicker-Vorstand war sich von Anfang an darüber im Klaren, dass die Arbeit kein Selbstläufer wird. Aber wir haben uns aus Überzeugung vorgenommen, verstärkt unsere Kraft und Zeit in eine traditionsreiche Initiative zu investieren – und da konnten wir uns in den vergangenen Wochen als motiviertes Team gemeinsam über viele Erfolge freuen. Unser Ziel ist klar: Wir stehen für Innovation. Wurden früher primär unverschuldet in Not geratene Sportlerinnen und Sportler unterstützt, haben wir nicht erst in diesem Jahr neue Schwerpunkte gesetzt. Wir fördern Sportvereine und –initiativen, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich engagieren und damit dem sozialen Aspekt des Sports einen entsprechenden Stellenwert geben. Dazu gehört auch die Unterstützung von Vereinen, die sich im Sinne der Integration für den Behindertensport in ihrem Alltag engagieren. Weitere Projekte im Rahmen der Verwendung der Spenden der Weihnachts-Sammlung sollen im kommenden Jahr in Angriff genommen werden – der neue Vorstand schmiedet etliche Pläne und hat dafür zuletzt viele Kontakte geknüpft.

Wie fällt die erste Bilanz der noch laufenden Sammelaktion 2017 aus?
Wir hoffen natürlich, dass gerade rund um die Feiertage weitere Spenden durch FR-Leserinnen und –Leser, Sportvereine und –verbände, Organisationen, Firmen und Prominente auf unserem Konto eingehen. Schon jetzt können wir aber sagen, dass wir uns über das bisherige Ergebnis freuen und die Chancen gut sind, am Ende des Jahres im Vergleich zu den Ergebnissen in jüngster Vergangenheit eine Steigerung feststellen zu können. Besonders erfreulich ist auch diesmal wieder der Blick auf die Spendenlisten. Wenn da etwa das Kickers-Idol Hermann Nuber und die Eintracht-Legende Dieter Stinka, die sich im unvergessenen 59er-Finale um die deutsche Meisterschaft in Berlin gegenüberstanden, ebenso vertreten sind wie der aktuelle FSV-Trainer Alex Conrad und andere in der mainischen Sportszene bestens bekannte Gesichter oder über 50 kleinere Vereine des Fußballkreises Frankfurt und die Eintracht Fußball AG, dann wird damit dokumentiert, von welchem Geist die Schlappekicker-Aktion in all den Jahrzehnten geprägt war. Schlappekicker-Schirmherr Charly Körbel hat dies neulich in einem FR-Interview in Erinnerung an seinen Vorgänger mit dem „Fritz-Walter-Geist“ beschrieben und dabei den Solidaritäts- mit dem Fairplay-Gedanken in unserer Gesellschaft verknüpft.

Wo liegen die Schwerpunkte der Arbeit des neuen Vorstands?
Der Fußball ist von der Tradition her ein enger und verlässlicher Partner der Schlappekicker-Aktion. Doch der neue Vorstand ist sich bewusst, dass genauso die anderen Sportarten, die in der Öffentlichkeit weniger im Blickpunkt stehen, für unsere Arbeit weiterhin eine wichtige Rolle spielen sollen. Die fast 30 Jahre währende Unterstützung für die in diesem Jahr verstorbene Kunstturnerin Christel Müller ist dafür ein Beispiel. Die Verleihung des Schlappekicker-Preises zeigt weitere Beispiele, denn wir haben hier seit 1989 u. a. einen Kampfsportverein ausgezeichnet, der sich besonders um Frauen im Sport bemüht, ein Mitternachts-Basketball-Projekt wurde gewürdigt, als solche  mittlerweile von vielen Sportarten praktizierte Modelle noch nicht so bekannt waren. Geehrt wurde ein Verein, der   ein Angebot für psychomotorisch gestörte Kinder macht.

Hat sich die Struktur des Schlappekicker-Vereins verändert?
Nein. Alle Aktivitäten und Fördermaßnahmen werden im sieben Personen umfassenden, von FR-Chefredakteur Arnd Festerling angeführten Vorstand beschlossen. Die Entscheidung über die Verleihung des Schlappekicker-Preises wird von einer unabhängigen Jury unter Vorsitz von Harald Schmid getroffen, alle fünf Mitglieder sind für ihr sportliches und gesellschaftliches Engagement und damit entsprechende soziale Kompetenz bekannt. Die wichtigste Veränderung in diesem Jahr betraf die Tatsache, dass wir gezielt und erfolgreich um neue Vereins-Mitglieder geworben haben. Der grundsätzliche Gedanke dabei war, den Kontakt zu aktuell im Sport aktiven Meinungsmachern zu intensivieren. Ohne großes Zögern haben viele zugesagt: Die   Ex-Nationalspielerinnen Nia Künzer und Steffi Jones, die Großes im Frauenfußball erreicht haben, der heute im Hessischen Innenministerium als Sportreferent tätige Jens–Uwe Münker macht genauso mit wie der Vorsitzende der TG Bornheim, Peter Völker, der für seinen Ideenreichtum bekannt ist. Mit im Boot sitzen auch die Fußball-Macher Axel Hellmann, Peter Fischer, Bernd Reisig sowie die den hessischen Fußball-Verband repräsentierenden Stefan Reuß, Gerhard Hilgers und Dietrich Stein. Mit von der Partie und damit ein Beispiel für den bewussten Weg, die Tradition zu pflegen, sind außerdem Philip Holzer, der Sohn des unvergessenen FR-Chefredakteurs Werner Holzer, und Johan Helmer Hein, der Enkel des verstorbenen FR-Sportjournalisten Helmer Boelsen.

Was ist das Besondere der Schlappekicker-Aktion?
Als Ur-Frankfurter habe ich mich sehr gefreut, als Oberbürgermeister Peter Feldmann in diesem Jahr bei der Verleihung des Schlappekicker-Preises im Kaisersaal des Römers darauf hingewiesen hat, dass „der Schlappekicker was typisch Frankforderisches“ ist. Und der Skyliners-Profi Isaac Bonga stellte in anderem Zusammenhang treffend fest: „Ich finde den Schlappekicker gut, weil er schon durch seinen originellen Namen im Sport etwas Besonderes darstellt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Wir können und wollen beim Spenden sammeln nicht mit den großen Sozialeinrichtungen und Stiftungen des Sports, von denen es ja mittlerweile einige gibt, mithalten. Die Schlappekicker-Aktion hat ihre eigene Tradition und will mit der Weihnachts-Sammlung einen effektiven, modernen Beitrag dazu leisten, im Sport in Frankfurt und Hessen etwas zu bewegen und zu helfen. Die Satzungsvorgabe, unverschuldet in Not geratene Sportlerinnen und Sportler zu unterstützen sowie Sportvereine und –initiativen zu fördern, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich engagieren, wird dabei immer das Leitmotiv sein. Dass wir dem immer wieder aufs Neue gerecht werden können, verdanken wir ausschließlich unseren Spendern, ob jung oder alt, ob neue oder seit vielen Jahren der FR-Aktion verbundene Schlappekicker-Freunde, bei denen ich mich hiermit für ihr vielfältiges Engagement in diesem Jahr im Namen des Schlappekicker-Vorstands herzlich bedanken möchte.

Gespräch: FR

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